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Döbeln Zugereister Döbelner fährt schwarz – Gericht gibt zwei Monate Knastnachschlag
Region Döbeln Zugereister Döbelner fährt schwarz – Gericht gibt zwei Monate Knastnachschlag
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17:39 19.01.2016
Amtsgericht Döbeln. Quelle: Wolfgang Sens
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Döbeln

Mit seinem Sündenregister kann Michael F. dem Döbelner Vorstrafenkönig Frank Z. die Krone streitig machen: 45 Einträge enthält das, bei Frank Z. stehen 42 drin. Etwa 20 Jahre jünger als der 70-Jährige Z. ist Michael F. auch noch. Allerdings stammt er nicht wie Frank Z. von hier, sondern kommt ursprünglich aus Schwaben und lebt erst seit zwei Jahren in Döbeln. Etliche Vorstrafen bringt er aus dem Westen mit.

„45 Einträge – das brauch ich doch nicht alles vorzulesen?“, fragte Richterin Christa Weik den 51-Jährigen, als er am Dienstag bei ihr auf der Anklagebank saß. „Leistungserschleichung“ – also Schwarzfahrerei mit Bus und Bahn – lautete der Tatvorwurf. Vorlesen müsse die Richterin nicht, meinte der Angeklagte. „Dann sitzen wir ja morgen noch hier.“ Das Schwarzfahren ist das Delikt, das Frank Z. mit Michael F. verbindet. War Z. allerdings nur von Döbeln nach Riesa ohne Fahrschein unterwegs, soll F. laut Anklagesatz quer durch Deutschland mit dem Zug gefahren sein. Und zwar im Dezember 2014 mit dem ICE von Leipzig nach Hamburg und ebenfalls mit dem Schnellzug von Berlin nach Leipzig. Auch den öffentlichen Personennahverkehr habe der Mann ohne Fahrschein genutzt, sei zweimal von Leipzig nach Eilenburg mit der S-Bahn gereist. Gesamtschaden für die Bahn: Rund 246 Euro.

Mit dem ICE nach Hamburg – mit der Grünen Minna ins Gericht

„Ich bin zu meinem Sohn nach Hamburg gefahren, hatte nicht genug Geld“, sagte der Angeklagte, der die Tatvorwürfe weitgehend einräumte. Zur zweiten Schwarzfahrt mit dem ICE, er nutzte den Schnellzug für die Rückreise von Hamburg, gab er an: „Ich wollte eigentlich den Bus nehmen, aber da war kein Platz.“ Zu seinem Prozess am Dienstag erschien der Mann in Hand- und Fußfesseln. Zwei Bedienstete der JVA Zeithain brachten ihn ins Amtsgericht Döbeln. Im Gefängnis sitzt Michael F. unter anderem wegen Leistungserschleichung und Trunkenheit im Verkehr. Aber auch wegen Körperverletzung und Beleidigung fiel der 52-Jährige schon auf. Zwar arbeitete er nach seinen Gefängnisaufenthalten immer mal wieder als Lagerist, zuletzt bis 2014. Weil der Schwabe aber immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet, landete er oft hinter Gitter. Und dort wird er nun nach Willen der Richterin wegen der Schwarzfahrerei zwei Monate länger bleiben müssen. „Eigentlich sperre ich wegen Schwarzfahrens keinen ein“, sagte Richterin Weik, als sie das Urteil begründete. „In manchen Fällen muss ich meine Prinzipien über Bord schmeißen, wie bei Ihnen.“ Michael F. hatte eine Geldstrafe für sich gefordert. Die würde schon bezahlt werden. Darauf ließ sich Richterin Weik aber nicht ein. „Eine Geldstrafe trifft ihre Frau. Sie haben das kriminelle Verhalten verinnerlicht und denken, was Sie machen, ist richtig. Und alle anderen müssen darunter leiden.“

Treffen sich die Vorstrafenkönige im Gefängnis?

Sowohl Staatsanwaltschaft und Angeklagter nahmen das Urteil an. Seine Kartei im Bundeszentralregister wächst um einen Eintrag auf 46. Und so wird Michael F. wohl noch eine Weile in Zeithain zwangswohnen müssen. Vielleicht trifft er dort Frank Z., der auch bald wegen Leistungserschleichung einfahren dürfte. Zwar verurteilte ihn Strafrichter Janko Ehrlich unlängst wegen der Schwarzfahrerei zu 60 Tagessätzen Geldstrafe. Z. schwänzte seinen Prozess und Richter Ehrlich erließ einen Strafbefehl. Da darf man nur Geld- und in Ausnahmefällen Bewährungsstrafen verhängen. Aber bei Frank Z. ist wahrscheinlich, dass er die Geldstrafe absitzt und sich die Vorstrafenkönige so womöglich im Knast treffen.

Über die Vorstrafen einer Person erfährt die Öffentlichkeit normalerweise nichts. Erst wenn Menschen vor Gericht stehen, kommen diese in der Hauptverhandlung zur Sprache. Ist diese öffentlich, so sind es auch die Vorstrafen. Sie gehören zu den persönlichen Verhältnissen eines Angeklagten und diese sind bei einem Schuldspruch mit dafür maßgeblich, wie hoch die Strafe ausfällt.

Von Dirk Wurzel

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