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Wie sich Friki auf sensible Verbraucher einstellt und warum die Personalkontrollen verstärkt werden

Wie sich Friki auf sensible Verbraucher einstellt und warum die Personalkontrollen verstärkt werden

Mit dem Gerichtsprozess gegen den Vorarbeiter eines Subunternehmens ist vor kurzem auch die Firma Friki in die Schlagzeilen geraten.

Döbeln.

 

 

 

 

Frage: Warum sind Leiharbeiter für Sie so wichtig?

Bernhard Lammers: Wir arbeiten in einem sehr hohen Maße mit eigenen, fest angestellten Mitarbeitern. Ihr Anteil macht etwa 90 Prozent aus. Um Spitzen abzudecken, brauchen wir aber temporär zusätzliche Kräfte.

Vor dem Döbelner Amtsgericht wurde deutlich: Bei Friki wurde offenbar nicht richtig kontrolliert, wer bei Ihnen arbeitet, denn nachweislich waren Leute mit gefälschten Papieren tätig...

Frank Grundl: Wir haben einen Werkvertrag mit einem Unternehmen aus Cloppenburg. Dieses hat sich auf Zerlegearbeiten spezialisiert und kann erfahrene Mitarbeiter in unserer Branche anbieten.

Warum stellen Sie die nicht die guten Leute aus so einer Truppe direkt ein?

Lammers: Das würde Probleme mit der Vertragsfirma geben. Sie können aus so einem Werksvertrag nicht zwei, drei gute Leute herauslösen, dann stellen Sie den ganzen Vertrag in Frage.

Wir verlangen auch für die bei uns tätigen Mitarbeiter aus dem Werksvertrag den Nachweis der gezahlten Sozialversicherungsbeiträge. Wir für unseren Teil wollen hier ein seriöses und legales Geschäft betreiben.

Wie laufen denn die Kontrollen der Mitarbeiter bei Ihnen konkret ab?

Frank Grundl: Wir bekommen von jedem Mitarbeiter im Vorfeld die Daten über die Werkvertragsfirma: den Gesundheitsausweis, eine Kopie des Personalausweises. Wir vergleichen die Daten dann beim ersten Mal mit der Person und belehren über Verhalten, Hygiene und Sicherheit. Weiterhin gibt es tägliche Kontrollen durch einen Vorarbeiter von Friki. Wir machen da schon viel mehr als wir müssen.

Lammers: Wenn jemand illegale Beschäftigungsverhältnisse innerhalb eines Werksvertrages anbieten will und das mit einem hohen Maß an krimineller Energie tut, dann kann ich nicht ausschließen, dass es Möglichkeiten dazu gibt. Aber wir können hier nicht alles jeden Tag permanent kontrollieren. Was sollen wir denn noch tun? Wir sind doch kein Überwachungsstaat.

Sie arbeiten weiter mit der Cloppenburger Firma?

Lammers: Wir sind natürlich nicht davon ausgegangen, dass so etwas passiert. Im Moment arbeiten wir noch mit der Firma. Sie finden auch nicht so einfach geeignete Leute für solche Zerlegearbeiten. Es gab bislang auch keine Probleme. Die Sozialabgabepflicht wurde erfüllt, und wir achten auch darauf, dass alle Leute, die bei uns arbeiten, einen Mindestlohn von sieben Euro die Stunde erhalten.

Was werden Sie nach den jüngsten Erfahrungen ändern?

Lammers: Wir werden sicher die Kontrollen verstärken. Natürlich sind wir skeptischer geworden, wir wollen nicht, dass noch einmal so ein Verdacht aufkommt. Wenn es mit der Firma nochmal Ärger gibt, dann werden wir die Zusammenarbeit beenden.

Anderes und hochaktuelles Thema: Massentierhaltung und Massenfleischproduktion. Können Sie garantieren, dass im von Ihnen verarbeiteten Fleisch keine Rückstände von Antibiotika mehr enthalten sind?

Lammers: Nein, das kann sicher niemand. Ich kann aber garantieren, dass wir hier nach allen geltenden Richtlinien und Normen arbeiten. Wenn es in einer Herde bestimmte Krankheitsfälle gibt, dann kann es sinnvoll sein, Antibiotika zu geben; die Krankheit innerhalb der Tierherde wird dann eingedämmt und behandelt. Dazu müssen dann besondere Standzeiten zum Abbau der Antibiotika beachtet werden. Aber all das passiert nur auf tierärztliche Anordnung. Landwirte sind zudem nicht unbedingt gewillt, zu viel Antibiotika zu verabreichen, das kostet ja auch Geld. Aber auch ich bin der Meinung, dass wir in der gesamten Tiermast und Fleischerzeugung einiges verändern müssen. Wir sehen, dass das Thema im Fokus ist.

Warum ändern Sie die Situation dann nicht?

Lammers: Wir sind schon dabei. Wir haben seit November 2011 ein speziell erzeugtes und gemästetes Hähnchen in der Vermarktung: das Fairmast-Hähnchen.

Was bedeutet das?

Lammers: Die Besatzdichte in den Ställen ist erheblich geringer. Sie liegt bei 25 anstatt bei 39 Kilogramm je Quadratmeter. Es werden keine schnell wachsenden Hähnchenrassen verwendet. Die Tiere müssen mindestens 56 Tage leben; sie haben Tageslicht und einen überdachten Auslauf. Das bringt große Unterschiede: Die Tiere stehen nicht so dicht und können artgerechter aufwachsen; es gibt nicht so viele Fußballenkrankheiten, sie brauchen kaum Antibiotika und Arzneimittel. Mehr als 90 Prozent dieser Herden sind absolut antibiotikiafrei.

