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"Zum Glück haben sie mich nicht Berta genannt"

"Zum Glück haben sie mich nicht Berta genannt"

Roßwein. Gute Gene nennt man es, wenn viele Familienmitglieder ein hohes Alter erreichen. Die Roßweiner Familie Börner ist so ein Clan: Die Ehrenbürgerin Berta Börner starb 1926 im Alter von 94 Jahren.

Ihre Urenkelin Juliane Hasenwinkel kam ein Jahr zuvor zur Welt - und ist mit 87 Jahren noch gut unterwegs. Gestern brachte sie die Carola-Medaille, die Berta Börner 1898 von der sächsischen Königin, nach der sie auch benannt war, erhalten hatte, zum Heimatverein Roßwein. Bis dahin war es ein weiter Weg für das kostbare Silberstück.

 

Denn nach dem Tod Berta Börners ging die nur Euro-Stück-große Medaille in den Besitz der Roßweiner Industriellen-Familie Wolf über, die per Heirat an die Börners gebunden war. "Eine Enkelin hat die Medaille damals nach dem Krieg mit in den Westen genommen", erzählt Juliane Hasenwinkel, Bis nach der Wiedervereinigung blieb das seltene Stück dort, bis die Enkelin, die inzwischen selbst Großmutter war, die Medaille in den 1990er Jahren bei einem Besuch bei Hasenwinkels Cousine Bärbel Hofmann in Chemnitz wieder zur Sprache brachte. "Sie wurde dann einfach per Brief hingeschickt", erinnert sich Juliane Hasenwinkel.

 

Schnell war die Idee geboren, die Medaille dem Heimatverein zu schenken. Anlässlich der Jubelkonfirmation am morgigen Sonntag in der Marienkirche kam Bärbel Hofmann sogar mit Medaille aus Chemnitz gefahren, musste aber wegen eines Herzleidens wieder abreisen. So kam Juliane Hasenwinkel gestern Nachmittag allein die Stufen zum Museum hinauf - trotz Krücken und 87 Jahren.

 

Zu erzählen hatte die Roßweinerin, die nach 18 Jahren in Döbeln erst seit November wieder in ihrer Heimatstadt lebt, eine Menge. Zum Beispiel, dass sie durchaus nach ihrer Urgroßmutter benannt wurde. Die hieß nämlich mit vollem Namen Juliane Antoinette Berta Börner, geborene Gumpert. "Zum Glück haben sie mich nicht Berta genannt. Das wäre was gewesen in der Schule", scherzte der Ehrengast, der von Martina und Richard Thiele in den Vereinsräumen im Rathaus empfangen wurde.

 

Mit alten Schwarz-weiß-Fotos der Familie und ein paar Geschichten im Gepäck überreichte Hasenwinkel die Medaille in Silber mit Damenschleife an Martina Thiele. "Wir freuen uns, dass die Sammlung jetzt komplett ist. Wir haben die Verleihungsurkunde, ein Foto von Berta Börner mit der Medaille am Revers und nun das gute Stück selbst", sagte Martina Thiele. Sie will nun die Präsentation der drei Erinnerungsstücke in einer Glasvitrine neu aufbereiten, nachdem die Dokumente bisher an der Wand hingen.

 

Die Medaille, die seit 1892 auf Initiative von König Albert von Sachsen verliehen wurde, gab es in Gold, Silber und Bronze. Sie ging an Personen, die sich auf dem Gebiet der hilfreichen Nächstenliebe im Krieg oder im Frieden besondere Verdienste erworben hatten. Auf Berta Börner, die unter anderem ehrenamtlich Kinder betreute und verwundete Soldaten im Krieg 1870/71 pflegte, traf beides zu.

 

Juliane Hasenwinkel, die beim Tod der Uroma erst ein Jahr alt war, hat keine Erinnerungen mehr an sie. Lebhaft ist ihr jedoch die Zeit zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Gedächtnis geblieben. "Mein Vater musste nach Gleisberg Panzersperren bauen, weil man dachte die Russen kommen von Osten. Sie kamen dann aber aus Haßlau her und die Panzer standen auf dem Markt. Da sind die Frauen gleich alle mit Blumen hingelaufen. Das hat Roßwein gerettet, da wurde auch nicht geschossen" erinnert sie sich. Heute genießt sie das Leben in der Heimat. "Es ist einfach schön, wieder hier zu sein."

Sebastian Fink

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