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Döbeln Wilhelm Galgsdies ist 101
Region Döbeln Wilhelm Galgsdies ist 101
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18:03 01.07.2018
Wilhelm Galgsdies kann inzwischen auf 101 Lebensjahre blicken. Quelle: Foto: Manuel Niemann
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Hartha

Verschmitzt sitzt er in einem Sessel und schaut zu, wie ihn die Schwestern vom Harthaer Pflegedienst „Pflege mit Herz“ für’s Foto zurecht rücken. Die verraten im nächsten Moment, dass Wilhelm Galgsdies für sein Alter noch erstaunlich fit sei und sich noch um sich selbst kümmere.

Hellwach erzählt

Am Sonntag vollendete er sein 101. Lebensjahr. Am 1. Juli 1917 wurde er in Dittauen im Memelkreis geboren – damals Ostpreußen, heute Litauen. „Zwei Weltkriege habe ich miterlebt“, erzählt er hellwach. Im Zweiten Weltkrieg wird er eingezogen und schwer verwundet. Zur Genesung darf er heim und muss doch gleich wieder flüchten: Die Ostfront rückte näher. „Später erfuhren wir, dass deutsche Soldaten unsere Häuser zerstört haben. Den Russen sollte verbrannte Erde hinterlassen werden“, berichtet er.

Über 70 Jahre mit Trude verheiratet

An seiner Seite ist da schon das Nachbarsmädchen: Trude, seine spätere Frau. „Es ist traurig, dass sie schon mit 93 Jahren verstorben ist“, sagt er. Das war im letzten Jahr. Über 70 Jahre waren die beiden verheiratet, feierten 2014 ihre Gnadenhochzeit. Dabei war die Beziehung alles andere als standesgemäß: Er, der Sohn einer Bauernfamilie mit Hof und Stall, sie, nur die Tochter eines Korbmachers. Doch mit der Flucht änderten sich auch die Zeiten. Diese führten sie im Herbst 1944 nach Böhrigen im Striegistal. Die Trauung findet im November 1944 in der Roßweiner Kirche im engsten Kreis statt. Trude Galgsdies’ Brautkleid ist aus Fallschirmseide und es gibt eingewecktes Sülzfleisch von einem vor der Flucht noch flugs geschlachteten Schwein. Aus dem Bauernsohn wird dann doch ein Handwerker: Er arbeitet in der Roßweiner Schuhfabrik, im Werkzeugbau in Döbeln und in der Epro-Gießerei in Roßwein.

Schwägerin hat Sekt kalt gestellt

Nach dem Berufsleben ziehen beide nach Döbeln. Dort gibt es Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung und vor allem die helfende Schwägerin Helene Lepski. Nach dem Tod seiner Frau zieht der inzwischen Hundertjährige in eine Wohngemeinschaft nach Hartha um. Zusammen mit den sieben anderen Bewohnern der WG Bürgergarten konnte er am Sonntag anstoßen. Den Sekt hatte seine Schwägerin schon kalt gestellt. Einen Rat hatte er auch: „Genießen Sie die schönen Tage! Das Altern kommt von ganz allein.“

Von Manuel Niemann

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