Wie hoch ist der Anteil von Herden mit Antibiotika-Einsatz in konventionelle gehaltenen Herden?

Lammers: Unterschiedlich, Das kann von null bis 90 Prozent sein, statistisch gesehen liegt man in Deutschland etwa zwischen 50 und 80 Prozent.

Können wir irgendwann bei null Prozent Antibiotika-Einsatz in der Tiermast landen?

Lammers: Nein, einen hundertprozentigen "Null"-Standard kann es nicht geben. Man ist schließlich auch verpflichtet, den Tieren zu helfen - immer nach Ermessen des Tierarztes. Aber man könnte wie gesagt zu einem sehr viel geringeren Niveau kommen.

Wo gibt es die Fairmast-Produkte?

Lammers: Bei Globus und Edeka, demnächst auch in anderen Märkten.

Welchen Anteil macht diese Produktlinie aus?

Lammers: Etwa fünf Prozent unserer verkauften Menge ist Fairmast.

Man hat bisher kaum davon gehört.

Lammers: Wir wollen es weiter bekannt machen, bei den Verbrauchern und gemeinsam mit Tierschutzorganisationen. Eines ist aber ganz klar: Meinetwegen können wir aus der jetzigen konventionellen Haltung mittelfristig komplett aussteigen. Wir können das aber nicht gegen den Markt machen, dann können wir uns hier in sechs Monaten alle einen neuen Job suchen. Nein: Die Gesellschaft muss das wollen und mitmachen, die Verbraucher müssen auch bereit dafür sein, etwas mehr Geld für Fleisch zu bezahlen.

Ich bin seit 14 Jahren in der Branche tätig. Seitdem ist der Preis für ein Kilogramm Hähnchenfilet von damals 18 DM, also rund neun Euro, auf aktuell sechs bis sieben Euro gefallen. Entgegen allen anderen Preissteigerungen.

Wie kommt das?

Lammers: Natürlich durch mehr Effizienz in der Tierhaltung und in der Fleischindustrie. Deshalb reden wir ja auch heute über die Problematik. Auch der enorme Wettbewerb im Handel ist ein wesentlicher Punkt. Wie schon gesagt: Wenn wir den Trend in der Massentierhaltung umkehren wollen, dann müssen die Verbraucher mitmachen. Sie müssen sich fragen, ob sie bereit sind, 30 oder 35 Prozent mehr für ihr Fleisch zu bezahlen. Es gibt keine Tierschutz- und Nachhaltigkeitsidylle zum Nulltarif.

Das Bild von den bösen und skrupellosen Hähnchenmästern und Fleischproduzenten, die die Tiere quälen, stimmt doch so nicht. Die Branche hätte auch kein Problem mit strengeren Regelungen, wenn sie vernünftig und ohne Wettbewerbsnachteile umsetzbar sind. Ein positives Beispiel: Es gibt in Deutschland ein Vermarktungsverbot für Eier aus Legebatterien. Dieses Verfahren ist der richtige Weg, denn bei einem reinen Käfighaltungsverbot in Deutschland hätte der Handel seine Käfigeier ja auch einfach importieren können. Das Ergebnis stimmt aus meiner Sicht; und der Verbraucher zahlt ein paar Cent mehr pro Ei. Ich bin davon überzeugt, dass auch bald ein europaweites Käfighaltungsverbot für Legehennen kommen wird.

Wie wird sich der Geflügelfleisch-Markt aus Ihrer Sicht entwickeln?

Lammers: Der Handel wird sich überlegen müssen, was er dem Verbraucher in Zukunft kommunizieren will, wird er zwei Sortimente verkaufen? Eines für den preisbewussten Kunden, der sich teurer produziertes Fleisch nicht leisten kann oder will, und eines für den gesundheitsbewussten Konsumenten, der bereit ist für qualitativ hochwertiger hergestelltes Fleisch auch mehr zu bezahlen.Interview: Björn Meine

www.fairmast.de

 

 

 

Der Geflügelfleischproduzent Friki ist seit 2001 am Standort. "Wir sind eine konstante Größe in Döbeln, und das soll auch so bleiben", sagt Bernhard Lammers, Geschäftsführer bei Friki Deutschland. Friki ist die deutsche Tochter der niederländischen Plukon Food Group. Im brandenburgischen Storkow hat die Hähnchenschlachterei von Friki, die Friki Storkow GmbH, ihren Sitz. Die Tiere kommen überwiegend aus Mastbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Insgesamt fünf Standorte hat die vereinigte Gruppe der Geflügelproduzenten Friki und Stolle in Deutschland. Die Gruppe kommt in Deutschland auf einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro im Jahr. Der Standort Döbeln kommt nach Unternehmensangaben auf 50 Millionen Euro Umsatz. Zum Gewinn am Standort Döbeln macht Friki-Deutschland-Chef Bernhard Lammers keine Angaben; es würden jedoch schwarze Zahlen geschrieben. Zur Döbelner Stammbelegschaft gehören 110 Mitarbeiter; in Spitzenzeiten, zur Vorbereitung des Grillgeschäftes, kommen nochmal 30 bis 40 Leute hinzu.bm

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