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Döbeln Yes, she can – Susanne Engelhardt im Porträt
Region Döbeln Yes, she can – Susanne Engelhardt im Porträt
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18:22 16.05.2016
Bald als Dolly Meyer zu erleben: Susanne Engelhardt. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Wer kennt sie nicht? Die Musicaldiva des Mittelsächsischen Theaters, die so ganz ohne Allüren ist. Den Star, der in 33 Jahren auf deutschen Bühnen mehr als 100 Partien sang – davon viele tragende Rollen. Und wer liebt sie nicht, diese Susanne Engelhardt, die sich in die Herzen der Zuschauer singt, spielt und tanzt, und die – hätten die Spielregeln eine jährliche Nominierung zugelassen – noch viel öfter als „nur“ zwölfmal Publikumsliebling in Döbeln und Freiberg geworden wäre. Dass sie so beliebt ist, liege wohl an ihren Rollen, die meist Publikumsmagnete waren, vermutet sie bescheiden.

Jede Rolle – ob klein oder groß – nimmt sie ernst, setzt sich mit der Figur auseinander, um authentisch zu sein, dem Zuschauer eine Botschaft zu vermitteln. Für die Evita las sie zwei Biografien der argentinischen Präsidentengattin Maria Eva Duarte de Perón. Im Leben der Stummfilm-Diva Norma Desmond aus dem Musical „Sunset Boulevard“ fand sie viele Parallelen zu ihrem eigenen. Die Rolle der Amy Blue in „Blue Flowers“ schrieb ihr Oberspielleiterin Judica Semler auf den Leib. Und trotzdem sind ihre Rollen nicht ganz sie. „Ich vertiefe mich sehr in die Gestalten, finde in jeder Figur auch Denkansätze für mein eigenes Leben, achte aber darauf, mich nicht zu verlieren. Deshalb spiele ich zwar sehr gefühlvoll, zugleich aber auch hochkonzentriert “, beschreibt sie die Dramaturgie ihres Bühnenlebens.

Wollte man das Leben der Susanne Engelhardt in eine Rolle pressen, wäre es wohl die der Eliza Doolittle aus dem Musical „My fair Lady“: „Wie ich ein Mauerblümchen, das sich emanzipiert hat.“ Aufgewachsen ist die Sängerin des Mittelsächsischen Theaters mitten in der Natur, auf dem Bauernhof der Eltern im thüringi­schen Malmerz bei Sonneberg. Bis heute ist sie naturverbunden, liebt es, in der Erde zu „wühlen“, ihren Garten zu gestalten oder sich auf dem Fahrrad den Wind um die Nase wehen zu lassen. Ihr Sohn Sebastian wuchs im Theater auf. Vor 20 Jahren kamen mit ihrem Mann Gunter weitere drei Söhne und inzwischen auch vier Quasi-Enkel zur Familie hinzu. Ihr jüngstes „Kind“ Rodaina erblickte gerade das Licht der Welt, wenn auch auf einer ihrer Schattenseiten. Susanne Engelhardt gibt dem ägyptischen Mädchen eine Chance auf Zukunft, denn sie ist seit vielen Jahren Patin bei „Plan international“.

Ihre ganz persönliche Liebe feiert bald silbernes Jubiläum. Und das, obwohl ihr Mann sich anfangs nicht ganz sicher war, ob er tatsächlich eine Frau wolle, die vom Spielplan des Theaters fremdbestimmt und abends immer unterwegs ist. Gemeinsam haben sich die Bergers – „Ja, ich bin eigentlich eine Frau Berger“, sagt Susanne Engelhardt schmunzelnd – ihr Refugium mitten im Müglitztal geschaffen: ein kleines Häuschen, an dem die Musicaldiva genauso baut, schraubt und streicht wie ihr Mann Gunter. Hier ist sie, so oft es geht, genießt die Zeit mit ihrem Mann, kocht leidenschaftlich gern und am liebsten aus dem Kochbuch ihrer Phantasie, schreibt Gedichte, ist ungeschminkt und ganz bei sich. In ihrer Wohnung in Freiberg lebt sie nur, wenn sie in „rollender Woche“ in Proben und Vorstellungen steckt, Charaktere einstudiert und nur noch zu 50 Prozent sie selbst ist.

