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Am Pfingstmontag lädt Eilenburgs letzte Mühle zum Besuch ein

Deutscher Mühlentag Am Pfingstmontag lädt Eilenburgs letzte Mühle zum Besuch ein

Einst hatte Eilenburg zwölf Mühlen – geblieben ist mit Bechers Mühle nur eine. Und diese ist wie weitere 16 technischen Denkmale in der Region zum 24. Deutschen Mühlentag geöffnet. In der Muldestadt kommen die Gäste in einen seltenen Genuss, im letzten halben Jahrhundert ist die Mühle erst das zweite Mal öffentlich zugänglich.

Doreen Selent zeigt die alte Technik in Bechers Mühle.

Quelle: Wolfgang Sens

eilenburg. Alles über die technischen Finessen und Details der Mühlentechnik mögen Doreen und Reinhard Selent vielleicht noch nicht perfekt beherrschen. Macht nichts. Gästeführer Hans-Jürgen Kuschel vom Verein Mühlenregion Nordsachsen ist am Pfingstmontag zur Unterstützung da, wenn Bechers Mühle am Ortseingang von Eilenburg anlässlich des Deutschen Mühlentages nach vielen Jahren wieder zugänglich sein wird.

2011, anlässlich der 1050-Jahr-Feier Eilenburgs, war die Turmwindmühle, die 1862 von Mühlenbaumeister Bierbaum errichtet wurde, zuletzt offen – erstmals nach über einem halben Jahrhundert. Müller August Becher hatte das Grundstück einst erworben und der Eilenburgerin Elfriede Klinger übereignet. Roggen- und Weizenmehle, Schrot fürs Vieh, Graupen, Haferflocken und Grieß wurden dort über Jahrzehnte hergestellt.

Mühle als großes Hobby

Bis Anfang der 1960er-Jahre betrieben Elfriede Klinger und ihr Mann Wolfgang die Mühle elektrisch. Bis zu jener Nacht 1962, als ein Feuer in der Scheune ausbrach. Der materielle Schaden war erheblich, die Weiterführung der Mühle unmöglich geworden. Schwerer aber wogen für die Familie die Umstände des Brandes und die Konsequenzen. Denn Privatbetriebe dieser Art waren zu Zeiten der Verstaatlichung unerwünscht. Noch weitere 23 private Objekte in der Umgebung brannten in jener Nacht. Die Mühle blieb seitdem geschlossen.

2011 zur 1050-Jahr-Feier öffnete mit Silvia und Volker Klinger – die übrigens auch Gründungsmitglieder des Mühlenvereins sind – die nachfolgende Generation die Mühle wieder. Das Grundstück ist stets in Familienbesitz geblieben. „Der Wunsch meiner Eltern war, dass ich es übernehme“, so die 34-jährige Tochter Doreen. Etwas Zeit habe sie schon gebraucht, ehe sie sich dazu durchrang. Gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard (47) baute sie die ehemalige Scheune zum Wohnhaus um, in dem das Paar mit dem Töchterchen (2) lebt.

Eine Entscheidung, die auch mit dem Bewusstsein fiel, Eilenburgs letzte – von einst 12 – Mühle zu bewahren. Für die Selents stand nie zur Debatte, den weißen Rundbau in Frage zu stellen: „Verfallen lassen, so was macht man doch nicht.“ Dabei habe das Bauwerk in der eigenen Kindheit nie eine große Rolle gespielt. Es sei immer präsent gewesen, der Großvater aber habe nur wenig darüber gesprochen, erst recht nicht über den Brand, der vieles veränderte. Erst im hohen Alter, so erinnert sich die Enkelin, sei die Mühle ab und an ein Thema gewesen.

Nach und nach tasten sich nun die Selents an das Bauwerk heran, Aufzeichnungen, unter anderem vom Opa, helfen dabei. Begriffe wie Walzenstuhl oder Steinkran gehen ihnen schon wie selbstverständlich über die Lippen, die Karre mit den Mehlsäcken kutschieren sie wie es einst der Müller tat.

Die Mühle soll bestehen bleiben, auch wenn das nur nach und nach geht. „Der Wille ist schon da, aber es muss Zeit da sein und auch Geld“, sagt die junge Frau. Der Hausbau ließ da bisher wenig Möglichkeiten. Und so geht es jetzt vor allem um profane Fragen der Erhaltung wie ein neuer Anstrich oder ein Regenablauf am Dach, damit die Wände trocken bleiben. Dennoch ist der Verwaltungsmitarbeiterin und dem Handwerker klar: Die Mühle wird ein Hobby bleiben.

Führungen für Kinder

Und damit auch ab und an für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Doreen Selent kann sich gut vorstellen, für Kindergärten und Schulen Führungen anzubieten. Der Mühlentag ist jetzt wieder ein Anfang für die große Öffentlichkeit. Wie groß das Interesse ist, wurde 2011 deutlich, als Silvia und Volker Klinger wieder Besucher in dem vieretagigen Bau empfingen. „Die Gäste standen damals bis zu anderthalb Stunden an“, erinnert sich Geschäftsführerin Andrea Heyn. Sie ist froh, dass in Eilenburgs letzter Mühle wieder Leben einzieht. „Der Zustand von 1962 mit Technik, die teilweise noch älter ist, ist komplett und gut erhalten“, so Heyn. Und auch wenn sie nicht in Funktion gezeigt werden kann, sei dies ein wertvolles Zeitdokument.

Pfingstmontag, 10 bis 18 Uhr Besichtigung und Führungen, 14 Uhr Kindertanzgruppe Eilenburg

Von Kathrin Kabelitz

eilenburg 51.4597557 12.617702
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