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70 Jahre nach Kriegsende: An Eilenburgs Nikolaikirche bleibt noch viel zu tun

70 Jahre nach Kriegsende: An Eilenburgs Nikolaikirche bleibt noch viel zu tun

Gute Vorbilder sind unterm Turm der Eilenburger Nikolaikirche eingezogen: 45 Tafeln der Ausstellung "Geschützt, gerettet, saniert". Sie sind Mutmacher, denn sie stehen ausgerechnet in einem Raum, der selbst 70 Jahre nach dem Artillerie-Beschuss und der Zerstörung der Eilenburger Innenstadt noch tiefe Wunden zeigt, mit den rohen Ziegelmauern und den Resten der Gewölberippen in den Ecken, die wie abgebrochene Äste aussehen.

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Geschützt, gerettet, saniert" - die Tafeln der Wanderausstellung sind in der Nikolaikirche zu sehen, die einen dicken Sanierungsbrocken vor sich hat.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Nun verdeutlicht die Schau, was aus baufälligen und oftmals unrettbar erscheinenden Herrenhäusern, Kirchen, Schlössern und technischen Denkmalen werden konnte. Und auch die Stadtkirche, von der nach dem Krieg nicht viel mehr als die Außenmauern übrig war, hat dank des Engagements der Eilenburger mittlerweile ihr äußeres Erscheinungsbild mit barocker Turmhaube wiedergewonnen. Selbst der Aufwand für die Glocken im Turm konnte gestemmt werden.

Doch der nächste Schritt auf dem langen Weg wäre der Einbau eines neuen Gewölbes und das ist "ein richtiger Brocken", sagt Ernst Gottlebe vom Förderverein, der sich für den Wiederaufbau Nikolaikirche engagiert. Auch wenn das Ganze in Etappen vonstatten gehen soll: Allein 37 000 sogenannte Gewölbekappensteine und 450 laufende Meter Rippensteine sind in Sonderanfertigung herzustellen. Geschätzte Gesamtkosten des Projekts: zwei Millionen Euro. Zuerst sollen die Seitenteile im großen Kirchenschiff drankommen, dann der Hauptteil in der Mitte. Dabei sind am 570 Jahre alten Bauwerk ständig laufende Reparaturen zu stemmen. Es braucht also immer wieder Mutmacher. Ernst Gottlebe hatte sich deshalb sofort, als er vor knapp einem Jahr in der LVZ davon las, dafür eingesetzt, die Wanderausstellung nach Eilenburg zu bekommen. Entwickelt und erarbeitet wurde sie von Wolfgang Hoquél, der von Anfang der 1980er Jahre bis 2005 oberster Denkmalschützer im Raum Leipzig war und heute Geschäftsführer der Leipziger Kulturstiftung ist. Er habe von 1990 bis 2005 "allein Fördermittelbescheide im Wert von 200 Millionen Euro unterschreiben können", hatte er bei der Eröffnung im Delitzscher Schloss berichtet. Zu DDR-Zeiten standen 300 000 Ostmark pro Jahr zur Verfügung.

In der Reihe der guten Beispiele findet sich auch der Rote Hirsch, in dem das Eilenburger Museum untergebracht ist. Viele werden sich noch daran erinnern: Das historische Gebäude stand 1999 kurz vor dem Abriss. Zu sehen ist ebenso die Oschatzer Kirche St. Egidien. Gerade dieser Tage war der Vorstand des Fördervereins zum Wiederaufbau der Nikolaikirche dort. Nun wird eine Exkursion für alle Mitglieder geplant, berichtet Gottlebe. "Es gibt in der Schau überhaupt viele Objekte mit Bezug zu unserer Kirche." Er deutet auf die Tafel mit der Bornaer Emmaus Kirche. Das Planungsbüro Rolf Seifert, das in Eilenburg unter anderem das Wiederaufsetzen der barocken Turmhaube projektierte, hatte auch die Umsiedlung des Bornaer Gotteshauses begleitet.

Das Eilenburger Museum hat ebenfalls einen Teil der guten Vorbilder in Sachen "Geschützt, gerettet, saniert" abbekommen. Am Sonntag, ab 15 Uhr, soll dieser Bereich im Rahmen der Sonntagsschule vorgestellt werden. Dann wird Wolfgang Hocquél zu Gast sein, der selbst durch die Ausstellung führt. Bis zum 15. Juli macht die Schau Station in der Muldestadt.

Die Nikolaikirche öffnet donnerstags, 10 bis 16 Uhr, (Eingang über Sakristei). Die Schau ist zudem sonntags, von 11 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, zu besichtigen. Das Stadtmuseum, Torgauer Straße 40, hat dienstags bis freitags ,von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, sonntags, von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2015
Heike Liesaus

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