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Döbeln Wildwest-Inkasso in Döbeln bringt Bewährungsstrafe
Region Döbeln Wildwest-Inkasso in Döbeln bringt Bewährungsstrafe
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13:01 05.06.2018
Um fieses Inkasso ging es in einem Prozess im Amtsgericht Döbeln. Quelle: picture alliance / dpa
Döbeln

Die Anklage klingt nach Wildwest: Drei Leute rücken Anfang April 2017 einem 23-Jährigen Döbelner auf die Bude. Einer kennt den jungen Mann. Er überzeugt ihn, die Tür zu öffnen. Dann stürmen die drei Gestalten in die Wohnung. Zwei von ihnen zwingen den Mann zunächst, 50 Euro herauszugeben. „Einer der Täter zog eine Waffe aus der Hose und lud sie durch“, las Staatsanwältin Anna Lehmann aus dem Anklagesatz vor. Der Geschädigte habe daraufhin seine Geldbörse rausgerückt. Aber die sei leer gewesen, heißt es in der Anklage wegen schwerer
räuberischer Erpressung, die nun das Schöffengericht am Amtsgericht Döbeln verhandelte.

Schreck des Lebens bekommen

Der Angeklagte sagte zunächst nichts zu den Tatvorwürfen. Der 23-Jährige Geschädigte bestätigte im wesentlichen die Anklage. Auch dass eine Pistole im Einsatz war. Nur wann genau der Täter diese zückte, wusste der Zeuge ein reichliches Jahr nach der Tat nicht mehr so genau. Hatte er da schon die 50 Euro herausgegeben oder tat er dies erst, als er den Lauf der Waffe am Kopf spürte? „Er zog die Pistole und fragte mich, ob ich das kenne“, schilderte der junge Mann, der in dieser Aprilnacht den Schrecken seines Lebens bekam. Wer ihn da so massiv bedrohte, wusste er nicht. Den Angeklagten, der als Türöffner fungierte, kannte er aber.

Zoff um die Handyrechnung

Auch das Motiv für den Überfall schilderte der 23-Jährige. Es ging um Schulden aus einem Mobilfunkvertrag. Als sie noch zusammen waren, hatte seine Ex-Freundin diesen Vertrag für ihn geschlossen. „Ich bekommen doch keine Verträge mehr“, erklärte der 23-Jährige. Der Deal dabei war: Der junge Mann kriegt die SIM-Karte und das alte Telefon der Ex-Freundin. Sie nimmt das neue Mobiltelefon, dass es zum Vertrag gab. Zwei Rechnungen konnte er nicht bezahlen und so begannen sich Schulden aufzuhäufen, insgesamt 800 Euro. Die böse Post bekam die Ex-Freundin. Er wiederum meinte, die nicht zahlen zu, müssen. „Ich musste ihr das Handy wieder zückgeben, weil das Iphone kaputt war.“ Telefonieren ging auch nicht mehr, weil der Mobilfunkanbieter die Karte sperrte. „Der Anbieter hat den Vertrag gekündigt. Die 800 Euro sind Schadenersatz“, stellte Rechtsanwalt Göddenhenrich klar, der sich wohl zivilrechtlich schon mal mit diesem Fall beschäftigt hat.

Angeklagter zeigt Ganovenehre

Aufs Zivilgericht pfiff sein Mandant, den der Anwalt nun im Strafprozess verteidigte. Der räumte schließlich ein, mit den beiden Anderen beim Geschädigten eingerückt zu sein. „Er sollte einen Schuldschein unterschreiben“, sagte der 25-Jährige. Er habe sich zunächst um die beiden Hunde des Geschädigten kümmern müssen. Derweil seien die Begleiter mit dem 23-Jährigen ins Wohnzimmer gegangen. Was sich dort abspielte, konnte er nicht mehr sehen, weil sie die Türe geschlossen hatten. Dass einer eine Waffe dabei hatte, wusste der junge Mann nicht. Er habe zunächst einen Bekannten angesprochen, der dann noch einen Kumpel mitgebracht hatte. Seine Mittäter hielt der Angeklagte aber raus, gab ihre Identitäten nicht preis. Wie es der Angeklagte schilderte, ging es darum, den 23-Jährigen durch die physische Präsenz der Mittäter einzuschüchtern und zur Unterschrift zu bewegen.

„Das ist hochgradig kriminell“

Das Schöffengericht verurteilte den 25-Jährigen aber schließlich nicht wegen schwerer räuberischer Erpressung, wo der Strafrahmen bei drei Jahren Haft beginnt, sondern „nur“ wegen Nötigung zu einem Jahr Haft mit Bewährung. Nötigung deshalb, weil die drei nicht vorhatten, sich selbst zu bereichern, sondern die Forderung der jungen Frau beitreiben wollten – allerdings mit ungesetzlichen Mitteln. Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichts, sagte dem 25-Jährigen, was das Gericht vom Wildwest-Inkasso hält: „Sie rücken nachts zu dritt in die Bude eines Menschen, der damit nicht rechnet, um Betrieb zu machen. Das ist nicht mehr mit einem Dummejungenstreich zu begründen, das ist hochgradig kriminell. Die ganze Sache ging Sie zudem null an.“

1200 Euro für Opferhilfe

Die Bewährung gab es unter anderem, weil der Nötiger nicht vorbestraft ist, geständig war und einen Job hat. Er muss als Auflage 1200 Euro an die Opferhilfe Sachsen zahlen.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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