Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Wolfgang Fischer im DAZ-Porträt

Wolfgang Fischer im DAZ-Porträt

Ein Feld in Sektoren aufteilen, die Syntax eingeben, mit der Datenbank gleichlanger Begriffe koppeln, auf die Matrix abgleichen und Blindfelder ausrechnen.

Hartha.

 

 

 

 

Zur Zeitungslektüre gehört für viele, das Kreuzworträtsel in der DAZ zu lösen. Die von Wolfgang Fischer liegen bei den Rätselfreunden hoch im Kurs. An einigen Frühstückstischen wird mitunter heftig diskutiert, wer das Rätsel lösen darf: Sie oder er? Einmal im Monat hat "Fischis Rätselspaß" seinen Platz in der "Blauen". Künftig könnte es ruhiger unter Ehepaaren zugehen: Die DAZ spendiert ihren Lesern künftig zwei Kreuzworträtsel von Wolfgang Fischer im Monat. Es darf sich abgewechselt werden.

Der 64-Jährige hat einen Komplizen. Turbo Pascal heißt der und ist ein kompliziertes Kerlchen. Braucht Unmengen an Futter und macht nichts, ohne dass man ihm sagt, was zu tun ist. Das von Wolfgang Fischer geschriebene Computerprogramm erstellt die Kreuzworträtsel nach Begrifflichkeiten, die Fischer in jahrelanger Arbeit selbst eingetippt hat. Zig Tausend Wörter füllen die Datenbanken. Alphabetisch sortiert nach Länge, Charakteristik und Regionen. "Möchte ich ein Kreuzworträtsel, das Begriffe aus der Landwirtschaft und markanten Namen aus der Region Döbeln enthält, kann ich das steuern", gerät der studierte Physiker ins Schwärmen. Wenn er vor seinem Laptop sitzt, der die besten Zeiten lange hinter sich hat ("mein Programm läuft nur auf einem 32-bit-Betriebssystem") kommt Leben ins Gesicht des Akademikers. Dann hantiert er zwischen Datenbanken und Skizzen als gebe es keinen Abend mehr. "Es macht mir einfach Spaß, Lösungen für mathematische Probleme zu finden. Wenn ich ein Rätsel fertig habe, bin ich zufrieden." Mehrere Stunden in der Woche sitzt er daran, Begriffe wie "Mildenstein", "Zschopau" oder den Namen der 1615 letzten verbrannten Leisniger Hexe, "Meline" in waage- oder senkrechte Kombinationen zu pressen.

Am Anfang war nur die Begeisterung für das Rätsel selbst. "Ich habe nach meiner Arbeit gern in Zeitungen geblättert und Rätsel gelöst." Als EDV-Projektant in der Produktionssteuerung beim Harthaer Elektromotorenwerk und nach der Wende bei den Textilwerken in seiner Heimatstadt hat Wolfgang Fischer betriebliche Programme geschrieben. Die Kombination aus Hobby und Beruf ließ den Harthaer in eine Marktnische rutschen. "Regionalisierte Kreuzworträtsel waren vor zehn, fünfzehn Jahren wirklich gefragt. Die Verlage oder Konzerne wollten ihren Lesern und Kunden etwas außergewöhnliches bieten. Thematische Rätsel gab es noch nicht", erzählt der Vater einer Tochter und stolzer Opa etwas wehmütig. "Heute wird überall gespart. Dabei rätseln die Leute immer noch gern. Und ich werde oft darauf angesprochen. Wenn das Rätsel zu schwer war oder wenn jemand einen Begriff nicht kannte. Dann wurmt das die Leute. Mich freut es, weil ich ja auch keine Rätsel aufgeben möchte, die nicht auch ein klein bisschen kompliziert sind", erzählt der Programmierer. Ohne seinen Meister wäre Turbo Pascal nichts. Was andersrum gleichermaßen gilt. "Ich bin der Chef. Er muss nach meinen Vorstellungen arbeiten. Manchmal bin ich mit seinen Vorschlägen nicht zufrieden, dann muss ich selbst Hand anlegen." Die Hierarchien sind klar verteilt. Und so wie andere Leute Briefmarken sammeln, hortete Wolfgang Fischer jahrelang Begriffe. Baute sich eine unendlich lange Datenbank auf, aus denen sich Turbo Pascal bedient.

Wer Kreuzworträtsel entwirft, muss zwangsläufig auch besser im Lösen sein. Stimmt. "Dadurch, dass ich viel mit Nachschlagewerken arbeite und beim Programmieren immer wieder die rätseltypischen Begriffe vor Augen habe, bin ich recht flott, wenn ich mal wieder selbst eins ausfülle." Zum Gewinnen gehört dann aber doch auch das Glück. Und das hat Wolfgang Fischer offenbar nicht. "Ich habe schon an so vielen Preisrätseln teilgenommen. Gewonnen habe ich noch nie etwas. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben." Fischer ist ein bescheidener Mensch. Der Spaß an der Freude sei ihm wichtiger bei der Rätselei, als irgendwo mal einen Jackpot zu knacken.

Weswegen er mit wehleidigem Blick auf seinen in Tage gekommenen Rechner schaut und ins Grübeln gerät. "Irgendwann ist mal Schluss. Dann macht der Kopf nicht mehr mit." Was dann aus Turbo Pascal wird, weiß der 64-Jährige auch nicht. "Ich habe ja immer noch die Hoffnung, dass sich meine Tochter Katja für die Sache begeistern kann. Aber man muss dafür wohl auch ein bisschen verrückt sein." Solange es geht, will er weiter Rätsel aufgeben. Und irgendwann taucht sein Name vielleicht selbst mal als Lösungswort auf: Vier senkrecht - "sächsischer Physiker mit Hang zum Rätselhaften" mit sieben Buchstaben.

Thomas Lieb

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln
  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

20.10.2017 - 07:05 Uhr

Landesklasse Nord: Der BSV bleibt personell gebeutelt und will am Sonnabend trotzdem was Zählbares mitnehmen.

mehr