Etwa vier bis fünf Rollen singt und spielt Susanne Engelhardt pro Jahr. „Meist Rollen unter meinem tatsächlichen Alter“, gibt sie mit einem verschmitzten Lächeln zu. Denn auch wenn die Künstlerin von neuen Kolleginnen noch immer auf Mitte 30 geschätzt wird, ist sie mit 33 Jahren auf der Bühne – 23 davon am Mittelsächsischen Theater – schon etwas „weiser“.

Die Geheimnisse ihrer jugendlichen Ausstrahlung sind Spaß an der Arbeit, Disziplin und Ehrgeiz. Sie singt, spielt, tanzt – immer mit einem Lächeln im Gesicht und immer gut gelaunt. Sie ist überall präsent: am Theater, auf der Seebühne, auf Empfängen und Bällen. Sie ist vielseitig, bei Publikum und Kollegen beliebt, von Theaterkritikern hochgelobt: „Wunderbar, gelöst, supersüß, aufregend, hollywoodreif, beeindruckend, expressiv, stark, wandlungsfähig“. Ihre Stimme und ihr Spiel begeistern. Die Regisseure lieben ihre Vielseitigkeit und schätzen ihre Professionalität.

Und doch musste auch sie sich immer wieder beweisen. „Jeder Intendant hat eine neue Sicht, setzt andere Prioritäten. Da gibt es keine Vorschusslorbeeren, muss man mit seinem Können immer wieder überzeugen und auch Nadelöhrsituationen überstehen.“

Wenn es ihr mal nicht gut ging, flüchtete sie sich nie in Allüren, wie es die sprichwörtliche Diva täte. Susanne Engelhardt hatte eine andere „Medizin“, wusste, auf wen sie sich verlassen kann: „Ein Ensembletheater lebt von seinem Publikum. Das ist ein großes Glück, denn das Publikum trägt einen so sicher, dass man alles vergisst, sobald man auf der Bühne steht“, beschreibt sie ihre intensive Verbundenheit zu den Menschen der Region.

Dass sie trotz vieler Gastspiele an größeren Bühnen dem Mittelsächsischen Theater treu geblieben ist, hat viele Gründe: „Ich glaube, ich habe mich immerrealistisch eingeschätzt: Ich bin nicht ganz unbegabt, aber auch kein großer Star“, erklärt sie bescheiden. „Meine Stärke ist das Musical. Am Mittelsächsischen Theater durfte und darf ich tolle Rollen spielen, die mich faszinieren. Dafür bin ich dankbar. Hier bin ich gut aufgehoben. Ich werde nirgendwoanders glücklicher.“

Ab dem 11. Juni ist Susanne Engelhardt in der Rolle der Dolly Meyer im Musical „Hello, Dolly!“ auf der Seebühne zu erleben. Regisseur Ivan Alboresi freut sich auf die Zusammenarbeit mit ihr. Er kennt sie aus der Inszenierung des Musicals „Sunset Boulevard“ und schätzt die Kollegin sehr. „Mit ihr kann man eine Rolle wunderbar entwickeln. Sie ist wahnsinnig vielseitig, singt, tanzt und gibt ihrer Partie diesen ganz besonderen, unverwechselbaren Charakter. Musical ist ihr Genre. Sie kann es einfach.“ Dieses Mal spielt sie eine fröhliche Rolle: eine Frau im besten Alter, reif, selbstbewusst und lebenslustig. Susanne Engelhardt: „Das passt ganz gut zu mir.“

Von Kathrin Gerlach

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