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Döbeln Zuviel Nitrat im Grundwasser – bei jeder dritten Probe Grenzwert überschritten
Region Döbeln Zuviel Nitrat im Grundwasser – bei jeder dritten Probe Grenzwert überschritten
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17:12 04.09.2018
Lina Remme (l.) und Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz untersuchen eine Wasserprobe im Labormobil. Quelle: Gerhard Seybert, VSR
Döbeln

Insgesamt 72 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen im Altkreis Döbeln hatten Projektleiter Harald Gülzow und Mitarbeiterin Lisa Remme vom Verein VSR-Gewässerschutz am 21. Juni auf dem Döbelner Obermarkt entgegengenommen. Jetzt ist alles ausgewertet. In jeder dritten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. „Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft. Diese hat sich in den letzten zehn Jahren immer weiter ausgebreitet. Gleichzeitig konnte die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft – der ökologische Landbau – kaum wachsen“, sieht Harald Gülzow ein überdeutliches Warnsignal.

Zum Teil als Trinkwasser genutzt

Die Proben aus der Region Döbeln stammten von Wasser, das zum Teil als Trinkwasser genutzt werde, wie der Projektleiter auf Anfrage erklärte. Die Nutzer seien zwar nicht darauf angewiesen, das Wasser zu trinken. Wenn es sich aber zum Beispiel um Gartenbrunnen handele, würden es die Besitzer zum Kaffeekochen oder zum Zubereiten von Speisen nutzen. „Wenn das Wasser wegen der Überschreitung des Grenzwertes nicht mehr zum Trinken geeignet ist, haben wir die Betroffenen natürlich darauf hingewiesen“, sagt Gülzow, der auch stellvertretender Vorsitzer des Vereins VSR-Gewässerschutz ist.

Doppelt so hohe Werte, wie erlaubt

Die größte Überschreitung sei bei Wasser eines privat genutzten Brunnens in Niederstriegis festgestellt worden, wo der Nitratwert bei 112 Milligramm pro Liter lag. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer in Roßwein mit 86 Milligramm pro Liter (mg/l), in Etzdorf mit 97 mg/l, in Otzdorf mit 71 mg/l, in Waldheim mit 90 mg/l, in Wallbach mit 66 mg/l, in Ebersbach mit 74 mg/l, in Forchheim mit 87 mg/l, in Zaschwitz mit 68 mg/l und in Glaucha mit 70 mg/l fest. Wasser mit solchen Werten sollte nicht mehr getrunken werden. „Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbenen Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen“, erklärt Gülzow. Der Projektleiter weist auch darauf hin, dass mit Nitrat belastetes Grundwasser beim Bewässern zu einer zusätzlichen Düngung führt. Das müsse bei der Berechnung des Stickstoffbedarfs der angebauten Pflanzen berücksichtigt werden. Der Projektleiter: „Nur so kann eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung in Gemüse verhindert werden.“

Trinkwasser aus der Leitung unbedenklich

Was das Trinkwasser aus der Leitung, aus dem Wasserhahn, betrifft, hat Harald Gülzow keine unmittelbaren Bedenken. „Die Wasserversorger sind verpflichtet, die vorgeschriebenen Werte einzuhalten. Bei Nitrat darf der Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter nicht überschritten werden und es gibt sogar einen Warnwert von 37,5 Milligramm.“ Trotzdem sei davon auszugehen, dass auch die Wasserversorger steigende Nitratwerte zu spüren bekommen. „In solchen Fällen wird das betreffende Wasser mit Wasser, das niedrigere Werte aufweist vermischt, oder es müssen tiefere Brunnen gebohrt werden oder es erfolgt eine Aufbereitung“, sagt Gülzow.

Lösung wäre mehr ökologischer Landbau

Der Verein VSR-Gewässerschutz begrüßt, dass ökologisch erzeugte Produkte immer stärker gefragt sind. Der ökologische Landbau habe strengere Düngevorschriften als in der Düngeverordnung festgesetzt. Es werde auf den Einsatz von chemisch- synthetischen Stickstoffdünger verzichtet. Und es komme zu weitgehend geschlossenen Nährstoffkreisläufen, da die Zahl der Tiere sich an der Fläche orientiert, die dem Betrieb zur Verfügung steht. Die gestiegene Nachfrage nach ökologischen Erzeugnissen verbessere aber nicht automatisch die Grundwasserqualität in Sachsen. Im Freistaat würden nicht einmal sechs Prozent der landwirtschaftlichen Flächen vom ökologischen Landbau bewirtschaftet. Der große Bedarf wird mit weit transportierten Lebensmitteln gedeckt.

Die DAZ hat das Landratsamt über die schlechten Werte der Döbelner Brunnenwasser-Proben informiert. Sprecher André Kaiser erklärte, dass sich das Gesundheitsamt jetzt damit befasst. Über eine Reaktion der Behörde berichtet die DAZ an dieser Stelle.

Von Olaf Büchel

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