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Eilenburg Amtsgericht Eilenburg verurteilt zündelnden Laubenpieper
Region Eilenburg Amtsgericht Eilenburg verurteilt zündelnden Laubenpieper
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13:00 23.07.2016
Das Amtsgericht Eilenburg befasste sich mit dem Brandstifter aus Taucha. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg/Taucha

Zwei Feuerwehreinsätze, zwei zerstörte Geräteschuppen – das war der hitzige Höhepunkt eines Nachbarschaftszoffs in einer Tauchaer Kleingartenanlage. Pächter Uwe B., seit Langem mächtig verärgert über die Laubenpieper nebenan, hatte die Nerven verloren. „Es tut mir alles unendlich leid“, sagte der 54-Jährige rückblickend. Seine zwei Ausraster mit Feuerzeug und Grillanzünder haben den zuvor unbescholtenen Mann vors Amtsgericht Eilenburg geführt.

Vorsätzliche Brandstiftung in zwei Fällen, lautete der Vorwurf. Das erste Mal loderte es in der Sparte Am Mühlengrund am 21. Dezember vergangenen Jahres. Ein Schuppen aus Asbestplatten, rund zwei mal drei Meter groß, stand in Flammen. 15 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr waren mit zwei Löschfahrzeugen rund eine Stunde im Einsatz, doch sie konnten nichts mehr retten. Uwe B. war der Schuppen ein Dorn im Auge gewesen. „Ich hatte mich aufgeregt, weil immer wieder Asbestteile in meinen Garten geflogen sind. Auch an diesem Tag wieder“, schilderte er. „Ich weiß auch nicht, was dann in mich gefahren ist. Ich nahm den flüssigen Grillanzünder, spritzte ihn gegen die Schuppentür und zündete ihn an.“ Danach verließ der Kokler das Geschehen, kehrte aber zurück, als die Flammen auf den eigenen Garten überzugreifen drohten. Uwe B. rief die Feuerwehr an – und später auch seinen Nachbarn. „Es war großer Mist, was ich da gemacht habe.“

Im Februar brannte es erneut

Trotzdem brannte es am 10. Februar dieses Jahres erneut, diesmal bei anderem Nachbarn des Angeklagten. Wieder ein Geräteschuppen, wieder Grillanzünder im Türbereich. Und erneut war ein Dauerclinch der Auslöser. „Ich hatte von dem anderen ständig Müll in meinem Garten. Altholz, Müllsäcke, leere Schnapsflaschen – furchtbar. Außerdem bin ich Strombeauftragter im Verein, ich muss kassieren, und der Mann hat oft nicht bezahlt.“ Frust an allen Ecken.

Doch offenbar hatten die Brände reinigende Wirkung. Der gelernte Elektromechaniker hat sich inzwischen mit seinen Gartennachbarn ausgesprochen, hilft ihnen sogar beim Wiederaufbau der Schuppen. Wie B.s Anwalt mitteilte, haben die geschädigten Pächter kein Interesse an Strafverfolgung. Die Staatsanwaltschaft allerdings schon – von Amts wegen. Sie plädierte für ein Jahr und vier Monate Freiheitsstrafe. Das Gericht folgte dem Antrag. Von einem minderschweren Fall der Brandstiftung könne keine Rede sein, erklärte Richterin Carmen Grell. Gravierend sei, dass Uwe B. trotz der Erfahrungen vom Dezember nach nur sieben Wochen ein zweites Mal zündelte.

Arbeitsstunden als Auflage

Mit einem dritten Ausraster rechnet das Gericht hingegen nicht. Der Tauchaer habe angesichts seiner Reumütigkeit eine „günstige Kriminalprognose“. Deshalb wurde die Haftstrafe für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Mit der Auflage, dass B. die Schäden bei den Nachbarn nach besten Kräften wiedergutmacht. Dem Gericht soll er darüber Bericht erstatten. Und zum Abschluss auch noch 150 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Außerdem trägt er die Kosten des Verfahrens und dürfte auch von der Versicherung belangt werden. Für den Mann, der nach eigenen Angaben nur kärgliche Provisionen als Strompreisberater bezieht, war dieser Gartenzaun-Zoff wohl der teuerste seines Lebens. Doch immerhin: Der Asbest ist jetzt weg.

Von Kay Würker

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