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Würstchendieb soll hinter Gitter: Jugendgericht verurteilt Kriebsteiner zu 15 Monaten Haft

Amtsgericht Würstchendieb soll hinter Gitter: Jugendgericht verurteilt Kriebsteiner zu 15 Monaten Haft

Für den Diebstahl eines Glases Wiener Würstchen fährt doch keiner gleich in Knast ein, könnte man meinen. Schon gar nicht, wenn er nach Jugendstrafrecht verurteilt wird. Das Jugendschöffengericht im Amtsgericht Döbeln verurteilte jetzt einen 20-Jährigen Kriebsteiner zu 15 Monaten Haft. Er hatte unter anderem ein Glas Wiener geklaut.

Wiener geklaut, Drogen besessen, schwarz gefahren und Bewährung gebrochen – ein 20-Jähriger Kriebsteiner soll deswegen ins Gefängnis.

Quelle: dpa

Waldheim/ Kriebstein/ Döbeln. Recht verwirrt sprang ein 19-Jähriger Kriebsteiner im März durch die Kleingartenanlage Pfaffenberg in Waldheim. Kein Wunder, hatte er doch berauschende Pilze gegessen. Etwas über ein halbes Gramm dieser Rauschpilze mit dem Wirkstoff Psilocybin fand die Polizei bei ihm später. Und auch noch 0,3 Gramm Crystal. Strafrechtlich betrachtet ist das für sich genommen Kleinkram. Nichts, was eine Anklage vor dem Jugendschöffengericht rechtfertigen würde. Denn das wird tätig, wenn eine Jugendstrafe von mehr als einem Jahr zu erwarten ist. Aber die Staatsanwaltschaft hatte noch weitere Anklagen gegen den jungen Deutschen in petto: Diebstahl eines Glases Wiener Würstchen für 1,20 Euro im Rewe in Chemnitz, Schwarzfahren von Leipzig nach Chemnitz für etwa 18 Euro und den Diebstahl einer Spielekonsole für 460 Euro aus dem Kofferraum eines Autos an einer Chemnitzer Straße. Auch das sind für sich genommen noch keine großen Sachen. Aber der Angeklagte soll diese Straftaten unter laufender Bewährung begangen haben.

Verwahrlost in der Gartenanlage

„Ich hatte Hunger und kein Geld, mir etwas zu essen zu kaufen“, räumte der junge Mann den Würstchenklau zu Chemnitz ein. Und auch die Schwarzfahrt sowie den Drogenbesitz. „Ich bin verwahrlost in der Gartenanlage rumgesprungen und habe gedacht, ich sei verprügelt worden“, sagte der junge Mann. Den Konsolenklau an der Chemnitzer Tanke stritt er allerdings ab. „Das ist ganz anders.“ Einer seiner Kumpel habe ihn gebeten, die Konsole zu Geld zu machen, damit dieser Kumpel Geld für die Spielhalle habe. Der nunmehr 20-Jährige habe die Konsole an einen Bekannten in Chemnitz verkaufen wollen, der ihm statt des Geldes einen Faustschlag gegeben hätte und das Gerät behalten habe. Der angeblich Bestohlene bestätigte das im Zeugenstand weitgehend – allerdings ohne die Geschichte mit dem Faustschlag und der Wegnahme des Spielcomputers. So sich das wirklich zugetragen hat, wäre es wohl als Raub zu werten.

Kriminell im Knast

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Marion Zöllner stellte das Verfahren zu diesem Anklagepunkt auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein. Die Strafe dafür hätte das Kraut ohnehin nicht fetter gemacht. Denn das Jugendgericht verurteilte den jungen Mann wegen der anderen Vergehen zu einem Jahr und drei Monaten Jugendstrafe und bezog ein früheres Urteil zu sieben Monaten Jugendhaft in diese Entscheidung ein. Das Jugendgericht hatte den 20-Jährigen 2014 wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und zweier Drogenvergehens verurteilt. Zwei der Straftaten ereigneten sich im Jugendgefängnis Regis-Breitingen. Zum einen hatte er den Filter der Dunstabzugshaube aus der Küche des Arrestbereichs gestohlen, zum anderen ein Tabak-Marihuana-Gemisch eingeschmuggelt und war aufgeflogen.

Arbeitslos und ohne Einkommen

Damals gab es für noch Bewährung, diesmal nicht. „Ich dachte, der Angeklagte schafft das“, sagte Richterin Zöllner, die den jungen Mann aus früheren Verfahren kennt. „Aber seit Oktober, November 2015 ging es mit ihm grundlegend den Bach runter. Er beging in der Bewährungszeit neue Straftaten und hat sich um nichts gekümmert.“ Ob Bewährung oder nicht – er würde mit beidem klarkommen, sagte der kleinkriminelle Kriebsteiner in seinem letzten Wort als Angeklagter. Er brauche die Strafe, um endlich wieder klarzukommen, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Derzeit lebt er arbeitslos und ohne eigenes Einkommen von seiner Freundin, die offenbar selbst ein Drogenproblem hat. „Mein Mandant macht es mir sehr schwer“, sagte Rechtsanwältin Kristin Böhme, die den Kriebsteiner verteidigte. Sie beantragte eine Einheitsjugendstrafe von unter einem Jahr und stellte die Antwort auf die Frage, ob Bewährung oder nicht, in das Ermessen des Jugendschöffengerichtes.

Dessen Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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