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Zankapfel statt Pferdeäpfel

Zankapfel statt Pferdeäpfel

Die Stadt Döbeln kann künftig mit der Döbelner Pferdebahn an den Autobahnen A 4 und A 14 für Döbeln werben. Das haben Stadtverwaltung und Döbelner Pferdebahnverein nun schwarz auf weiß.

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Das gibt es nur als Fotomontage: Pferdebahnchef Uwe Hitzschke, Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer und das jetzt genehmigte Autobahnwerbeschild.

Quelle: Wolfgang Sens

Wer jetzt denkt, dass in ein paar Tagen neue braune Tafeln an der Autobahn stehen, der irrt sich. Denn Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) bremst. Er möchte das Thema Pferdebahnschild erst vom neuen Stadtrat beraten lassen. Dabei ist das Pferdebahnmotiv seit 2011 Beschlusslage.

 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Döbelner Oberbürgermeister kein Freund, der Pferdebahn ist und jegliche Nähe zum Verein oder eine Mitfahrt in der Pferdebahn so gut es geht vermeidet. Als es 2011 im Hauptausschuss und im Stadtrat um die Motive für die Autobahntafeln ging, votierte Egerer klar für den Riesenstiefel. Seine eigene CDU-Fraktion und die FDP stellten aber Beschlussanträge, dass Döbeln an der Autobahn sowohl mit dem Stiefel als auch mit der Pferdebahn werben soll, weil die Bahn das schlagkräftigste Motiv sei. Das beschloss der Stadtrat Ende Juni 2011 mit klarer Mehrheit. Döbeln sollte sich um sechs Standorte für die Werbetafeln an den Anschlussstellen Döbeln-Ost und Nord der A 14 und Hainichen an der A 4 in jeweils beiden Fahrtrichtungen bemühen. Als Motive wurden die Entwürfe der Dresdner Werbegrafikerin Sabine Kittel beschlossen: Der Riesenstiefel vor der Rathaussilhouette und die Pferdebahn.

 

Das Wirtschaftsministerium in Dresden genehmigte 2012 aber nur Rathaus und Riesenstiefel als ein Motiv. Begründung: Nur die Stadt Döbeln in ihrer Gesamtheit habe Relevanz. Pferdebahn oder Stiefel allein kämen nicht auf genügend Besucher. Seit 2013 steht je eine solche Döbeln-Werbetafel vor der Abfahrt Nord der A14 aus Richtung Dresden und an der A4 aus Richtung Chemnitz vor der Abfahrt Hainichen.

 

Das Blatt für die Pferdebahnschilder an der Autobahn wendete sich im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen. Der nunmehr scheidende Wirtschaftsminister Sven Morlock (FDP) überbrachte persönlich vor einem halben Jahr die Plakette "Route der Industriekultur" für das Pferdebahnmuseum in Döbeln. Mit 51 weiteren Industriedenkmalen wirbt Sachsen damit international um Touristen. Die Pferdebahn gehört dazu und erfüllt in diesem Verbund jetzt auch die Kriterien, um an der Autobahn für Döbeln zu werben. Die Genehmigung und ein symbolisches Pferdebahnschild wurden zwei Tage vor der Landtagswahl durch den FDP-Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Roland Werner, und FDP-Landeschef Holger Zastrow an die Pferdebahnfreunde überreicht. Seit diesem Termin liegen Oberbürgermeister Egerer und Pferdebahnchef Uwe Hitzschke über Kreuz. Der Oberbürgermeister fühlt sich vorgeführt. Das genehmigungsschreiben des Abteilungsleiters für Verkehr im Wirtschaftsministerium zur Pferdebahntafel an der Autobahn versteht er so, dass die Stadt nun einen erneuten Antrag stellen kann. Das ist aber gar nicht nötig. "Die Stadt sollte nur in einem formlosen Schreiben an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr ihr noch immer bestehendes Interesse bekräftigen. Dann müssen eigentlich nur noch die genauen Standorte mit dem Landesamt geklärt werden. Und schließlich muss die Stadt sich zu den Kosten bekennen. Aus unserer Sicht steht der Touristischen Unterrichtungstafel mit der Döbelner Pferdebahn nichts entgegen", sagt Dr. Edith Grether, stellvertretende Pressesprecherin im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr.

 

Unabhängig von dem seit 2011 bestehenden Beschluss zum Pferdebahnmotiv an der Autobahn will Oberbürgermeister Egerer den neuen Stadtrat dennoch neu entscheiden lassen. Das ist legitim: Denn 12 000 bis 14 000 Euro Kosten für die Tafeln an der Autobahn seien durch die Stadt zu bezahlen. In Döbeln gilt aber wegen Steuerausfällen und Ausgaben im Zusammenhang mit der Juni-Flut 2013 eine Haushaltssperre.

 

Uwe Hitzschke, Vorsitzender des Pferdebahnvereins, übt sich in Zurückhaltung: "Den Stadtrat erneut entscheiden zu lassen, ist für uns legitim und steht dem Oberbürgermeister zu. Wir haben die Pferdebahn immer wieder als werbewirksames Motiv vorgeschlagen und wissen in dieser Frage viele Stadträte hinter uns."

 

Mit dem CDU-Landtagsabgeordneten und Döbelner Stadtrat Sven Liebhauser hat Hitzschke heute einen Gesprächstermin. Dabei soll es nicht nur um das Schild gehen. Die Pferdebahner wollen die Streckenverlängerung vom Obermarkt bis zum Lutherdenkmal an der Kirche in den Stadtrat bringen. 2015, spätestens 2016, wäre die Umsetzung realistisch, wenn die Stadt zustimmt und zehn Prozent der Kosten (etwa 8000 Euro) mittträgt. Um den Rest würde sich der Verein kümmern, der von einem großen Sponsor und einer Stiftung dafür bereits Wege aufgezeigt bekam. "Mit den weiteren 100 Metern Pferdebahngleis zum Lutherplatz würden wir für Besucher die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Nicolaikirche erschließen", schwärmt Hitzschke von der Trassenerweiterung.

Thomas Sparrer

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