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Wildvögel für die Freiheit rüsten

Naturschutz Wildvögel für die Freiheit rüsten

In Brand-Erbisdorf gibt es die einzige Wildvogelpflegstation des Landkreises Mittelsachsen. Peter und Heike Jäkel nehmen verletzte Tiere oder noch hilflose Jungvögel auf, machen sie fit für die Freiheit. Die Fundtiere wieder auszuwildern, ist Pflicht. Doch dafür ist viel Sachkunde nötig. Für den Umgang mit Greifvögeln muss die Falknerausbildung abgelegt werden.

Familie Jäkel mit ihren eigenen Vögeln sowie Annett Steinert vom Burgmuseum auf Mildenstein.

Quelle: Burg Mildenstein

Brand-Erbisdorf/Leisnig. Es hat etwas Erhabenes, wenn ein Greifvogel mit ausgebreiteten Schwingen weite Kreise am Himmel zieht. Oder etwas Mystisches, wenn eine Eule im Wald ihren Ruf erklingen lässt. Doch manchmal brauchen diese Vögel Hilfe - wenn sie im Straßenverkehr oder durch andere Tiere verletzt oder als Jungvogel aus dem Nest gefallen sind. Heike und Peter Jäkel betreiben in Brand-Erbisdorf seit etwa zehn Jahren eine Wildvogelpflegestation.

http://www.desstaufenkaisersfalkner.de/wp/index.php

Dazu kam Peter Jäkel wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind: „Eines Tages fand ich einen verletzten Bussard, meldete den Fund beim Landratsamt, pflegte das Tier gesund. Daraufhin kam vom Landratsamt die Anfrage, ob ich nicht hin und wieder einen Vogel in Pflege nehmen würde. Ich sagte zu.“ Aus anfangs zwei bis drei Vögeln im Jahr wurden mittlerweile jährlich über 70 Pfleglinge. Seine Arbeit als Werkzeugmacher hängte Jäkel an den Nagel, so beanspruchen ihn die Tiere. Der 56-Jährige tut dies ehrenamtlich, ist offiziell Hausmann, wie er es nennt. Es war eine Entscheidung der gesamten Familie und fürs Leben. Neben Ehefrau Heike Jäkel, die in einem Verwaltungsberuf arbeitet, ist auch Tochter Sarah mit einbezogen, die kürzlich eine Lehrausbildung begonnen hat.

Auswildern mit Sachverstand

Die Wildvogelpflegestation in Brand-Erbisdorf ist die einzige Einrichtung dieser Art, die im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Mittelsachsen wilde Vögel bis zu ihrer Gesundung in Obhut nimmt und sie danach auch wieder auswildert. Vögel, die unter das Naturschutzgesetz fallen, werden unterschieden von jenen, für die das Jagdgesetz gilt. Zu Letzteren gehören neben den Greifen wie Bussard und Turmfalke unter anderem der Schwan. Unter Naturschutz hingegen steht eine Reihe von Singvögeln und zudem die Eulen.

Der Gesetzgeber regle, wie lange man einen Vogel zur Pflege behalten darf. Vögel in Besitz zu nehmen, die unter das Jagdgesetz fallen, wie beispielsweise Greifvögel, sei per Gesetz total tabu, so Jäkel: „Sie gehören dem Jagdrevierinhaber. Wer einen solchen Wildfang aus dem Wald mitnimmt, riskiert eine Anzeige wegen Wilderei.“

