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„Wir kämpfen für die Gemeinde, um zu zeigen, dass wir eigenständig bleiben“

Doppelinterview mit Großweitzschener Bürgermeistern „Wir kämpfen für die Gemeinde, um zu zeigen, dass wir eigenständig bleiben“

Seit der Erkrankung von Bürgermeister Ulrich Fleischer (parteilos) haben dessen Stellvertreter Jörg Burkert und Sven Krawczyk die Arbeit in der Kommune neu verteilt, Ausschüsse wiederbelebt und den Gemeinderat gestärkt. Im DAZ-Doppelinterview sprechen sie über drei aufreibende Monate und die Neuwahl 2018.

Viel zu tun beim Akten wälzen: Großweitzschens kommissarischer Bürgermeister Jörg Burkert (r.) und sein Stellvertreter Sven Krawczyk.

Quelle: Sven Bartsch

Grossweitzschen. Es ist ein neuer Geist eingezogen in die Verwaltung der Gemeinde Großweitzschen: Seit der Erkrankung von Bürgermeister Ulrich Fleischer (parteilos) haben dessen Stellvertreter Jörg Burkert und Sven Krawczyk die Arbeit in der Kommune neu verteilt, Ausschüsse wiederbelebt und den Gemeinderat gestärkt. Im DAZ-Doppelinterview sprechen sie über drei aufreibende Monate, personelle und strukturelle Veränderungen in der Verwaltung und anstehende Aufgaben. Und sie verraten: Zur Neuwahl spätestens im August 2018 wird es mindestens zwei Kandidaten geben.

Herr Burkert, Herr Krawczyk, die Gemeinde Großweitzschen erlebt unruhige Zeiten. Wie ist der aktuelle Stand in der Verwaltung?

Jörg Burkert: Herr Fleischer fällt seit 15. August bis auf weiteres aus. Herr Krawczyk und ich sind ja gewählt als erster und zweiter Stellvertreter. Ich habe das Amt kommissarisch übernommen, zunächst halbtags. Seit 1. Oktober bin ich vom Dienst im Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen freigestellt und Bürgermeister in Vollzeit. Ich bin der Klinik sehr dankbar, dass sie mir das ermöglicht haben.

Sven Krawczyk: Ich bin weiterhin ehrenamtlich als stellvertretender Bürgermeister aktiv. Die Arbeit für die Gemeinde wird bei mir oben drauf gelegt. Ich bekomme viel Unterstützung von der Familie, sonst würde ich das gar nicht machen können.

Sie sind sozusagen als Doppelspitze der Gemeinde aktiv?

Burkert: Ja, wir arbeiten sehr konstruktiv zusammen, sind zwar nicht immer einer Meinung, aber wenn das Ergebnis stimmt, das hinten rauskommt, ist alles gut. Und es sind ja auch nicht nur wir beide. Wir beziehen den Gemeinderat stark mit ein. Wir haben die Aufgaben unter den Räten aufgeteilt: Jörg Ulmitz kümmert sich um die Kindereinrichtungen, Sven Krawczyk ist für den Bauhof und die Technik zuständig.

Krawczyk: Dieter Horlacher kümmert sich um Liegenschaften, Sebastian Wloch um das Gewerbegebiet, Andreas Haupt um das Feuerwehrwesen. Wir haben das gesamte Aufgabengebiet der Verwaltung auf mehreren Schultern verteilt. Das ist wie in einer guten Firma. Die zweite Ebene muss genauso involviert sein wie die Leitung.

Es hat auch einen weiteren personellen Einschnitt gegeben – Hauptamtsleiterin Cornelia Weichold ist nicht mehr im Dienst. Was sind die Hintergründe?

Burkert: Frau Weichold wurde die fristlose Kündigung ausgesprochen mit einstimmiger Zustimmung des Gemeinderats. Darüber hinaus können wir dazu nichts sagen, da es sich noch um ein laufendes Verfahren handelt. Klar ist, dass dadurch eine Lücke entstanden ist, die noch dadurch verschärft wird, dass zwei junge Kolleginnen schwanger und jetzt krank geschrieben sind. Wir freuen uns für beide, mussten jetzt aber schnell handeln. Eine neue Kollegin wurde bereits eingestellt, die Stellenausschreibung für die andere Stelle erscheint heute. Und noch im November wird es eine Ausschreibung für je eine Leitungsposition im Bauamt und im Hauptamt geben.

