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"An Misshandlungen oder sexuelle Übergriffe kann ich mich nicht erinnern"

"An Misshandlungen oder sexuelle Übergriffe kann ich mich nicht erinnern"

Peter Giersch lebte von 1967 bis 1971 im Schneller-Heim. Er habe beide Eltern mit sieben Jahren verloren, das sei der Grund für seine Einweisung gewesen. Er könne sich nicht vorstellen, dass so etwas passiert sei.

„Erziehung war notwendig. Es gab auch mal eine drauf, wenn man nicht gehört hat. Schließlich waren auch verhaltensauffällige und sehr aggressive Kinder im Heim. An Misshandlungen oder sexuelle Übergriffe kann ich mich nicht erinnern“, sagte Giersch, der heute in Hessen lebt, am Mittwoch am Telefon.

Ein weiterer Betroffener ist heute 48 Jahre alt. Er will anonym bleiben, leidet nach vielen Jahren in DDR-Kinderheimen an einem posttraumatischen Belastungssyndrom, ist suizidgefährdet und in ständiger psychologischer Behandlung. „In Eilenburg war ich weniger als ein Jahr. Das war 1968“. Der Mann, der heute in einem Bauwagen in Mecklenburg-Vorpommern lebt, erzählt von Praktiken, „bei denen wir uns nackt hinstellen mussten, Hände hinterm Rücken. Uns wurde ein Strahl Wasser auf die Brust gespritzt. Wenn wir keine Luft mehr bekamen, wurde der Strahl auf die Genitalien gerichtet.“

Den Begriff sexueller Missbrauch verwendet er in Bezug auf das Eilenburger Heim nicht, spricht aber von einer „Verletzung des Schamgefühls.“ Heute sieht er keinen Sinn mehr, sich öffentlich zu wehren. „Meine Peiniger sind, wenn sie überhaupt noch leben, über 80 Jahre alt.“ Die vielen Jahre in Heimen haben Spuren hinterlassen: „Wir leiden das ganze Leben, sind nicht beziehungsfähig, können nicht arbeiten gehen.“

Ob es auch schwere Straftaten wie massive Körperverletzungen oder Vergewaltigungen gab, ist derzeit unklar. Michael Wild, der im Januar in der Schneller-Nachfolge-Einrichtung, dem Heim des Caritas St. Martin Hilfeverbundes, eine Wanderausstellung zum Thema Heimgeschichte organisiert hat, hat in der Vorbereitung darauf in den offiziellen Unterlagen keine Spuren gefunden, die auf Vorfälle von sexuellem Missbrauch oder auf Übergriffe hinweisen. Auch im Eilenburger Polizeirevier gab es bis Mittwochnachmittag keine Anzeigen diesbezüglich. „Wenn es Geschädigte gibt, können diese sich bei uns melden. Wir werden dies bearbeiten“, so Ilka Peter, Sprecherin der Polizeidirektion Westsachsen.

Die Chancen, diese zur Anklage zu bringen, sind allerdings gering, wie eine Anfrage bei der Staatsanwaltschaft Leipzig ergab. „Wir sehen aufgrund des Ergebnisses der bisherigen Prüfungen und  der daraus ersichtlichen fehlenden Anhaltspunkte für eine (noch) verfolgbare Straftat keine Veranlassung von Amts wegen ein  Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt einzuleiten“, so Sprecher Ricardo Schulz.

Frank Pfütze/Kathrin Kabelitz

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