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Döbeln Wetterfest und frostsicher zum Sachsen-Dreier
Region Döbeln Wetterfest und frostsicher zum Sachsen-Dreier
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23:58 07.04.2013

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Sonnabendmorgen, 7.30 Uhr. Michael Schäfer zahlt die Startgebühr von 2,50 Euro. Bereits vor zwei Stunden ist der 40-jährige Döbelner aufgestanden, hat seinen Rucksack gepackt und sich auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht. Von dort ist er mit dem Bus nach Leisnig gefahren. Jetzt steht er am Start zum Sachsen-Dreier. Ausgesucht hat er sich die 20 Kilometer-Strecke nach Döbeln. Jetzt kann's losgehen. Wichtigstes Utensil an diesem Morgen? Die Wollmütze. "Ich habe mir die dickste Mütze geschnappt, die ich finden konnte", sagt Michael Schäfer. Plus ein Grad zeigt sein Thermometer an. Kein Grund zu kneifen. "Das Wetter hätte schlimmer sein können." Dann macht er sich auf den Weg Richtung Klosterbuch. Dort soll sein erster Stop sein. Neben dem Döbelner sind insgesamt 2460 Läufer an den Start gegangen. Organisationsleiter Günter Schär ist zufrieden: "Bei dem Wetter ist das eine super Resonanz. Wir sind nahe an unserer Rekordmarke von 3000 dran. Damit können wir mehr als zufrieden sein." An sechs Verpflegungspunkten wurden Fettbemmchen und Getränke angeboten. Heike Anker vom ESV Lok Döbeln und ihre Tochter Ronja sind eifrig am Schmieren. "Die Läufer ziehen uns die Brote unter den Messern weg", erzählt sie.

Es ist 11 Uhr. Die 700er Marke an Läufern, die sich in Klosterbuch ihren Stempel holen, ist geknackt. Auch Michael Schäfer ist angekommen. "Ich habe knapp drei Stunden gebraucht." Jetzt will er sich erst einmal stärken. Nach einer kurzen Pause marschiert er weiter über die Bischofswiesen. Am Kanuheim in Westewitz macht er noch einmal Halt. Die Schnürsenkel seines linken Schuhs sind gerissen. "Kein Problem. Ich habe mir starken Bindfaden mitgenommen. Man kann ja nie wissen." Auch den Regenschirm haben Schäfer und viele andere Läufer dabei. Brauchen werden sie den nicht. Das Wetter ist zwar kalt, aber immerhin trocken. "Für die Lungen ist die kühle Luft eigentlich ganz gut. Nur für die Ohren nicht", schmunzelt der Döbelner, während er seine Mütze noch etwas tiefer ins Gesicht zieht. Mit ihm machen sich noch weitere auf den Weg. Manche mit Stöcken bewaffnet, andere lediglich mit ihrer guten Laune. Die ist zum Sachsen-Dreier überall zu finden. Hochmotiviert stecken sie sich gegenseitig an, wenn einer mal einen kleinen Hänger hat. "Das ist eine Völkerwanderung. So viele Menschen, die eins verbindet: das Laufen. Das ist doch großartig!" Michael Schäfer ist die Begeisterung anzumerken. Er schafft die restlichen zehn Kilometer auch in drei Stunden. Im Ziel - dem Lok-Stadion in Großbauchlitz - angekommen, ist er glücklich, aber auch erleichtert. "Wenn ich dann zu Hause bin, lege ich erst einmal meine Füße hoch."

Stephanie Jankowski

2460 Läufer machten sich am Sonnabend auf den Weg. Wählen konnten sie zwischen sieben Strecken: 8 km, 17 km, 20 km, 29 km, 30 km, 40 km und 50 km. Die verliefen von Leisnig über Gorschmitz, Burg Mildenstein, Fischendorf, Masten, Limmritz, Wöllsdorf, Spitzstein, Wendishain, Mühlental, Riedelsteig, Klosterbuch, Westewitz, Bischofswiese und Technitz nach Döbeln. Ziel für alle war das Lok-Stadion in Großbauchlitz.

Die begehrtesten Strecken waren die 17 Kilometer über den Spitzstein nach Döbeln sowie die 20 Kilometer von Leisnig über Klosterbuch und die Bischofswiesen nach Döbeln. 790 Teilnehmer wanderten die geländelastigen 17 Kilometer. Nur 90 weniger waren es auf der 20er-Strecke.

