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Eilenburg Anwohner ärgert sich über Mückenplage am Mühlgraben in Eilenburg
Region Eilenburg Anwohner ärgert sich über Mückenplage am Mühlgraben in Eilenburg
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00:21 14.09.2017
In dieser Perspektive ist gar kein Wasser mehr zu sehen: Für Joachim Schulze ist es zu grün im Mühlgraben. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Für Joachim Schulze ist es zu grün im Mühlgraben. Der westliche Arm fließt direkt unter dem Haus vorbei, in dem er wohnt. Ihn stört vor allem, dass sich in Schilf und Wasserpflanzen Mücken und Fliegen wohlfühlen. Die unternehmen, besonders wenn sich die weiße Hauswand an warmen Tagen aufheizt, gern Landausflüge, besuchen und piesacken die Anwohner. Deshalb faszinierte den 78-Jährigen ein Bild, das neulich in der LVZ zu sehen war: Ein spezielles Wasserfahrzeug war zur Entkrautung des Delitzscher Lober im Einsatz. Könnte das nicht gleich sofort an den Mühlgraben umziehen und dort geordnete Verhältnisse schaffen? Denn mittlerweile wachsen dort die Schilf- und Wassergrasinseln so, dass es aussieht „wie in den Everglades“, stellt der Anwohner fest. Das sehr grüne und tropische Marschland im Süden des US-Bundesstaates Florida soll sehr reizvoll sein. Die Eilenburger Everglades reizen Joachim Schulze auch, allerdings nicht im positivem Sinne. Er muss nicht nur Gaze vor die Fenster setzen, sondern diese immer wieder austauschen, weil sich die Insekten derart gierig in die Maschen drängen, dass sie dort verenden. Dabei war der Mühlgraben nicht immer so grün und insektenreich, erzählt der Eilenburger. An dieser Stelle strömte es früher so, dass selbst Wildwasserkanuten hier trainierten und Meisterschaften ausgetragen wurden.

Sedimente und Rückstau

Ein Wehr wurde bei der Umgestaltung im Rahmen der Hochwasserschutzbauten, abgetragen und stattdessen eine sogenannte Raue Rampe eingebaut. Diese schräge Ebene aus großen und kleineren Steinen soll Fischen die Wanderung flussaufwärts erleichtern. Dieses Bauwerk, das noch aufwärts des Mühlgrabens steht, könnte ebenfalls schon zur Verminderung der Fließgeschwindigkeit beigetragen haben. „Vor allem ist der Mühlgraben, als die Schutzmauer gebaut wurde, viel breiter geworden“, zeigt Joachim Schulze. Das gebe dem Wasser zusätzlich Raum, um zur Ruhe zu kommen und Sedimente abzulagern. „Unter der Röhrenbrücke liegen sie meterdick, was ebenfalls zu Stau führt“, hat Joachim Schulze beobachtet: „Hier wird immer davon gesprochen, dass die Brücke angehoben werden soll, damit sich im Hochwasserfall nichts anstaut. Ich sage: Der Durchlass müsste eher verbreitert werden.“ Im Hochwasserfall sei außerdem zu erwarten, dass das Schilf und all der Unrat, der sich darin verfangen hat, in Richtung Brücke gespült werden, was dann noch zu größeren Stauerscheinungen führen könnte.

Natürliche Entwicklung

„Wir haben als Wasserwehr die Flussläufe ständig mit Kontrollgängen und -fahrten im Blick“, erklärt der dagegen Chef der Eilenburger Feuerwehr, André Zimmermann. „Falls sich etwas Gefährliches anbahnen sollte, würden wir für die Beseitigung sorgen.“ Das könnte zum Beispiel ein großer Baumstamm sein, der sich quer vor die Röhrenbrücke legt. Dass sich die grünen Inseln im Mühlgrabenarm bei Hochwasser in Bewegung setzen und geballt vor der Brücke landen, sei nicht zu erwarten. Die am Grunde des Gewässers verwurzelten Pflanzen werden vom Hochwasser einfach überflossen.

Auch die Angler als Pächter des Gewässers sehen keinen Handlungsbedarf, im Gegenteil: „Wir sind verpflichtet, den Fischbestand zu erhalten, Natur und Umwelt zu schützen. Das Entnehmen von Pflanzen ist streng verboten“, sagt René Wagner, Vorsitzender des SV Petri Heil. Es sei damit zu rechnen, dass sich auch die Naturschutzbehörde gegen einen solchen Eingriff stellt. Und auch Flussmeister Peter Ott vom der Landestalsperrenverwaltung hält ein Abtragen der grünen Inseln für sehr unwahrscheinlich: „Das Röhricht hat sich als natürlicher Bewuchs auf den Steinhegern entwickelt. Und das steht wohl auch im Einklang mit der Wasserrahmenrichtlinie.“ Es stehe Anliegern frei, sich mit einer Beschwerde direkt an die Landestalsperrenverwaltung zu wenden, aber wegen des Hochwasserschutzes sehe er keinen Handlungsbedarf. Trotz der Sedimente und der grünen Inseln: „Die hydraulische Leistungsfähigkeit des Mühlgrabens ist gewährleistet.“ Die Eilenburger Everglades werden wohl erhalten bleiben.

Von Heike Liesaus

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