Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 5 ° Gewitter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Zeit arbeitet für Drogendealer: Ex-Döbelner kommt in zweiter Instanz mit Bewährung davon

Justiz Zeit arbeitet für Drogendealer: Ex-Döbelner kommt in zweiter Instanz mit Bewährung davon

Er verkaufte die harte Droge Crystal an eine Minderjährige. Trotzdem bleibt ein 26-Jähriger ein freier Mann. Denn das Verfahren zog sich nicht nur über zwei Gerichtsinstanzen, sondern dauerte auch mehrere Jahre.

Zeit arbeitet für Drogendealer: Ex-Döbelner kommt in zweiter Instanz mit Bewährung davon

Quelle: dpa

Chemnitz/Döbeln. Ein Drogendealer bleibt auf freiem Fuß. Das hat eine Berufungskammer des Landgerichtes Chemnitz am Montag in zweiter Instanz entschieden. Ein nunmehr 26-Jähriger hatte zwischen August 2012 und Juni 2013 in Döbeln Crystal an eine Minderjährige verkauft. Für zwei Jahre und sechs Monate wollte ihn ein Schöffengericht am Amtsgericht Chemnitz dafür eingesperrt wissen. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung legten Berufung gegen das Urteil ein.

Mit diesem Verfahren hat sich die Justiz Zeit gelassen, Zeit lassen müssen: Im August 2014 hatte das Amtsgericht Chemnitz den Mann verurteilt. Es war zuständig, weil der Mann damals eine Jugendstrafe wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls in Regis-Breitingen absaß.

Zeugin schwer greifbar

Warum das Verfahren so lange dauerte, lag zum einen am Gutachten und zum anderen an der Belastungszeugin. Eine forensische Psychiaterin am Landeskrankenhaus Arnsdorf sollte für das Gericht einschätzen, ob es sinnvoll ist, den 26-Jährigen in der Entziehungsanstalt unterzubringen. Nur: Sie kam nicht an ihn heran, weil die angegebenen Adressen einfach nicht stimmten. „Erst als er zufällig in eine Verkehrskontrolle geriet, hatten wir eine Anschrift“, sagte die Psychiaterin. Sie kam übrigens zu dem Ergebnis, dass man den Angeklagten nicht in der Entziehungsanstalt unterbringen muss.

Die Geschädigte, zur Tatzeit war sie 15 Jahre alt, war für das Gericht außerdem eine schwer greifbare Zeugin. Sie leide unter Angstzuständen und sei stationär untergebracht, hieß es am Montag im Prozess. Auch darum schlug die Strafkammer eine Verfahrensabsprache vor: Der Angeklagte räumt die Taten ein und bekommt dafür eine Strafe, die zwischen einem Jahr und zehn Monaten und zwei Jahren Haft liegt, die das Gericht zur Bewährung aussetzt. Mit Arbeitsstunden als Auflage. „Die Verteidigung hält es für besser, statt Arbeitsstunden Suchtberatung zur Auflage zu machen. Mit der Höhe der Freiheitsstrafe habe ich allerdings ein Problem“, sagte der Rechtsanwalt , der den Ex-Döbelner verteidigte. Er führte aus, wie die Verteidigung das Verfahren weiter ausdehnen könnte, indem sie drauf bestünde, die Geschädigte zu hören. Deren Erinnerungen würden nicht besser und überhaupt arbeite die Zeit bei solch langen Verfahren für die Verteidigung.

Sucht ließ ihn Straftaten begehen

Der Vorsitzende der Strafkammer ging nach Rücksprache mit seinen Schöffinnen dann noch mal zwei Monate nach unten und der „Deal“ stand. Lediglich einen Zeugen hörte das Gericht, einen Kriminaloberkommissar der Kripo aus Finsterwalde. Dort war die Geschädigte zur Therapie und der Beamte hatte sie damals auf Wunsch der hiesigen Polizei vernommen. Sie habe ohne Belastungseifer glaubhaft ausgesagt, sagte der Beamte. 70 bis 80 Mal habe sie beim Angeklagten Crystal gekauft, in Portionen für fünf bis zehn Euro. Für den Brandenburger Kripomann war es recht ungewöhnlich, eine Crystal-Konsumentin zu vernehmen. „Glücklicherweise haben wir in Brandenburg zuwenig Erfahrung damit“, sagte er. Das Amtsgericht Chemnitz verurteilte den Dealer dann aber lediglich wegen 15 Verkäufen zu den zweienhalb Jahren Haft Gesamtstrafe.

