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62-Jähriger wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt

Amtsgericht Eilenburg 62-Jähriger wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie verurteilt

Er hat die Aufnahmen nicht selbst gemacht, aber die Bilder und Videos, die Kinder bei sexuellen Handlungen darstellen, massenweise aus dem Netz geladen. Das Amtsgericht Eilenburg verurteilte jetzt einen 62-jährigen Mann aus Schkeuditz zu einer Haftstrafe auf Bewährung.

Polizeibeamte recherchieren nach Kinderpornografie im Internet.

Quelle: dpa

Eilenburg. Allein die Dateinamen von Videos und Bildersammlungen, die die Staatsanwältin verlas, ließen die Dimensionen erahnen: Es ging um Kinder, es ging um Sexualpraktiken. Da tauchen Hinweise auf den Ort der Erstellung wie „asian“, „russian“ oder „corea“ auf. Und da wurde teils schon über diese Namen deutlich, dass nichts Harmloses passierte, weil Stichwörter wie „ sado-maso“ oder „slave“ eine Rolle spielten. Es waren Tausende einschlägiger Bilder und Hunderte Videos, wegen die sich ein 62-jähriger Mann aus Schkeuditz dieser Tage vor dem Eilenburger Amtsgericht verantworten musste. Er hat sie zwar nicht erstellt, aber mehrere Monate lang massenweise auf seinen PC heruntergeladen und verbreitet.

Verteidiger Malte Heise verlas eine Erklärung des Angeklagten: Die ihm zur Last gelegten Handlungen werden von ihm im vollen Umfang eingestanden. Die Anklage gebe das Geschehene richtig wieder. Das heißt: Es musste nicht erst ein Sachverständiger zu Rate gezogen werden, um das Ganze zu bewerten.

Der Angeklagte lebe seit 15 Jahren getrennt, entsprechend ohne Sexualität. Seit fünf Jahren beziehe der frühere Traktoren- und Landmaschinen-Schlosser Hartz-IV-Leistungen, erläuterte der Rechtsanwalt. Das Tauschprogramm habe keinen direkten Kontakt zu anderen Empfängern hergestellt. Er habe es sich zuerst nur deshalb auf seinen PC heruntergeladen, um Musik und Filme zu beziehen. Irgendwann habe er sich jedoch auf die falschen Seiten begeben. Das Betrachten der kinderpornografischen Bilder und Filme habe sich schließlich zur Sucht entwickelt. Es sei ihm auch nicht klar gewesen, dass andere über das Programm wiederum auf die von ihm geladenen Dateien Zugriff bekommen, diese somit weiter verbreitet werden, erklärte der Angeklagte später. Letztlich sei er heute heilfroh darüber, dass er dank der polizeilichen Ermittlungen aus dem Sucht-Kreislauf herausgebrochen wurde, in dem er gefangen war. Er habe, seitdem sein Computer sichergestellt wurde, kein solches Gerät mehr im Haus. Damit sei er faktisch clean.

Der Neigung zu Kindern sei er sich vorher nicht bewusst gewesen, habe sich nicht zu Kindern hingezogen gefühlt. „Es war schon ein ungutes Gefühl dabei“, beantwortete der 62-Jährige eine entsprechende Frage eines Schöffen. Externe Hilfe habe er sich zwar nicht geholt. „Aber ich habe damit abgeschlossen. Und mir gesagt: Du holst dir keinen Computer mehr.“ Er sei auch nicht so bewandert mit den Interna, um zu sagen, wie die Dateien im PC abgelegt werden. „Haben sie denn etwas dafür bezahlt?“, hakte der zweite Schöffe nach. Der Angeklagte verneinte.

Auf den Schkeuditzer aufmerksam geworden waren Ermittler des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, die die Verbreitung einzelner Dateien beobachten. Im Februar 2013 hatte es dann zuerst die Durchsuchung beim Vermieter der IP-Adressen gegeben, wenig später beim tatsächlichen Nutzer.

Während der Verhandlung wurde auch über die Herausgabe der damals sichergestellten Datenträger gesprochen. Im Haushalt waren insgesamt Speichersticks, Speicherkarten, diverse Digicams und Handys beschlagnahmt worden. Eigentlich war der Angeklagte schon bereit, auf alles zu verzichten, auch wenn sie, wie er erklärte, nicht dazu gedient hatten, Dateien mit strafbaren Inhalten aufzubewahren. Die Fahnder hatten jedoch nicht die Kapazität, um sämtliche Datenträger – es fanden sich über 30 solcher Stücke, die sich über die Jahre angesammelt hatten – auf einschlägige Inhalte zu untersuchen. Doch der Arbeitslose kann nun doch einige der unverdächtigen Stücke zurückbekommen. Eine entsprechende Liste wurde gemeinsam mit Richterin und dem Rechtsanwalt abgeglichen.

Am Ende wurde der Schkeuditzer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt sind. Sein Geständnis wurde strafmildernd bewertet.

Von Heike Liesaus

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