Krawczyk: Wir suchen jeweils eine Person für 30 Stunden. Wir wollen die Strukturen wieder in ordentliches Fahrwasser kriegen. Unserer neuen Kämmerin, die ab 1. Januar anfangen sollte, haben wir jetzt die Möglichkeit eingeräumt, noch in diesem Jahr anzufangen und wir sind optimistisch, dass sie am 1. Dezember startet. Dadurch kann uns die jetzige Kämmerin Sabine Voigtländer an anderer Stelle helfen.

Burkert: Und auch sämtliche verbliebenen Mitarbeiter in der Gemeinde ziehen an einem Strang. Sie helfen an jeder Ecke und es herrscht ein wunderbares Arbeitsklima. Das gilt auch für die Kita und den Bauhof. Alle geben 110 Prozent.

Das klingt nach einem ganz neuen Geist in der Kommune. In den letzten Monaten hatte sich nach außen eher der Eindruck verfestigt, dass sich in der Verwaltung eine Alleinherrschaft etabliert hatte.

Krawczyk: Ich kann das nur mit ja beantworten, dass es so gewesen ist.

Burkert: Eine Alleinherrschaft in Personalunion zwischen Frau Weichold und Herrn Fleischer. Nur das Nötigste ist nach außen gedrungen. Das wollen wir jetzt ändern.

Krawczyk: Wir sind als Gemeinderat in viele Entscheidungen nicht einbezogen worden und hatten dann einen Beschluss zu fassen. Das haben wir jetzt um 180 Grad gedreht.

Wie sieht das konkret aus?

Krawczyk: Seit August hat der Gemeinderat mehrfach pro Woche getagt, in Spitzenzeiten vier Mal und auch jetzt noch einmal wöchentlich. Wir haben auch den Bau- und den Verwaltungsausschuss wieder belebt, die nach Bedarf derzeit auch fast jede Woche zusammentreten.

Burkert: Die Diskussionsfreudigkeit hat wieder stark zugenommen. Verschiedene Meinungen sind uns sehr willkommen, aber die Debatten sollen auch konstruktiv sein. Und ein tolles Signal ist, dass alle bisherigen Umstrukturierungen einstimmig beschlossen wurden.

Welche Probleme stehen für Sie aktuell ganz oben auf der Agenda?

Burkert: Das wichtigste für uns sind derzeit die Verhandlungen mit Transpak. Wir sind da auf einem guten Weg, dass sie hier in unserem Gewerbegebiet bauen. Das hat absolute Priorität, weil es für die Gemeinde um viel geht. Und wir wollen unsere Kindereinrichtungen personell auf stabile Füße stellen. Wir müssen die Arbeitszeiten der Erzieherinnen flexibel anpassen. Und wir müssen Springer zwischen Großweitzschen und Mockritz finden, denen das auch liegt.

Krawczyk: Der Krankenstand ist hier das große Problem, das wir hatten und zum Teil noch haben. Wir wollen versuchen dort entgegenzuwirken, auch indem wir den Leuten den Spaß an der Arbeit zurückgeben.

Einige in der Gemeinde sorgen sich um die Eigenständigkeit. Wie stehen Sie dazu?

Krawczyk: Die Spekulationen bei den Leuten sind extrem groß. Wir kämpfen für die Gemeinde, um zu zeigen, dass wir eigenständig bleiben wollen. Die Gemeinde ist sehr solide aufgestellt.

Burkert: Wir sehen bereits die Früchte, die die Arbeit der letzten Monate trägt. Wir würden uns wünschen, dass auch die Bevölkerung das mitleben würde, uns konstruktive Ratschläge gibt. Wir können nicht alles wissen und sehen.

Die Neuwahl des Bürgermeisters stünde im nächsten Jahr an. Herr Burkert, wären Sie zu einer Kandidatur bereit?

Burkert: Die Wahlen wären spätestens im August 2018. Und ja, ich stünde zur Verfügung.

Krawczyk: Auch die CDU-Ortsgruppe wird einen Kandidaten stellen. Wer das sein wird, wird noch bekannt gegeben.

Spaß macht Ihnen die neue Aufgabe also trotz aller Anstrengungen?

Burkert (lacht): Der Stress ist groß, aber wir haben viel Freude an der Arbeit.

Krawczyk: Auch weil wir Licht am Ende des Tunnels sehen.

 

Von Sebastian Fink

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