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Zeitlose Oper vom Kopf auf die Füße gestellt

Zeitlose Oper vom Kopf auf die Füße gestellt

Noch nicht einmal zehn Jahre ist es her, dass am Mittelsächsischen Theater "Die Hochzeit des Figaro" zuletzt Premiere hatte. Und die Inszenierung von 2005 ist durchaus noch in Erinnerung - der kraftvollen Bildsprache der Regie, vor allem aber der rekordverdächtigen musikalischen Tempi wegen.

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Leonora del Rio als Gräfin und Sergio Raonic Lukovic, der den Figaro singt und spielt.

Quelle: Jörg Metzner

Dass nun ein knappes Jahrzehnt später die Oper schon wieder in einer Neuproduktion gezeigt wird, ist jedoch keine Distanzierung von der einstigen Arbeit: Mozarts geniales Stück gehört zu jenen Gipfelwerken des Musiktheaters, die ohne Frage durchgängig auf jeden Spielplan gehören. Wobei die mit viel italienischem Witz gewürzte Oper in Döbeln traditionell deutsch nach einer eigenen Textfassung gesungen wird.

 

Nach dem rasanten "Figaro" 2005 in zweieinhalb Nettostunden folgt nun eine Inszenierung, die das Werk vom Kopf auf die Füße stellt. Die Musik erhält wieder die üblichen Ausmaße: Bei Raoul Grüneis dauert der Abend 20 Minuten länger, er gönnt der Mittelsächsischen Philharmonie, dem Opernchor, dem Solistenensemble und auch dem Publikum die ein oder andere Atempause inmitten der turbulenten Geschichte. Das kommt den Sängern entgegen (Sergio Raonic Lukovic darf als Figaro nicht nur plappern, sondern auch denken) und sorgt nicht zuletzt vor dem finalen Verzeihen der Gräfin dank einer spannungsvollen Generalpause für einen jener unbeschreiblichen Momente, in denen Mozarts Musik direkt aus dem Himmel tönt.

 

Regisseurin Judica Semler ist gut beraten, vor allem der Kraft dieser Musik zu vertrauen. Denn gegen den Strich wird an diesem Abend überhaupt nichts gebürstet, alle Konzeption findet sich bereits in der Partitur. Und selbst die gewagteste Idee - dass Figaro sein berühmtes "Non piu andrai" nicht nur dem nervigen Pagen Cherubino (Barbora Fritscher) entgegen schleudert, sondern gewissermaßen als Übersprungshandlung auch gleich den Dienstherren mit anspricht - lässt sich mit einem Blick auf die Handlung vertreten: Hatte doch Figaro gerade eben erst angekündigt, den Grafen, der ein Auge auf die eigene Braut in spe geworfen hat, "tanzen zu lassen".

 

Dennoch ist dieser "Figaro" nicht altbacken. Semler und ihre Ausstatterin Annabel von Berlichingen betonen in vier klaren und aufgeräumten Bildern das Zeitlose der Oper, indem sie jede Mode verweigern. Der Graf könnte da ebenso ein italienischer Adliger des 18. Jahrhunderts wie ein zu schnell reich gewordener Russe sein - in beiden Fällen wird die Macht über Untergebene genüsslich ausgelebt. Und wären nicht kluge Mitarbeiter wie Figaro, vor allem aber seine Braut Susanna, die Mächtigen der Welt hätten leichtes Spiel mit jenen, die ihnen allerorten die breiten Sessel hinterher schieben.

 

Derartige Inszenierungen benötigen neben Komödianten (diese Rolle fällt diesmal Jens Winkelmann als sächselndem Richter zu) vor allem Sängerdarsteller, die die Handlung schon in Mimik und Gestik erfahren lassen. Leonora del Rio verleiht der Gräfin viel Gefühlstiefe, Marie Hänsel spielt eine kecke Barbarina.

 

Vor allem aber Miriam Alexandra und Guido Kunze offenbaren sich in dieser Produktion als wahre Spielmacher - sie als kluge, sich immer wieder kontrollierende Susanna, er als Graf, dem es nur mit Mühe gelingt, die äußerlich so prachtvolle Fassade zu wahren.

Hagen Kunze

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