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Eilenburg 29-Jähriger muss wegen sexuellen Übergriffs sechs Monate ins Gefängnis
Region Eilenburg 29-Jähriger muss wegen sexuellen Übergriffs sechs Monate ins Gefängnis
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11:28 17.07.2017
Das Eilenburger Amtsgericht urteilte wegen eines sexuellen Übergriffs. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Eilenburg

Richterin Petra Wendtland hatte dem Angeklagten, den sie wegen sexuellen Übergriffes schuldig befunden hatte, noch einiges mit auf den Weg zu geben: „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie nun so viel Intelligenz haben, sich zu sagen: Jetzt muss ich mich einkriegen.“ So, wie Jason S. (Name geändert) bisher Familie, Freunde und Unterstützer behandle, gehe es nicht. Über kurz oder lang werde er völlig alleine dastehen. Richterin Wendtland stellte bei dem Prozess vor dem Eilenburger Amtsgericht auch klar, hier wurde nicht um die „große Kriminalität“ verhandelt. „Aber Sie haben die Situation ausgenutzt, noch dazu in der Wohnung Ihrer Freundin, einem geschützten Raum. Das hier ist kein minderschwerer Fall.“

Übergriff

Was war geschehen? Am 28. Dezember soll sich der 29-jährige Angeklagte schon in den frühen Morgenstunden an der Wohnung seiner 25-jährigen Freundin Alice M., die sich in dieser Zeit allerdings von ihm getrennt hatte, mit Rufen und mit Klopfen am Außenrollo bemerkbar gemacht haben. Die junge Frau sollte ihn hereinlassen. Das beunruhigte nicht allein Alice M., sondern weckte auch deren kleine Tochter.

Alice M. schrieb ihm daraufhin per Handy, dass er das lassen soll. Doch dann klingelte es gegen 7 Uhr. Er wolle sie wiederhaben, aber auch Kaffee trinken. Alice M. ließ Jason S. nun einen Zettel schreiben, dass er sie in Ruhe lässt. Doch schon gegen Mittag war er wieder da. Er musste seine Wäsche waschen. Kein Problem, fand die junge Frau. T-Shirt und Shorts seien noch dagewesen. Der Vorschlag, dass er auch duschen sollte, weil er verschmutz war und nicht gut roch, kam sogar von ihr.

Als er aus dem Bad kam, hatte er allerdings keine Bekleidung an. Die 25-Jährige war gerade dabei, am Couchtisch aufzuräumen, hockte auf dem Boden, als er sie nackt bedrängte, versuchte, sie zu küssen, rumzukriegen. Ihr Nein wurde erst einmal nicht akzeptiert. Als doch nichts ging, befriedigte sich Jason S. auf der Couch selbst und verließ die Wohnung, als die Sachen halbwegs trocken waren. So berichtete es die junge Frau in der Verhandlung noch einmal vor der Richterin.

Freunde und Eltern waren als Zeugen geladen und wurden über mehrere Stunden vernommen, um der Glaubhaftigkeit der Aussagen nachzugehen. War der Angeklagte am 28. Dezember überhaupt in der Wohnung seiner Ex-Freundin gewesen? Er selbst hatte das geleugnet.

Grenze überschritten

Für die junge Frau war mit dem Vorfall eine Grenze überschritten und auf den Rat einer Bekannten hin hatte sie Jason S. angezeigt. Trotzdem kam aber auch das bei der Vernehmung zutage: Die beiden hatten von Januar bis in den März erneut eine Beziehung – und dabei auch immer wieder Streit. Danach hatte die Betroffene zwar einen neuen Freund, ließ aber den Angeklagten nach einem Vorfall, bei dem er bedroht wurde, ab Ende März bis zum Zeitpunkt der Verhandlung in ihrer Wohnung wohnen. „Weil dort der Hase zu versorgen war“, deutet er an. „Weil er völlig mittellos dastand, und weil ich niemanden hängen lasse“, sagte sie, die derzeit mit ihrem Kind beim neuen Freund wohnt. Jason S. habe auch versprochen, bis zum 1. Juni auszuziehen, dann bis zum 1. Juli. „Und wahrscheinlich ist er auch am 1. August noch da, wenn nichts passiert“, merkte die Staatsanwältin kopfschüttelnd an. Warum Alice M. ihm immer wieder geholfen habe, wurde gefragt. Weil sie ihn doch nun mal geliebt habe, beteuerte die Zeugin unter Tränen.

Eltern bestohlen

Dabei steht für den Angeklagten bereits eine mehrmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt ist, an. Im März verurteilte ihn das Eilenburger Amtsgericht wegen Diebstahls und Computerbetrugs. Während seine Eltern im Urlaub waren, hatte er deren Kreditkarte, die in einem Safe lag, an sich genommen. Er hatte auch die PIN gesucht und gefunden – und dann in mehreren Tranchen insgesamt 900 Euro vom Konto abgehoben. Einer der Hauptgründe: Spielsucht. Eine weitere Auflage nach der damaligen Gerichtsverhandlung waren Schadenersatzzahlung an die Eltern in 50-Euro-Monatsraten. Sobald er einen Job hat. Doch bisher ist der Lageristik-Facharbeiter immer noch arbeitslos, lebt von den Hartz-IV-Bezügen.

Die Richterin vermerkte auch, dass der Angeklagte offenbar einen seiner Freunde als Zeugen ausgenutzt und zur Falschaussage veranlasst hatte. So sollten Zweifel am Zeitpunkt und damit an der Glaubwürdigkeit der Aussagen der jungen Frau gestreut werden.

Bewährung

Während die Staatsanwältin eine Verurteilung wegen des sexuellen Übergriffs gefordert hatte, beantragte die Anwältin, den Angeklagten freizusprechen.

„Bisher gab es solche Urteile kaum. Nach Köln hat sich da nochmals einiges verändert“, spielte Richterin Wendtland schließlich auf die Gesetzgebung nach den Vorgängen vor dem Kölner Dom in der Silvesternacht 2015/16 an. Wer solcher Handlungen schuldig befunden wird, wird nun mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten belegt. Doch solch ein Tatbestand, auch das wurde im Umfeld der Verhandlung diskutiert, sei schon vorher strafbar gewesen.

Die beiden Einzelfreiheitsstrafen werden zu einer zusammengeführt. Sie beträgt nun zehn Monate Haft, die aber auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. 100 Stunden gemeinnützige Arbeit sind zu leisten. Gegen das Urteil kann innerhalb einer Woche Berufung eingelegt werden.

Von Heike Liesaus

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