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Döbeln Zwischenstopp hilft aus der Sucht
Region Döbeln Zwischenstopp hilft aus der Sucht
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20:53 26.10.2018
Der Zollstock für das richtige Maß: Jörg Höllmüller (4.v.r.), 2. Beigeordneter des Landrates, hatte die „Schmiechen“ als Gastgeschenk mit nach Bockelwitz gebracht. Hier engagiert sich der Verein Bockelwitz Nr. 3 für Jugendliche mit Suchtproblemen. Gütnher Schmidt (l.), Annett Voigtländer (2.v.l) sowie Ortsvorsteher Michael Heckel (vorn) sind Mitglieder in diesem Verein. Die Diakonie unter der Leitung von Thomas Schmidt (3.v.l) ist der Träger des Projektes, Dr. Ulrike Ernst (5.v.l), Psychiaterin und Psychotherapeutin in der Klinik Hochweitzschen betreut die Bewohner auf ihrer Station medizinisch-psychologisch. Quelle: Foto: Dirk Wurzel
Döbeln

Der Tag beginnt früh. Ausschlafen ist nicht drin für die acht Bewohner des Vierseithofes Bockelwitz Nr. 3. Um 6.30 Uhr stehen die jungen Männer auf. „Dann fahren sie mit dem Bus nach Döbeln auf Arbeit, kommen 12 Uhr zurück. Struktur ist für unsere Bewohner wichtig“, sagt Michael Köste, der die suchtkranken jungen Leute als Ergotherapeut betreut, die in Bockelwitz einen Zwischenstopp einlegen. Damit sie im Zeitraum zwischen Entgiftung und Langzeittherapie nicht in ein Loch und in Sucht und möglicherweise auch Kriminalität zurückfallen. Ein Mittzwanziger, dessen Zwischenstopp fünf Monate dauert und der bald die ersehnte Langzeittherapie antreten kann, präsentierte das Leben auf dem Hof in einem Rap. Am Freitag hatte der Zwischenstopp zum Tag der offenen Tür geladen für den einige der derzeit acht Bewohner Kuchen gebacken hatten und der Mittzwanziger den Besuchern das Projekt mit seinem selbst getexteten Sprechgesang vorstellte. Darin ging es um den Tagesablauf und die Probleme – ohne Schwarzmalerei. „Eene roochen“ nach dem Essen kam in dem Song auch vor.

Rückfall therapeutisch aufarbeiten

Rauchen dürfen sie noch. Aber alle anderen illegalen und legalen Drogen, wie Alkohol, sind tabu. In der Einrichtung gibt es unangekündigte Drogentests und einmal in der Woche checken die Ärzte des Fachkrankenhauses „Bethanien“ in Hochweitzschen die Bewohner durch. „Wir sehen sie so einmal in der Woche und sind auch so ständig informiert“, sagt Dr. Ulrike Ernst, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Hochweitzschener Klinik. Die Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern und Ergotherapeuten in Bockelwitz ist engmaschig. Und gibt es auch Rückfälle? Ja, sagt Dr. Ernst. 39 Bewohner haben den Zwischenstopp bisher durchlaufen, zwei sind in dieser Zeit rückfällig geworden. Wobei das nicht zwangsläufig zum Rauswurf führt. Meistens lässt sich der Rückfall therapeutisch aufarbeiten. „Es geht um den Erkenntnisgewinn. Der bringt auch den anderen in der Gruppe etwas“, sagt die Psychiaterin und Psychotherapeutin. Unverbesserliche und Uneinsichtige fliegen aber wohl aus dem Projekt.

Projekt muss weitergehen

Das ist einmalig in Sachsen. Das Geld dafür kommt vom Freistaat Sachsen und dem Landkreis Mittelsachsen. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit bringen sich die Mitglieder des Vereins Bockelwitz Nr. 3 ein. Die Diakonie Döbeln ist Träger des „Zwischenstopps“. Diakonie-Geschäftsführer Thomas Schmidt spricht gegenüber der DAZ das wichtige Thema der Finanzierung an, über die von Jahr zu Jahr befunden wird. „Das ist ein wahnsinnig interessantes Projekt, das wir fortsetzen müssen.“ Dazu braucht es beim Thema Geld aber längerfristige Perspektiven. So kann es schon mal passieren, das Sozialarbeiter wegen befristeter Verträge weggehen. Das führte bereits zu einem Personal-Engpass, aber zum Glück half Bethanien aus. Jörg Höllmüller (CDU), zweiter Beigeordneter des Landrates und zuständig für Soziales, gefällt das Projekt Zwischenstopp. Einmal im Jahr schaut er sich selbst vor Ort um. Am Freitag war er selbstverständlich auch da. „Das letzte Mal habe ich einen Glückskeks von den Bewohnern bekommen und im Auto vergessen. Das Auto hat es nicht vergessen, seither fahre ich unfallfrei“, würzte er seine kurze Ansprache mit einer Anekdote.

Kommentar: Unsicherheit tut Projekt nicht gut

Absolut notwendig sind Betreuungsprojekte wie der „Zwischenstopp“ in Bockelwitz. Suchtkranke, die aus der Entgiftung kommen, brauchen medizinische und psychologische Betreuung und eine Tagesstruktur, bis die Langzeittherapie beginnt. Sonst fallen sie ganz schnell in alte Gewohnheiten zurück: trinken, nehmen Drogen, begehen Straftaten. Solche Verhaltensweisen führen zwangsläufig hinter Gitter oder auf den Friedhof. Beides sind keine gute Alternativen. Darum ist es wichtig, die jungen Leute mit problematischen Lebensläufen im geschützten „Zwischenstopp“ aufzunehmen. Damit die Zeit zwischen medizinischer Entgiftung und Psychotherapie nicht zurück in alte, schädliche Lebensgewohnheiten führt. Bockelwitz Nr. 3 ist dafür das geeignete Angebot. Ein strukturierter Tagesablauf, kreative und nützliche Betätigung, engmaschige psychologisch-medizinische Betreuung. Nur eben muss das auch bezahlt werden. Und in diesem Zusammenhang ist eine Finanzierung nötig, die sich nicht von Jahr zu Jahr ergibt, an viele Anträge gebunden ist. Das bringt Unsicherheit, die dem Projekt nicht gut tut. Dirk Wurzel

Von Dirk Wurzel

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