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Döbeln Westerwitzer Kläranlage setzt Bakterien auf Diät
Region Döbeln Westerwitzer Kläranlage setzt Bakterien auf Diät
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12:36 08.12.2015
Lydia Herrmann von der TU Dresden bei Laboruntersuchungen im Klärwerk Westewitz. Quelle: Sven Bartsch
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Westewitz

Die Kläranlage in Westewitz soll zur Pilotanlage für ein ganz besonderes Projekt werden. Es geht um Carismo. Entwickelt im Kompetenzzentrum Berlin, steht der Begriff für „Carbon is Money“. Das heißt, der im Abwasser enthaltene Kohlenstoff ist bares Geld. Doch wie kann dieser optimal aus dem Abwasserstrom gewonnen und dann genutzt werden?

„Warum sollten wir den Bakterien in den Belebungsbecken etwas zum Fraß vorwerfen, was wir anderweitig noch wunderbar nutzen können?“ Diese Frage stellte sich auch Hans-Jürgen Gemkow, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes (AZV) Döbeln-Jahnatal. Er ist bereit, die Kläranlage des AZV in Westewitz als Pilotanlage zur Verfügung zu stellen. Dort sollen die Bakterien, die bekanntermaßen dafür sorgen, dass die organischen Bestandteile im Abwasser abgebaut werden und es auf diese Weise reinigen, demnächst bewusst auf Diät gesetzt werden, also weniger Nahrung bekommen. Diesen Ansatz verfolgt Carismo. Das aus dieser Idee entwickelte Projekt will die OEWA Wasser und Abwasser GmbH als Betriebsführer des AZV in den kommenden Jahren in Westewitz auf seine Praxistauglichkeit hin testen.

„In der Theorie sind die Effekte bekannt und mit ausgiebigen Versuchsreihen bestätigt“, sagt OEWA-Niederlassungsleiter Wolf-Thomas Hendrich. Aber wie sich der Kohlenstoff- und damit Energieentzug in der Realität auswirkt, das wisse man bisher nicht. Deshalb nun die praktische Testphase. Die Herausforderung besteht darin, das System der biologischen Abwasserreinigung so einzustellen, dass die Bakterien trotz Diät ihre Arbeit wie gewohnt verrichten können und das Abwasser den Umweltanforderungen entsprechend reinigen. Für Gemkow Grundvoraussetzung, dem Projekt überhaupt zuzustimmen. „Die Ablaufwerte müssen stimmen“, betont er.

Schon am Zulauf der Kläranlage werde das ankommende Abwasser über eine Art Mikrosieb geschickt und der enthaltene Kohlenstoff mit einem speziellen Hilfsmittel in größeren Flocken gebunden, die man so leichter aus dem Abwasserstrom herausfiltern kann. Zum Beispiel, um sie gezielt einer Faulungsanlage zuzuführen und dort Energie zu gewinnen. Die Bakterien im Belebungsbecken der Kläranlage müssen also mit weniger Nahrung auskommen. Wie stark man sie auf Diät setzen kann, das gelte es zu beantworten.

Im Sommer 2016 könnte die Anlage in Betrieb gehen. Sie soll bis Ende 2017 im Testbetrieb laufen. „Wenn das Prinzip funktioniert, übernehmen wir die Anlage 2018“, sagt Gemkow. Die Finanzierung des Testlaufes steht bereits, ein Fördermittelbescheid der EU liegt vor.

Von Olaf Büchel

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