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Region Dürrefolgen: Sprottaer Landwirte rechnen mit 150 000 Euro Verlust
Region Dürrefolgen: Sprottaer Landwirte rechnen mit 150 000 Euro Verlust
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20:00 25.10.2018
Staubtrocken: Karsten Ittner zeigt Auswirkungen der Dürre auf einem der Felder der Agrargenossenschaft Heideglück. Bei Sprotta sät die Drillmaschine Raps raus – trotz der Trockenheit. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
Sprotta

Rund 1000 Hektar Land bewirtschaften die Agrargenossenschaft Heideglück und ihr Tochterunternehmen, das Agrargut Wöllnau. Letzteres ist ein reiner Markfruchtbetrieb. Die Sprottaer Landwirte gehören mit ihren 22 Mitarbeitern, der Hektargröße, der Haltung von rund 300 Milchkühen und deren Nachzucht sowie einer Herde mit rund 600 Schafen zu den Durchschnittsbetrieben im Landkreis Nordsachsen. „Betrachtet man den Osten allerdings insgesamt, dann zählen wir zu den kleinen Betrieben“, erklärt Karsten Ittner. Der 55-jährige diplomierte Landwirt steht als Vorstand gemeinsam mit Klaus Persdorf an der Spitze des Agrarunternehmens.

150 000 Euro Einbußen befürchtet

Obwohl die Rübenernte noch nicht abgeschlossen ist, rechnet Ittner schon jetzt mit Verlusten von rund 150 000 Euro durch die Hitze und den fehlenden Regen in diesem Jahr. „Bis zu 70 Prozent beträgt der Verlust bei mancher unserer Kulturen. Bei Mais haben wir statt sonst 250 bis 300 Dezitonnen nur 70 Dezitonnen ernten können“, nennt er Fakten. Mais, der wichtig ist für die Tierhaltung. Die fehlende Differenz, so Ittner, muss das Unternehmen zukaufen. „Wir haben deshalb schon früh mit Futterzukäufen angefangen“, nennt der Vorstand eine der Folgen. Doch die Preise für Mais, Getreide sind 2018 längst gestiegen. Auch die für Futterkonzentrate, in denen Mais oder Getreide zum Beispiel enthalten sind. Und, man dürfe nicht nur die Preise allgemein betrachten. Hinzu kämen ja auch zusätzliche Aufwendungen für den Transport, die eingesetzten Mitarbeiter. „Wir mussten zum Beispiel bis kurz vor Leipzig fahren“, erklärt der Vorstand. Und auf 200 Hektar wurde der Anbau von Zwischenfrüchten erweitert.

Teurer werde es auch, die eigene Biogasanlage zu betreiben. Hier sind auf der einen Seite die Stromerlöse zu sehen. Doch auch Wärme werde erzeugt. Im Rahmen eines Nahwärmenetzes werden so nicht nur eigene Räume beheizt, sondern auch 20 Wohnungseinheiten. Verpflichtungen, die wie auch andere Lieferverträge eingehalten werden müssen.

Bringen Anträge auf Dürrehilfe etwas?

Werden sie Anträge auf Dürrehilfe für ihre Betriebe stellen? „Beantragen werden wir, aber ob wir auch darunter fallen? Da bin ich skeptisch“, so der Landwirt. Grundlage sei hier eine gesamtbetriebswirtschaftliche Betrachtung. Die Daten der vorangegangenen Jahre würden greifen. „2015 und 2016 hatten wir die Milchkrise mit nicht zu unterschätzenden Auswirkungen. 2017 war ein normales Jahr.“ Das spiegelte sich in den Bilanzen wieder, die nun in die Antragstellung einfließen. Zudem, so der Fachmann, seien in den verschiedenen Regionen Sachsens die Ausfälle durch die Dürre unterschiedlich. Sachsenweit betragen sie im Durchschnitt 20 Prozent, in Nordsachsen – dem am meisten von der Dürre in Sachsen betroffenen Landkreis – circa 50 Prozent, manchmal auch mehr, so Ittner.

Gesellschafter müssen Vermögen offenlegen

Bei der Antragstellung müssten zudem die einzelnen Gesellschafter der Unternehmen, wenn sie mehr als zehn Prozent Anteile besitzen, ihr Vermögen offen legen. Das sei eine eingebaute Hürde. Der Sprottaer mutmaßt, dass diese von manchem schwer zu nehmen ist. Karsten Ittner würde es für klüger befinden, eine Art Zuschuss zum Ankauf von Futter auszuzahlen und dann in Ruhe weitere Mittel in die betroffenen Regionen entsprechend der Situation vor Ort zu geben, um diese dort unkompliziert auszuzahlen. Denn auf Grund der gesamten Lage kann sich Ittner vorstellen, dass bei dem einen oder anderen die Dürreauswirkungen auch zu Liquiditätsproblemen führen könnten.

Der erfahrene Landwirt vermutet, dass dies in einzelnen Betrieben nicht ohne Auswirkungen bleibt. Kein Futter, kein Geld zum Kauf führe zur Tierreduzierrung. Wirtschaftskreisläufe der Landwirtschaft könnten so auch auf andere Teile der Wirtschaft, für den Verbraucher sich negativ auswirken. Pessimist sein will Karsten Ittner nicht. Die Landwirtschaft, so sagt er, hat schon oft wirklich schwierige Zeiten meistern müssen.

Von Bärbel Schumann

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