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Eilenburg Amtsgericht Eilenburg: Teures Strafverfahren wegen 50 Euro
Region Eilenburg Amtsgericht Eilenburg: Teures Strafverfahren wegen 50 Euro
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06:00 05.08.2016
Das Amtsgericht Eilenburg klärte den Streit zweier Pferdefreunde. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Streiten sich zwei, freut sich der Dritte. So geschehen dieser Tage am Amtsgericht Eilenburg. Weil sich zwei Pferdefreunde nicht auf den Kaufpreis für eine Mini-Kutsche einigen konnten, soll nun der Tierparkverein Eilenburg 100 Euro erhalten, zu zahlen vom Angeklagten. Die Hauptlast allerdings trägt der Staat. So die Kurzfassung.

Die Langversion des Zoffs zog sich über Monate hin und spielte sich im äußersten Westen des Landkreises ab. Das Corpus delicti: ein einachsiges Gefährt mit zwei Sitzplätzen, das sich hinters Pferd spannen lässt. Das Teil war auf einem Gehöft nahe Schkeuditz untergestellt. Und Torsten K., der dort in der ersten Jahreshälfte 2015 beschäftigt war, hatte rasch ein Auge darauf geworfen. An seinem letzten Arbeitstag im Juni nahm er es mit. „So hatte ich es mit der Eigentümerin besprochen“, versicherte K. vor Gericht. „Ich wollte ihr 150 Euro bezahlen, mehr ist es nicht wert.“ Besitzerin Sylke G. allerdings sah das anders. Sie sei völlig überrumpelt gewesen, als der Pferdewagen plötzlich weg war, schilderte die 45-Jährige. Und sie habe sich eher 200 Euro vorgestellt.

Langwierige Strafverfolgung

50 Euro also trennten die beiden. Und irgendwie fanden sie wohl nicht zueinander, um sich zu einigen. Mal suchte sie ihn unangemeldet zu Hause auf und stand vor verschlossener Tür, mal war sein Handy kaputt. Im Oktober erstattete Sylke G. Strafanzeige, wollte endlich Geld sehen. Der Auftakt einer langwierigen Verfolgung: Die Polizei holte bei Torsten K. die Kutsche ab, Ermittlungen kamen in Gang, der Staatsanwalt schrieb eine Anklage wegen Diebstahls, das Gericht lud Zeugen vor: die Geschädigte, den Pferdehofchef, eine Hofangestellte.

Die Aussagen blieben vage und widersprüchlich, die Verfahrenskosten summierten sich. Allein der Gerichtsprozess samt Zeugenauslagen schlug dreistellig zu Buche. Torsten K. hatte hier Glück: Der Staat wird’s begleichen. Das Gericht hatte angeregt, das Verfahren gegen eine Zahlung des Beschuldigten an einen gemeinnützigen Verein einzustellen. Der 44-Jährige überweist nun an den Tierpark – und trägt das Anwaltshonorar. Mit 50 Euro für Sylke G. wäre er günstiger gekommen.

Der Pferdewagen ist bereits seit Oktober wieder bei der Besitzerin. Torsten K. sucht sich was anderes. So einfach ist das.

Von Kay Würker

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