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Döbeln Zwischen Abriss und Anzucht am Weinberg
Region Döbeln Zwischen Abriss und Anzucht am Weinberg
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00:37 13.04.2018
Jonny Schultheiß hat in seinem selbstgebauten Hochbeet die ersten Pflänzchen zu bemuttern. Es gibt noch viel zu tun im Gemüsegarten. Quelle: Fotos: M. Engelmann
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Rosswein

Die Sonne lockt den Kleingärtner in sein Kleinod. Auch in Roßweins größter Sparte Am Weinberg erwachen die Gärten nach dem langen Winter langsam aber sicher wieder zum Leben. Während auf den meisten Flächen Grünzeug angebaut wird, stehen andere im Zeichen des Niedergangs. Abbruch ist auch ein Thema Am Weinberg. Weil zu viele Gärten leer stehen und sich kaum genug neue Pächter finden, hat sich der Verein schon länger dazu entschieden, Gärten zurückzubauen. Am Sonnabend lief der bisher größte Einsatz, bei dem die Mitglieder drei Lauben von Hand eingerissen haben.

Die Erdbeeren sehen in diesem Frühjahr nicht dolle aus, seufzt Ulla Hawerda. „Die hat es mächtig ausgewintert.“ Lang war der Winter und hart. Dazu kein Schnee. Die Sitzecke auf ihrem etwa 500 Quadratmeter großen Gelände ist schon wieder flott gemacht. „Jetzt hacke ich als nächstes die Rabatten, damit die Luft bekommen.“

In der Gartenanlage kennengelernt

Dass die Erdbeer-Ernte in diesem Jahr mager ausfallen könnte, befürchtet auch Sabine Blass, wenn sie auf ihr Beet schaut. Und auch den Rosen hat der Winter den Neustart in den Frühling vermiest. „Viel ist noch nicht geworden, wir haben ja gerade erst angefangen“, sagt sie und lacht in die Sonne. Gemeinsam mit Jonny Schultheiß wirbelt sie in einem der beiden Gärten, die sie als Paar bewirtschaften. Kennengelernt haben sie sich auch hier, vor einem Jahr, auf dem Gartenweg. Nach ihrer Rückkehr nach Roßwein wollte Sabine Blass unbedingt wieder etwas Grünes um sich. Jonny Schultheiß hat goldene Hände, seine Freundin ist gelernte Gärtnerin.

Heute ist Arbeitseinsatz im Gemüsegarten. Die beiden selbstgebauten Hochbeete sind schon bestückt – Kohlrabi und Salat haben es warm in einem, Brokkoli, Sellerie und Eisbergsalat im anderen. „Und wir haben auf Heidelbeeren umgestellt“, erzählt Jonny Schultheiß und zeigt stolz die Sträucher. „Sind sehr gesund!“ Er ist gerade dabei mit einer benzinbetriebenen Gartenharke die Erde in einem seiner großen Beete aufzulockern. „Es soll Gewitter kommen, den Regen wollen wir gleich mitnehmen.“ Stangen- und Buschbohnen kommen dann auf diese Fläche, Gurken und Gladiolen auf eine weitere. „Und Möhrchen und Schwarzwurzel“, wirft Sabine Blass ein. Ihr Garten, den sie vor einem Jahr am Weinberg gepachtet hat, soll hingegen ein reiner Blumengarten werden, ergänzt von frisch gesetzten Obstbäumen und exotischen Erdbeeren. Zusammen mit der neu gebauten Laube die Ruhe-Oase der beiden.

Zwölf Gärten mit Laube stehen leer

Am letzten Samstag konnte von Ruhe in der sonst so friedlichen Anlage keine Rede sein. Die leerstehenden Gärten in Weg 5 werden dem Erdboden gleich gemacht, bevor mit der Rekultivierung begonnen werden kann. Über 200 Arbeitsstunden haben die Kleingärtner Am Weinberg schon in den Rückbau gesteckt. Bis Ende April, hofft Vereinschef Klaus-Dieter Hawerda, sind die jetzt schon säuberlich getrennten Haufen übrig gebliebenen Mülls entsorgt. Dann soll auf der Fläche ein Sonnenblumenfeld entstehen. Gefördert wird die Aktion über den Kleinprojektepool des Landkreises Mittelsachsen. Auch die Anlagen an den Wegen 7 und 8 werden perspektivisch zurückgebaut. Viele Gärten stehen leer, viele Mitglieder sind um die 70, 80 Jahre alt und schaffen die Bewirtschaftung nicht mehr. Junge Leute sind die Minderheit in der Anlage, auch, wenn sich immer mal wieder ein paar für einen Schrebergarten entscheiden. „Zwei Familien haben wir in diesem Jahr dazu bekommen“, sagt Klaus-Dieter Hawerda. Trotzdem stehen zwölf Gärten leer, auf allen ist eine Laube.

Nachbarschaftshilfe ist selbstverständlich

Margitta Schmidt hat vor einem Jahr einen Garten übernommen. Aus Hainichen ist sie nach Roßwein zum Sohn gezogen, nachdem ihr Mann verstorben ist. Hier wohnt sie im Neubau um die Ecke. „Ich hatte über 30 Jahre einen Garten, das wollte ich wieder, sagt sie und strahlt. Stolz zeigt sie ihre Laube, die sie aufgebaut hat. Die Beete sehen auch schon gut aus. Der Zaun muss noch in Angriff genommen werden. Aber auch da gibt es – wie bei vielen anderen Dingen – Unterstützung aus der Kleingärtnergemeinschaft. Jonny Schultheiß hat schließlich goldene Hände.

Von Manuela Engelmann

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