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25 Jahre Tiernotrettung: Polizei ehrt Familie Wolf

25 Jahre Tiernotrettung: Polizei ehrt Familie Wolf

Ein April-Tag in Rödgen. Ein Unfall reißt die Anwohner aus der vorösterlichen Idylle. Ein Auto liegt auf dem Dach, der Fahrer hat nicht überlebt. Zur Rettungsarbeit gehört diesmal die Alarmierung des Tierrettungsdienstes.

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Eilenburgs Revierchef Bernd Klose ehrt Waltraute und Gerhard Wolf.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Eilenburg. Im Kofferraum des Wagens harrt ein Golden Retriever aus. Wenig später ist Gerhard Wolf da, befreit mit der Polizei den Vierbeiner, der völlig verstört ist, und bringt ihn ins Tierheim.

Katze biss Finger ab

Anrufe dieser Art erreichen Wolf und dessen Frau Waltraute regelmäßig. Diesmal war es ein lauer Frühabend. Doch Bernd Klose, Leiter des Polizeireviers Eilenburg, betont, dass die Wolfs immer ansprechbar seien. Und das seit 25 Jahren. "365 Tage im Jahr sind sie für die Tierrettung da, ehrenamtlich. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen." Eine solche Einsatzbereitschaft sucht in der Region ihresgleichen. Dieser Tage dankte der Revier-Chef dem Rentner-Paar mit einem Geschenkkorb. Wer die Wolfs kennt, weiß, der Ehrungen wegen machen sie das nicht. "Wir wollen keinen Dank. Tiere sind unser Leben", sagt Waltraute Wolf. Trotzdem freuen sie sich, wenn sie merken, dass nicht alles als selbstverständlich gesehen wird.

Bei Bränden, Unfällen, Wohnungsräumungen - immer dann, wenn Tiere betroffen sind, werden sie gerufen. Die Wolfs könnten ein Buch füllen. Es habe, so die 66-Jährige, keine Situation gegeben, in der sie nicht helfen konnte. Darunter allerdings eine, bei der sie einen großen Fehler machte. Als sie versuchte, eine Katze zu fangen, biss diese zu. Waltraute Wolf büßte den Zeigefinger der rechten Hand ein. Es blieb zum Glück der einzige, wenn auch tragische Zwischenfall. Sie selbst gehe immer mit Respekt vor, aber nicht mit Angst. "Ich schaue mir das Tier an, wie es reagiert. Entweder gehe ich forsch ran oder ich bequatsche es." Ihre Strategie hat mittlerweile zu einer interessanten Arbeitsteilung geführt. "Wenn es um einen Hund geht, frage ich, ob es ein kleiner oder großer ist", erzählt Gerhard Wolf. Der große ist Frauensache. "In Noitzsch war ein Rottweiler an einen Mast gebunden. Das Tier kläffte und biss um sich. Meine Frau nahm die Leine raus, sagte 'Na, mein Guter', und schon war er ruhig", wundert sich Wolf immer wieder über den Wagemut. Reptilien sind sein Ding. Gut in Erinnerung ist ein Fall in Rödgen, als nach einem Brand mehrere Echsen, Schlangen und Schildkröten gerettet werden mussten. Doch manchmal gerät auch der Fachmann an die Grenzen des für ihn Fassbaren. An der Autobahn Richtung Weißenfels sei eine Giftschlange gefunden worden, hieß es. Vor Ort traf er auf zwei Polizeibeamte, die einen Kochtopf trugen und sich weigerten, den Deckel anzuheben. Der eine hatte seinen Arm mit einem Lederhandschuh geschützt, der andere den Finger am Abzug seiner Dienstpistole. "Ich habe gesagt, macht endlich den Deckel auf. Und da musste ich lachen. Es war ganz klar eine Ringelnatter.

Auf die Polizei lassen die beiden aber nichts kommen. Die Zusammenarbeit mit den Eilenburger und Torgauer Kollegen sei gut. "Da haben wir genauso Dank zu sagen", so Gerhard Wolf. Einmal sei eine Katze in ein Schlageisen geraten und trotz des eingeklemmten Beins in einen Schuppen unter einen Gerümpelhaufen geflüchtet. Da habe die Polizei mit angepackt.

Probleme an Teichen

Gezählt haben die Wolfs ihre Einsätze nicht. Selbst wenn der Hilferuf von weiter herkommt, hören sie nicht weg, wägen aber auch schon mal Aufwand und Nutzen ab. Letztlich ist alles eine Frage des Geldes. Und ohne die Hilfe der Tierschutzorganisation Terra Mater oder großzügiger Spenden sei vieles nicht möglich. Umso mehr ärgert sie, wenn Unvernunft im Spiel ist. "Wir haben immer wieder Probleme an Teichen, wenn sich Schwäne in liegengelassenen Angelschnüren verheddern."

Auf weiter Flur sind die Wolfs die einzigen, die diesen Enthusiasmus an den Tag legen. Noch fühlen sie sich fit, wollen die 30 Jahre voll machen. Und dann? "Wir hoffen, das sich jemand findet, der unser Werk weiterführt."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.10.2014
Von Kathrin Kabelitz

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