Die Berufungskammer gab nun Bewährung Sie haben ihr Leben komplett geändert“, begründete der Vorsitzende das Urteil: 20 Monate bedingte Haft. Schon als er von 2013 bis 2015 im Gefängnis saß, hatte sich der 26-Jährige um eine Therapie bemüht und diese absolviert. Die Sucht, die ihn Straftaten begehen ließ, liegt in der Familie. Die Eltern sind Alkoholiker, wurden ihrer vielen Kinder nicht Herr. Der Angeklagte hat bereits mit 12 Jahren angefangen Alkohol zu trinken und mit 16 das erste Mal Crystal genommen. Der Mann lebt nun nicht mehr in Döbeln, hat eine Umschulung absolviert und ist auf Jobsuche.

Gerichte und ihre Zuständigkeit

Dasist in erster Instanz für alle Anklagen zuständig, bei denen die Straferwartung höher ist, als vier Jahre. Auch für Mord- und Totschlag ist das Landgericht Chemnitz zuständig. Am Landgericht Chemnitz gibt es Große und Kleine Strafkammern. Die Großen Strafkammern verhandeln in erster Instanz, wenn die Straferwartung über vier Jahren liegt. Sie sind mit mindestens zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen besetzt. Üblich sind aber drei Berufsrichter und zwei Schöffen. Die Kleinen Strafkammern sind mit einem Berufsrichter und zwei Schöffen besetzt. Sie verhandeln ausschließlich Berufungen. Die Berufung ist ein Rechtsmittel, das Angeklagte und Staatsanwälte gegen die Urteile der Amtsgerichte einlegen können. Die Kleinen Strafkammern des Landgerichtes verhandeln die Sachen nochmal komplett neu, hören grundsätzlich alle Zeugen und erheben alle sonstigen Beweise, die schon die Amtsgerichte in erster Instanz erhoben haben.

Schon seit er strafmündig ist, geriet der 26-Jährige mit dem Gesetz in Konflikt. Es war 2006 und der Mann im zarten Alter von 15 Jahren, als das Jugendgericht am Amtsgericht Döbeln ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung nach Paragraf 47 Jugendgerichtsgesetz einstellte. Im gleichen Jahr sah die Staatsanwaltschaft nach Jugendrecht von der Strafverfolgung eines Diebstahls ab. Ebenfalls 2006 verurteilte ihn dann das Jugendgericht in Döbeln wegen Diebstahls zu Arbeitsstunden. Zwei Jahre später stand er wegen Körperverletzung vorm Jugendgericht in Döbeln und erhielt richterliche Weisungen. Wegen gefährlicher Körperverletzung schickte ihn die Jugendrichterin 2009 für drei Wochen in den Jugendarrest. Ein Jahr später verurteilte ein Jugendschöffengericht den nunmehr 19-Jährigen wegen Raubes zu einem Jahr Jugendhaft mit Bewährung. 2011 erhielt er eine Geldstrafe wegen Hehlerei und 2012 dann ein Jahr und fünf Monate Jugendhaft wegen gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls, zunächst mit Bewährung. Die wurde jedoch widerrufen, sodass der Mann dann in den Jugendknast in Regis-Breitingen einfuhr.

Von Dirk Wurzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döbeln
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Was beschäftigt die Menschen in den kleinen Orten zwischen Döbeln, Waldheim und Hartha? Wir besuchen jene kleinen Dörfer, denen normalerweise wenig Beachtung geschenkt wird, geben einen Einblick in die Geschichte des Ortes und sprechen mit den Bewohnern über früher und heute. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

18.09.2017 - 10:07 Uhr

Der TSV spielte trotz zahlreicher guter Möglichkeiten nur 1:1 gegen Bennewitz

mehr