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Eilenburg Am Sonnabend starten die Drückjagden in Nordsachsens Wäldern
Region Eilenburg Am Sonnabend starten die Drückjagden in Nordsachsens Wäldern
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00:17 11.11.2016
Jagdhornbläser aus allen Teilen der Region verbllasen 2015 beim Streckelegen traditionell das erlegte Wild. Quelle: Steffen Brost
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Nordsachsen

Im sächsischen Forstbezirk Taura, der sich über weite Teile Nordsachsens erstreckt, wird am Sonnabend die Jagdsaison eröffnet. Jäger aus allen Teilen Deutschlands und der Region nehmen an der Drückjagd im Revier Torfhaus bei Pressel teil. Bereits am Freitag letzter Woche fand, so wie jedes Jahr, in der katholischen Kirche in Eilenburg am Vorabend des Hubertustages der ökumenische Hubertusgottesdienst statt, der traditionell im Zeichen des heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, steht. Dabei erklingen nicht wie üblich die Pfeifen der Orgel, sondern – eben ganz jägertypisch – Blasinstrumente der Jagd- und Parforcehorngruppe Taucha.

Für Jan Glock ist das ein fester Termin in jedem Jahr. Nicht nur, weil er einer der Musiker, sondern auch Leiter des Forstbezirkes Taura ist und damit verantwortlicher Jagdleiter am Samstag. Dem Auftakt folgen bis zum Januar weitere 20 Termine in der Dahlener, der Dübener und der Annaburger Heide. Insgesamt werden etwa 1500 Jägerinnen und Jäger aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Geschossen wird, was der Jagdplan vorgibt. „Den stellen wir uns als Forstbezirk, wir sind ja ganz am Anfang des neuen Plan-Zeitraums, haben noch alle Möglichkeiten“, so Glock.

Bei der Jagd herrschen klare Regeln

Wenn sich am Sonnabend um 8 Uhr die Jäger treffen und die Jagd offiziell eröffnet wird, gibt der Forstbezirksleiter klar vor, wie, wo und wann gejagt wird: „Es müssen Grundregeln eingehalten werden. Das kontrollieren wir auch ganz streng.“ Zuvor werden zudem die Dokumente aller Teilnehmer auf Gültigkeit überprüft. Jäger müssen regelmäßig Schießnachweise erbringen.

Bei den sogenannten Drück- oder Stöberjagden werden Wildschwein & Co. durch Treiber und speziell ausgebildete Stöberhunde aus ihren Einständen „gedrückt“. Dabei, so informiert Klaus Kühling vom Staatsbetrieb Sachsenforst, wird das Wild nicht gehetzt, „sondern frühzeitig alarmiert und damit langsam in Bewegung gebracht.“ So könnten die auf Hochsitzen postierten Jäger das langsam abwechselnde Wild tierschutzgerecht erlegen. Der Vorteil sei, dass ein und dieselbe Fläche nur ein- bis maximal zweimal jährlich „beunruhigt“ wird, während der mehrmals in der Woche auf seinem Hochsitz ausharrende einzelne Jäger eine „Dauerbeunruhigung“ beim wachsamen Wild auslösen könne.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst ist für die forstliche Bewirtschaftung und Bejagung von etwa 200 000 Hektar Staatswald im Freistaat Sachsen verantwortlich. Gut ein Drittel allen erlegten Schalenwildes im letzten Jagdjahr haben Mitarbeiter von Sachsenforst und Gastjäger auf Drückjagden erbeutet, beim Schwarzwild waren es 42 Prozent.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Die Anforderungen an die Organisation der Jagden sind sehr hoch. Treiber, Schützen und Hundeführer sind für etwaige Gefahren sensibilisiert. Darauf weist auch Jan Glock hin. Die betreffenden Gebiete rund um Torfhaus sind vor und während der Drückjagd durch Hinweisschilder gekennzeichnet. Waldbesucher werden gebeten, die Waldstücke zu meiden. Für die angrenzenden Straßen sind Geschwindigkeitsbegrenzungen angeordnet. Autofahrer sind angehalten, sich unbedingt an diese Sicherheitsvorschriften zu halten, damit es nicht zu Unfällen mit flüchtigem Wild oder Jagdhunden kommen kann.

In der Öffentlichkeit sind die Meinungen zum Jagen durchaus geteilt. „Ist die Höhe der Wildbestände an den jeweiligen Lebensraum angepasst, bleibt der Einfluss, den die Tiere durch ihre Nahrungsaufnahme auf den Wald oder die Feldflur ausüben, unproblematisch“, so Klaus Kühling. Knabberten allerdings zu viele Rehe die schmackhaften Knospen von jungen Ahornen oder Tannen oder wühlten Wildschweine wiederholt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen nach Nahrung, müssten die Jäger zum Gewehr greifen. Es gehe dabei auch darum, dass gepflanzte und natürlich verjüngte standortgerechte Baumarten ohne künstliche Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Zäune wachsen können. Drückjagden seien beim Sachsenforst ein entscheidendes Werkzeug zur effizienten Regulierung der Wildbestände.

Frisches Wildbret ist käuflich erwerbbar

Bis zum Abschluss der Jagdzeit Ende Januar gibt es im Staatsbetrieb übrigens auch frisches Wildbret, vor allem von Reh, Hirsch und Wildschwein zu kaufen. Aber auch Dam- und Muffelwild seien in manchen Regionen zu haben. Dem Wildfleisch wird nachgesagt, dass es sehr gesund sei, zudem eben aus der Region komme und lecker schmecke. Das Fleisch, so Experten, ist von Natur aus mager und besonders eiweiß-, vitamin- sowie mineralstoffreich. Es ist leicht verdaulich, cholesterin- und kalorienarm.

Unter www.smul.sachsen.de/Wildpreise sind Ansprechpartner im Forstbezirk Taura benannt.

Von Kathrin Kabelitz

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