Die Königsdisziplin: Der 50-Kilometer-Strecke, die in Döbeln startete und über das Mühlental wieder nach Döbeln führte, stellten sich 82 Läufer.

Als einer der ältesten Läufer ging dieses Mal Gerhard Proske an den Start. Mit 74 Jahren und Stöcken bewaffnet, stellte er sich den 30 Kilometern nach Döbeln. Der Chemnitzer läuft seit DDR-Zeiten beim Sachsen-Dreier mit - über 25 Jahre. Ans Aufhören denkt Proske noch lange nicht. Selbst mehrere Beinbrüche, die er sich erst vor kurzem bei einem Kletterausflug zugezogen hatte, hinderten ihn nicht daran, sich der Herausforderung Sachsen-Dreier zu stellen.

Statt auf zwei Beinen wollten Niklas Wolf (11), Alexander Suhr (6), Angelina Suhr (11), Toni Mahler (6) und Emily Erwisch (8) lieber auf zwei Rädern starten. Ihre Eltern suchten extra die kleinere 20 Kilometer-Strecke von Leisnig nach Döbeln aus. Die Fahrräder mussten zu Hause bleiben, die Kinder kamen mit. Es wurde trotzdem ein schöner Familienausflug - darin waren sich schließlich alle einig.

Die DAZ sponserte eine Sporttasche für den 35 000 Teilnehmer in der Geschichte des Sachsen-Dreiers. Gewonnen hat Jessica Spindler aus Döbeln. Die 30-Jährige meldete sich für die 17 Kilometer-Strecke an. Sie lief bereits das dritte Mal mit. Jetzt darf sie sich über ihr neues Sportutensil freuen.

Das besondere am Sachsen-Dreier? Schaut man sich in den Massen an Läufern um, wird eines klar: Hier laufen sowohl Jung als auch Alt mit. Vier von ihnen erzählen stellvertretend, was die Laufveranstaltung für sie zu etwas Besonderem macht. Kathrin Suhr aus Döbeln läuft schon das sechste Jahr mit. "Wir schnappen uns unsere Hunde und Kinder und machen uns auf den Weg", sagt sie. Knapp 15000 Schritte zählte sie nach etwa zehn Kilometern. "Halbzeit! Und ich habe noch nicht genug."

Mindestens genauso motiviert ist der 74-jährige Gerhard Proske aus Chemnitz - und damit einer der ältesten Teilnehmer. Seit mehr als zwanzig Jahren ist er dabei. "Ich habe mir für heute die 30-Kilometer-Strecke ausgesucht. Erstaunlich wie viele junge Leute hier mitlaufen", stellt er begeistert fest.

Eine von den Jüngeren ist Christin Kießling. Die 20-jährige Leisnigerin läuft zum ersten Mal mit. "Ich bin mit meiner Mutter und meiner Schwester unterwegs. Wir laufen 20 Kilometer. Jetzt habe ich erst einmal großen Hunger", sagt sie zur Halbzeit.

Mit Freunden und Familie ist Christian Borrmann unterwegs. "Heute haben wir uns nur die 20-Kilometer-Strecke vorgenommen, weil wir eine ältere Dame dabei haben", so der Döbelner. "Seit knapp zehn Jahren sind wir dabei und haben noch immer Spaß dabei." Er hat sich fest vorgenommen auch noch die nächsten zehn Jahre mitzulaufen. "Wenn die Gesundheit mitmacht!"

Wie lange feilten Sie und ihre Helfer an den Vorbereitungen?

Wir fangen schon bei Zeiten an alles zu planen. Ein so großes Event muss von vorne bis hinten stehen. Wir laufen beispielsweise vorher alle Strecken selber ab, um zu schauen, ob sie sich auch für unsere Zwecke eignen.

Sind die Teilnehmerzahlen für Sie zufriedenstellend?

Auf jeden Fall! Wir kratzen mit 2460 Läufern stark an unserer eigenen Rekordzahl von 3000 Teilnehmern. Man muss ja auch das Wetter bedenken. Das war die letzten Jahre um einiges schöner.

Hatten Sie großen Bammel vor dem Start am Sonnabend, dass das Wetters zu wenigen Teilnehmern führt?

Ein paar Bedenken hatten wir schon. Allerdings war es ja gar nicht so kalt, wenn man sich in Mütze, Schal und Handschuhe einpackte. Die Menschen in der Region sind konsequent, wenn es ums Laufen geht. Die lassen sich von ein paar kalten Temperaturen nicht abschrecken.Interview:

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