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Winfried Schneider aus Döbeln im Portrait

Winfried Schneider aus Döbeln im Portrait

Im Berufsleben ist Winfried Schneider mehrfach ungewöhnliche Wege gegangen und er hat sich damit im engsten Umfeld nicht immer Freunde gemacht. Doch dieses Handeln hat ihn dorthin gebracht, wo der 65-Jährige heute steht.

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Eine rund 75 Jahre alte Kurbelrechenmaschine der Firma Walter war die erste Rechenhilfe, die der Ökonom, spätere Hauptbuchhalter und Prokurist für seine Arbeit mit vielen Zahlen nutzen konnte. Heute hat Winfried Schneider Computertechnik, auch wenn es darum geht, die Bürokratie für die Beseitigung der Flutschäden am Haus Wappenhensch zu bewältigen.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. Mit den etwas größer angelegten Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag Anfang der Woche sei er von der Belegschaft überrollt worden. "Personenkult ist nicht mein Ding. Und was gegessen und ausgeschenkt wurde, das habe ich aus meiner Tasche bezahlt", betont Schneider, dass es weder eine von ihm geplante Feier, noch eine auf Kosten der Volkssolidarität war.

In solchen Dingen ist der gebürtige Döbelner, der in seinem Leben schon unwahrscheinlich viel mit Zahlen, Rechnungen und Bilanzen zu tun hatte, sehr genau. In zwei Fällen hat das die berufliche Laufbahn des für elektronische Datenverarbeitung ausgebildeten Ingenieur-Ökonomen entscheidend verändert. Der in der Öffentlichkeit zurückhaltend auftretende, in der Sache aber konsequente und zielbewusste Mann, will darüber nicht viele Worte verlieren, keine "schmutzige Wäsche waschen" und das derzeit gute Verhältnis zur Stadt nicht beschädigen. Doch es gehört zu seiner Biografie: Schneider war schon seit Jahren für die Gebäudewirtschaft - erst im Kreis, dann in Döbeln - tätig. Hat in diesem Bereich die Wende mitgestaltet, sich bis zum kaufmännischen Prokuristen der Döbelner Wohnungsverwaltungs-Gesellschaft (DWVG) hochgearbeitet, als es 1999 zu Überwerfungen mit der Geschäftsführung kam. Schuld war ein Brief an den damaligen Bürgermeister, zu dessen Absendern Schneider gehörte und der vor Fehlentwicklungen der städtischen DWVG warnen sollte. Das Ganze ging aber nach hinten los. Schneider erhielt die Kündigung und war für einige Zeit arbeitslos. "Der Rauswurf damals ging mir schon an die Nieren. War doch die Absicht eine Gute. Es ging darum, Schaden von der Stadt abzuwenden."

Es sollte nur fünf Jahre dauern - Winfried Schneider half zwischenzeitlich von kaufmännischer Seite dabei, einen Baubetrieb aufzubauen und kam durch gute Kontakte in den Vorstand der Volkssolidarität Döbeln - da löste er erneut einen Eklat aus. Der damalige Vorsitzende der Volkssolidarität, der ihn in den Vorstand geholt hatte, hatte offenbar nicht bedacht, dass Schneider Bilanzen lesen kann oder mit dessen Verschwiegenheit gerechnet. Doch als klar war, dass der Vorsitzende privates und riskantes Unternehmertum in Größenordnungen mit den Finanzen des Wohlfahrtsverbandes verknüpfte und zwar zum Nachteil der Volkssolidarität, da öffnete Schneider den anderen Vorstandsmitgliedern die Augen. Nach Ablösung der alten Leitung schenkten sie Winfried Schneider das Vertrauen, der nun als Vorsitzender des Vereins und als Geschäftsführer des Wirtschaftsbetriebes der Volkssolidarität allein die Doppelspitze besetzte.

Angelegt mit der "Obrigkeit" hatte sich der heute zweifache Vater, dreifache Opa und der seit 40 Jahren mit Krankenschwester Sigrid verheiratete Ehemann auch schon früher. Bei der Armee, als er kurz vor der Entlassung verbotener Weise Zivilhemd trug, sich von Vorgesetzten nichts sagen lassen wollte und beinahe in den Bau gekommen wäre. Ebenfalls vor der Wende in der Partei, als eine Agitatorin versuchte die Mangelwirtschaft schön zu reden - was Schneider letztlich zum Parteiaustritt bewog. Und am Ende der DDR, als er für die Gebäudewirtschaft zwei West-Computer für je 70 000 Ost-Mark kaufte, was ihm einen Verweis einbrachte.

Dass Schneider überhaupt in der SED war, führt er auf seine familiäre Prägung zurück. Die aus Schlesien stammenden Eltern gehörten zur Arbeiterklasse, der Vater war Hausmeister, die Mutter Köchin im Kindergarten Großbauchlitz, wo die Familie auch jahrelang in einer Kellerwohnung lebte. Sein Großvater war Kommunist und wurde von den Nazis umgebracht. Unmittelbar nach einer Haft hatten ihn Schergen mit einem Auto überrollt. Winfried Schneider selbst missfiel das Diktatorische in der DDR, er bezeichnet sich als Gewinner der Wende, weil er sich persönlich weiter entwickeln, besser einbringen, mehr Verantwortung übernehmen konnte. "Ich bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit. Jeder soll sagen können, was er möchte, muss sich aber auch anhören können, was andere sagen."

Privat ist der Volkssoli-Chef bodenständig. Gibt Zuhause im Häuschen am Roten Kreuz gern mal den Salatkoch, fühlt sich im Urlaub an der Ostsee wie in den Alpen wohl und lässt auf die monatliche Skatrunde mit Freunden im Knobelsdorfer Gasthof nichts kommen. Beim Wandern oder beim ausgiebigen Frühstücken ist er auch gern allein. "Da gebe ich den Takt vor und möchte mich nicht nach anderen richten."

Seine Mitarbeiter bei der Volkssolidarität lobt Schneider. Vor allem in den ersten Jahren seiner Leitung habe man sparen müssen auf Teufel komm raus. Es gab keine Lohnerhöhungen, was von der Belegschaft akzeptiert wurde. Heute sagt diese Belegschaft, dass es Schneider zu verdanken ist, dass es der Volkssolidarität Döbeln wieder gut geht.

Der Chef möchte noch etwa anderthalb Jahre lang Chef sein und bis dahin die Hochwasserschäden am Haus Wappenhensch beseitigt sowie einen Anbau für Kurzzeitpflege realisiert haben. Schneider: "Ich will mir kein Denkmal setzen, aber das wäre ein guter Abschluss." Olaf Büchel

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