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Archäologen finden im Untergrund des neuen Hainichener-Deichs alte Scherben

Hochwasser-Schutz Archäologen finden im Untergrund des neuen Hainichener-Deichs alte Scherben

Scherben bringen Glück. Bei den Grabungsarbeiten im Vorfeld des Deichbaus im Eilenburger Ortsteil Hainichen wurden tatsächlich einige Exemplare gefunden. Aber auch nicht zu viele und zu besondere. Somit startet Bau, wie geplant.

Mitarbeiter Konrad Lietz zeigt zwei der Keramik-Scherben, die er und Grabungsleiter Marco Häckel in den vergangenen Tagen freilegten.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Der Bagger hat die Muttererde abgetragen, hat einen flachen, breiten Graben ins Feld gefräst. Im ebenen terrakottafarbenen Lehmgrund sind kleinere Gruben zu sehen. Neben einer davon steht eine schwarze Tafel, auf die Plastebuchstaben gesteckt sind: Fundstellen-Informationen für Dokumentations-Fotos. Hier laufen die archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Deichbaus bei Hainichen. Der ist im Prinzip bereits gestartet. So nehmen Grabungsleiter Marco Häckel und Mitarbeiter Konrad Lietz Anomaliestellen, die näher am Hang liegen, zuerst unter die Archäologenkellen, damit die Baufirma gleicht darauf ohne Verzug loslegen kann.

Doch was heißt Anomalien? Die Oberfläche des getrockneten Lehms unterscheidet sich an den mit Fäden und Ritzungen markierten Stellen nicht vom Umfeld. „Die farblichen Differenzen sind nur zu sehen, wenn der Boden unmittelbar nach dem Freilegen noch feucht ist“, erklärt Häckel. Und auch dann nur für das geschulte Auge. „Jetzt könnte ich das auch nicht mehr.“ Deshalb werden die Markierungen sofort beim Aufgraben in den Lehm gesetzt.

Im Boden darunter finden sich nicht allein die archäologisch interessante Hinterlassenschaften unserer Vorfahren. Die Anomalien können auch geologische oder biologische Ursachen haben. „Manchmal kann es einfach ein Gang sein, den einst ein Tier gegraben hat“, stellt Konrad Lietz fest. Dass die Menschen, die früher hier leben, direkt in der Muldenaue siedelten, war nicht zu vermuten. Der Deich wird nicht umsonst gebaut: Auch in früheren Zeiten trat der Fluss immer wieder über die Ufer. Die Aue ist kein guter Ort fürs dauerhafte Wohnen.

Pfosten und Scherben

So fanden sich bei den Grabungen zwar Spuren von einigen Pfosten. Sie könnten den verschiedensten Zwecken gedient haben. Ob sie aber zum Beispiel zu Zäunen gehörten, oder zu temporären Unterständen, das lasse sich heute nicht mehr sagen. „Sie weisen jedenfalls nicht auf eine Siedlung hin“, erklärt Christoph Heiermann vom Landesamt für Archäologie Sachsen. „Es ist anzunehmen, dass die damaligen Bewohner dauerhaft eher auf den Hochterrassen über dem Gelände siedelten.“ Trotzdem wird alles sorgsam registriert. Es liefen bereits in früheren Jahrzehnten Grabungen im Hainichener Gemarkung. So wird das Bild nach und nach etwas vollständiger.

Außerdem hinterließen die alten Hainichener Scherben in der Aue. Auf einige davon sind Marco Häckel und Konrad Lietz nun gestoßen. Auf alle Fälle kann jetzt schon gesagt werden: „Sie stammen sie aus vorgeschichtlicher Zeit, aus der Metallzeit“, stellt Christoph Heiermann fest. „Diese erstreckt sich von der Bronze- bis zur Eisenzeit.“ Das sind 500 bis 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Die näheren Untersuchungen werden Genaueres ergeben. Sind die Scherben gereinigt, lässt sich anhand der Machart recht genau bestimmen, wann sie hergestellt wurden.

Bis März soll der Deich stehen

Gegraben wird nur im Bereich des 350 Meter langen künftigen Bauwerks, das sich mit einem leichten Bogen vom mit Spundwänden ertüchtigten Deichstück in Richtung Hang schwingt. Der Bau soll über den Winter vorangehen. In der Flussaue darf aus Naturschutzgründen nur zu bestimmten Zeiten gebaut werden. Spielt das Wetter mit, kann die Nordflanke Hainen bis Ende März stehen.

Von Heike Liesaus

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