Erst Krafttraining, dann die Freiheit

Wird ein verletztes Tier gefunden, sei der Revierinhaber zu verständigen, das Landratsamt oder die Polizei. Die Tiere werden dann an die Wildvogelpflegestation vermittelt. Neben Polizei und Feuerwehr bringen zudem Tierärzte oder Privatpersonen Tiere zu Familie Jäkel. Sind die Vögel gesund gepflegt, müssen sie in die Wildnis entlassen werden. Bei Greif- beziehungsweise Eulenvögeln gestalte sich das teils schwierig, gelinge nur mit viel Sachverstand. Kommen die Vögel als Nestlinge zu den Jäkels, müssen sie zunächst aufgezogen und dann unterrichtet werden: Vorm Auswildern erhalten sie eine Flugausbildung, die unter anderem als Krafttraining dient. „Nur so sind sie in der Lage, sich selbst ihr Futter zu fangen“, erklärt Peter Jäkel. Seine Frau Heike absolvierte die dafür geforderte Falknerausbildung. Auch er selbst erwarb die Berechtigung, mit derartigen Vögeln umzugehen.

Roter Uhu kehrt zurück und darf bleiben

In den vergangenen Jahren bekamen die Jäkels Verstärkung aus den eigenen Reihen: Dauerpflegevogel Pumuckl, ein Waldkauz mit auffällig rötlichem Gefieder, hilft bei der Aufzucht beziehungsweise Fütterung von extrem jungem Neuzugang. Seine eigene missglückte Auswilderung fand somit im letzten Moment ein für alle Seiten glückliches Ende. Das Tier saß nur eine Woche nach dem zunächst scheinbar erfolgreichen Auswildern ausgehungert und geschwächt wieder auf dem Zaun. Heike Jäkel: „So etwas hatten wir noch nie. Er fand offenbar in höchster Not den Weg zurück, wäre sonst wohl verendet. Wie sich herausstellte, hinderte ihn eine Flügelverletzung am Jagen. Wir beantragten beim Landratsamt, dass er als Dauerpflegevogel bleiben kann.“

Haben die Jäkels heute sehr junge Eulenvögel in Pflege, übernimmt Pumuckl das Füttern. Peter Jäkel: „Das Betteln und Rufen der Jungvögel weckt offenbar den Brutpfleginstinkt. Uns kommt das zugute. Das Futter, von einem offiziellen Tierfutterlieferanten, stellen wir im Napf hin und der Altvogel übernimmt die Fütterung der Kleinen.“ Auch habe schon eine Schleiereule die Pflege kleiner Waldkäuze übernommen. Die werden zwei- bis dreimal größer als er, doch die kleine Eule fütterte tapfer weiter.

Flugtraining für das freie Leben

Bei den Jäkels bekommt jeder Vogel die nötige Pflege. Unter anderem sind Tierarzt- und Futterkosten aufzubringen. Finanziell kommt die Familie für Aufzucht, Pflege und Auswilderung großenteils selbst auf, ist deshalb auf Spenden angewiesen. Zudem ist die Familie als „Des Stauffenkaisern Falkner“ in mittelalterlicher Gewandung zu Gast in Kindereinrichtungen, Schulen, bei Messen. Am Sonntag, 1. Oktober, sind sie auf der Burg Mildenstein zu erleben. Ihre Pfleglinge lassen sie zu derartigen Anlässen daheim, reisen nur mit ihren eigenen Vögeln. Dies sind keine Wildfänge. Sie stammen von offiziellen Züchtern, sind mit Papiere versehen. Mit ihren Wüstenbussarden Kisha und Faunus sowie dem Uhu Gimli informieren die Jäkels über die Arbeit der Wildvogelpflegestation, demonstrieren als Einblick in die Falknerei Teile der Flugausbildung, die ein Vogel vorm Auswildern absolviert. Gezeigt wird, wie die Vögel gefüttert und für den Flug trainiert werden. Wer möchte, streift den Falknerhandschuh über und lässt eins der Tiere auf seinem Arm Platz nehmen. Eine Falkner-Vorführung wie bei der Beizjagd geben die Jäkels nicht – aus gutem Grund: Dafür müssten die Tiere extrem leicht sein, sich gewichtsmäßig am unteren Limit bewegen. Heike Jäkel: „Diesem Stress setzen wir unsere Tiere nicht aus. Unsere Vögel werden gut gefüttert.“

Von Steffi Robak

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