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Döbeln Zschepplitzer erkämpft sein Recht
Region Döbeln Zschepplitzer erkämpft sein Recht
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00:19 03.07.2017
Der Beschluss vom Sozialgericht über die Rentenzahlung und der Schwerbehindertenausweis: Dafür hat Mike Bitterlich jahrelang gekämpft. Quelle: Gerhard Dörner
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Zschepplitz

Mike Bitterlich hat es geschafft: Seit kurzem hat er den Beschluss des Sozialgerichts Chemnitz in der Hand, der einen dreieinhalb Jahre währenden Kampf um Anerkennung einer schweren Handerkrankung nach Arbeitsunfall und Versicherungszahlungen beendet hat. Im August 2016 hatte die DAZ erstmals über seinen Fall berichtet: Jahrelang betrieb der Zschepplitzer in Stuttgart einen Patientenbegleitdienst mit sieben Angestellten, bis ihm am 13. Juni 2013 von einer Patientin unter Alkohol- und Drogeneinfluss die linke Hand derart nach oben durchgebogen wurde, dass selbst eine Operation am Klinikum Döbeln keine Besserung brachte und sich ein fortschreitendes Krankheitsbild namens Morbus Sudeck herausbildete.

Seither kann Mike Bitterlich die Hand nicht mehr benutzen, weder greifen, noch heben. Laut der Döbelner Ärzte sind keine Heilungschancen gegeben. Inzwischen hat sich die Krankheit bis zum Ellbogen ausgeweitet und wird dies voraussichtlich noch weiter bis zur Schulter tun. Ohne starke Schmerzmitel kann Mike Bitterlich nicht den Alltag bestreiten.

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheits- und Wohlfahrtspflege (BGW), bei der er gegen solche Unfälle versichert ist, zahlt zunächst das monatliche Verletztengeld. Eine von der BGW beauftragte Fachärztin in Hoyerswerda stellt jedoch nach acht Monaten die volle Arbeitsfähigkeit fest, obwohl Mike Bitterlich weiter starke Schmerzen spürt. Daraufhin stellt die BGW die Zahlungen ein. Bitterlich, der wieder bei den Eltern in Zschepplitz wohnt, stürzt auf Hartz-IV-Bezug ab, die Firma schlittert in die Insolvenz. Ein Rechtsstreit beginnt, der nun beendet ist.

„Der Beschluss besagt, dass ich berechtigt bis auf weiteres seit 2013 krank geschrieben bin und dass ich seit Februar 2015 Anspruch auf eine Rente in Höhe von 65 Prozent meines letzten Jahreseinkommens habe“, freut sich der 48-Jährige. Die BGW habe sich auf einen Vergleich eingelassen, der Beschluss ist damit rechtskräftig. Den Durchbruch brachte ein neues Gutachten von einem Spezialisten aus Dresden, der die Diagnosen des Döbelner Klinikums bestätigte. „Mir ist es wichtig, allen Ärzten und ihren Schwestern, die mich in Döbeln behandelt haben, zu danken. Namentlich sind das die Oberärzte Dr. Frank Rentsch, Dr. Henner Weicherdt, Dr. Thorsten Dietrich und Dr. Einar Köhler. Sie haben mich von Anfang an unterstützt und aufgrund ihrer Dokumentation konnte der Gutachter alles nachvollziehen“, lobt Bitterlich.

Seit diesem Monat erhält er die lebenslange Rente. Zudem wurden alle Ansprüche aus den letzten Jahren nachgezahlt. Doch reich ist er dadurch nicht. „Die Insolvenz meiner Firma frisst fast die gesamte Nachzahlung auf. Aber ich bin froh, dass das Insolvenzverfahren bis Ende Juli mit einer 100-prozentigen Rückzahlung an die Gläubiger beendet ist. Dann bin ich wenigstens schuldenfrei“, sagt Bitterlich erleichtert. Auch den Eltern will er das über die Jahre für Unterbringung, Versorgung und Fahrten zu Ärzten aufgewendete Geld zurückzahlen. „Sie haben für die Kosten rundherum fast ihr gesamtes Erspartes aufgebraucht. Ohne sie hätte ich die letzten Jahre nicht überstanden“, sagt er.

Zugleich hat er sich gegen das Landratsamt Mittelsachsen durchgesetzt, welches ihm zunächst nur 30 Prozent Behinderungsgrad anerkennen und den Schwerbehindertenausweis verweigern wollte. Nun hat er diesen mit 65 Prozent erhalten.

Ganz vorbei ist der Kampf aber noch nicht. Prozesse gegen die Verursacherin des Unfalls und die Ärztin aus Hoyerswerda, die das widerlegte Gutachten ausstellte, laufen noch. Mike Bitterlichs Ziele gehen jedoch darüber hinaus. „Ich habe vor zu versuchen, stundenweise in einem Krankenhaus zu arbeiten, Botengänge zu machen oder was eben geht mit einer Hand“, sagt er Und: Ich möchte mich wieder mehr um meine Söhne und meine Enkelin kümmern. Sie ist schon fünf Jahre alt und ich habe sie nie gesehen, weil ich die Fahrt nach Berlin nicht machen konnte.“

Von Sebastian Fink

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