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Döbeln Zäher Prozess um Leisniger Neujahrsschlägerei
Region Döbeln Zäher Prozess um Leisniger Neujahrsschlägerei
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Rechts gegen Links? Am Amtsgericht Döbeln hat am Montag ein Großprozess gegen sieben Angeklagte begonnen, denen gefährliche Körperverletzung zur Last liegt. Sie sollen angeblich Linke in Leisnig verprügelt haben. Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)
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Leisnig/Döbeln

Es knallte tüchtig in der Silvesternacht 2015 auf 2016 in Leisnig: Blaue Flecken, Gehirnerschütterungen, ein abgebrochener Zahn. Das sind die ärztlich dokumentierten Verletzungen, die junge Leute bei den gewalttätigen Übergriffen davon getragen haben. Für diese sind laut Staatsanwaltschaft sechs Leisniger und ein Waldheimer verantwortlich. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung in zehn Fällen. Weil ein 46-jähriger Leisniger, offenkundig Dynamo-Fan, und ein weiterer Angeklagter „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“ gerufen sowie den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt haben sollen, sind diese zusätzlich des Verwendens der Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angeklagt.

„Am 1. Januar 2016 zwischen null und ein Uhr verletzten die Angeklagten wegen ihrer Ablehnung links eingestellter Personen im Bereich Chemnitzer Straße/Markt in Leisnig... .“ So beginnt der Anklagesatz, den Staatsanwalt Metzger im Prozess vorm Jugendschöffengericht vortrug. Das ist zuständig, weil der jüngste Angeklagte zur Tatzeit 20 Jahre alt und damit Heranwachsender war. Rechts gegen links – dieses Bild zeichnet die Anklage. Es bekam leichte Kratzer, als eine 21-Jährige Leisnigerin am Zeugentisch davon berichtete, wie sie ein 32-Jähriger mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen hatte. Grundlos, wie sie sagte. Die Frau identifizierte den Schläger erst vor Gericht. Das war eine Überraschung in diesem Prozess. Der mutmaßliche Frauenschläger aus dem linken Lager tritt vor Gericht als Nebenkläger auf. Der Ehemann der jungen Frau gehört zu den Angeklagten, soll als Schläger gewirkt und den Hitlergruß gezeigt haben. Ob der 32-Jährige wegen des Flaschenhiebes auf die Frau zusammengeschlagen wurde, was Notwehr und damit straffrei sein kann, ist unklar. Die Angeklagten schweigen zu den Tatvorwürfen.

Die Zeugenaussagen einiger Geschädigten boten wiederum den Verteidigern viel Gelegenheit für scharfes Nachhaken. Erst intensives Nachfragen machte deutlich, was diese vom Hörensagen und was aus eigener Wahrnehmung wussten. Fast gebetsmühlenartig wies Richterin Marion Zöllner, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes, die Zeugen daraufhin, Erlebtes von Hörensagen und Mutmaßungen zu trennen. Auch zwischen dem, was manche Geschädigten bei der Polizei und vor Gericht aussagten, klafften Widersprüche.

Fast alle Zeugen nannten einen Mann namentlich, der „Scheißzecken“ gerufen und Personen aus dem mutmaßlich linken Umfeld geschlagen haben soll. Diesmal ist er aber nicht mit angeklagt. Weil er bei der Leisniger Himmelfahrtsschlägerei 2015 einen wiederum aus dem linken Lager stammenden jungen Mann verprügelt hatte, verurteilte ihn Strafrichter Janko Ehrlich im November vergangenen Jahres zu 15 Monaten Haft mit Bewährung. Dagegen wäre die mögliche Strafe aus dem aktuellen Prozess nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen und das Gericht stellte das Verfahren ein.

Nicht mal vor Frauen machte die Gewalt in der Neujahrsnacht 2016 halt. Eine 27-Jährige Leisnigerin wurde zu Boden gerissen, wobei ihre Brille zerbrach. Eine 19-Jährige habe der Dynamo-Fan gegen die Wand gedrückt. Das sagte sie, als sie die Polizei als Zeugin vernommen hat. Vor Gericht war sich die 19-Jährige nicht mehr so sicher. „Er war jedenfalls in meiner Nähe“, sagte sie dort. Ihr war die Anspannung deutlich anzumerken. Sie wippte die ganze Zeit mit den Füßen, als sich den Fragen der Juristen und der Vielzahl der mutmaßlichen Täter auf den Anklagebänken ausgesetzt sah. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Dirk Wurzel

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