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Zwei ?Schweinehunde? hüten Ferkel

Zwei ?Schweinehunde? hüten Ferkel

Freud und Leid liegen auf dem Hof der Familie Schneider derzeit eng beieinander: Die Schweine haben Nachwuchs, sehr zur Freude der Hofhunde. Dagegen herrscht Trauer um zwei Kühe der urwüchsigen Rasse "europäisches Wildrind".

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Wenn Antonia Schneider zu Frau Sau mit ihrem Nachwuchs geht, kommen Rumo (links) und Jack-Russel Anton manchmal mit. An dem Besuch der Hunde nehmen weder Mama Schwein noch die Ferkel Anstoß. Ganz im Gegenteil...

Quelle: Dirk Wurzel

Was die Tiere tötete, ermittelt derzeit das Landratsamt Mittelsachsen.

 

Die Aufgaben auf dem Stadtgut sind klar verteilt: Peggy Schneider kümmert sich um die Tierproduktion, ihr Mann René um die Bestellung der etwa 50 Hektar großen Ackerfläche, also um die Pflanzenproduktion. Tochter Antonia hilft fleißig mit. Zum Tierbestand gehören etliche Kühe, Bullen und Kälber, die sehr urwüchsig aussehen. Die Tiere sind sogenannte Heckrinder, eine Rasse, welche die Gebrüder Heinz und Lutz Heck in den 1920er Jahren züchteten. Mit dem Ziel, eine Rasse zu kreieren, deren Vertreter dem Wildrind ähnlich sehen.

 

Auch nicht grade gewöhnlich sehen Familie Schneiders Schweine aus. "Das sind Sattelschweine", sagt Peggy Schneider. Die Tiere verdanken ihren Namen dem Aussehen: Hintern und Kopf sind schwarz, dazwischen sind die Tiere wie gewöhnliche Vertreter ihrer Art gefärbt.

 

Die etwa 50 Schweine auf dem Stadtgut gehören zu einer alten deutschen Haustierrasse. "Für Schnellmast sind diese Schweine nicht geeignet. Da würden sie nur Fett ansetzen und keine Muskeln", erläutert René Schneider, der gelernter Schäfer ist und mit seiner Familie seit zwei Jahren im Stadtgut lebt. Sattelschweine sind nach zehn bis zwölf Monaten schlachtreif, normale Mastschweine zwei bis vier Monate früher. An die Männer mit den Bolzenschussgeräten und den scharfen Messern mag niemand denken, der derzeit durch den Stall mit den geräumigen, mit Stroh eingestreuten Boxen läuft und die kleinen Ferkel sieht, die es an Mamas Zitzen zieht. Und dazwischen wuselt ein Hund. Denn wenn Jack-Russel-Terrier Anton sein Frauchen beim Füttern begleitet, schlüpft er in Boxen und inspiziert Frau Schweins Nachwuchs. Die kleinen und großen Ringelschwanzträger reagieren nicht abweisend auf den Besuch. Auch der große Hund Rumo der Familie versteht sich prächtig mit den Schweinen. Dieser Hauswolf sieht einem Bären nicht unähnlich und ist ein Kaukasischer Owtscharka, ein großer Herdenbegleithund. "Nur unseren Hütepudel können wir nicht zu den Schweinen lassen, weil er einen sehr starken Hütetrieb hat", sagt René Schneider. Der kleine Kerl würde in seiner Ordnungsliebe auch mal einem Ferkel in den Hinterlauf zwicken und das bedeutet Bambule im Stall, die eigentlich keiner will.

 

Aufregung hatte die Familie schon genug, nämlich am Wochenende vor Ostern. "Eine Kuh war gestorben und wir konnten sie leider nicht abtransportieren", sagt Peggy Schneider. Darum deckte sie ihr Mann mit einer Plane ab. Eine weitere Kuh ging an diesem Tag ebenfalls ein und blieb liegen. Morgens um zwei weckte dann die Polizei die Schneiders. Ein aufmerksamer Mitbürger hatte die Ordnungshüter wegen der toten Kühe wohl gerufen. Peggy Schneider, die den Verlust der Tiere natürlich bedauert, weist darauf hin, dass diese Rinderrasse am liebsten draußen ist, im Sommer wie im Winter. Auch die Kälber gehören nicht zu den Stubenhockern. Weil dem Veterinäramt des Kreises ein Kalb zu mickrig vorkam, schickte es dieses in den Stall. "Bei dem ersten Vorort-Termin wurden Sofortmaßnahmen angewiesen, wie unter anderem die sofortige Aufstallung des Kalbes und seiner Mutter", teilt André Kaiser, Pressesprecher des Landratsamtes Mittelsachsen mit. Die verendeten Tiere landeten nach seinen Worten auf dem Sektionstisch. "Zu nachfolgenden Auflagen und dem weiteren Vorgehen möchten wir uns auf Grund eines laufenden Verfahrens nicht äußern", so Kaiser weiter.

 

Unzufrieden, klapprig vor Hunger oder Kälte sehen die großen und kleinen Rinder auf Schneiders Koppel jedenfalls nicht aus. Still stehen sie auf der Koppel und mümmeln an einem großen Heuhaufen. Während drinnen im Stall die Sauen ihre Ferkel stillen. Bis morgens um zwei saß Peggy Schneider am Wurftag bei den Schweinen, um Geburtshilfe zu leisten. "Ich war glücklich und zufrieden, als alle Ferkel gesund auf der Welt waren", sagt sie.

Dirk Wurzel

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