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Auf der Mulde bei Bad Düben darf bis Ende Oktober wieder gepaddelt werden

Wassertourismus Auf der Mulde bei Bad Düben darf bis Ende Oktober wieder gepaddelt werden

Ab Freitag darf auf der Mulde zwischen Eilenburg und Bad Düben wieder bis zum 31. Oktober gepaddelt und gerudert werden. Nun hat auch die Kurstadt eine offizielle Ein- und Ausstiegsstelle. Trotzdem ist Wassertourismus auf diesem Abschnitt eine hoch sensible Angelegenheit.

Ab Freitag können Paddler auch auf der Mulde ab Eilenburg wieder auf Tour gehen.

Quelle: Nico Fliegner

Eilenburg/Bad Düben. Am Freitag ist es so weit: Bis zum 31. Oktober darf zwischen Eilenburg und Bad Düben wieder gepaddelt werden. Das kann nun geordneter ablaufen: Nachdem in Eilenburg bereits voriges Jahr der Bootsanleger in Betrieb ging, ist jetzt auch der in Bad Düben nutzbar. Zwischendurch darf auf der 24 Kilometer langen Strecke nur noch am Fährhaus Gruna ausgestiegen werden. Ansonsten gilt auf diesem Abschnitt auch im Paddel-Zeitfenster: Betreten von Kieshegern und Ufern verboten.

Voraussichtlich werden allein mit Kanutours Sachsen am ersten Sonnabend allein 20 Gäste auf die Reise gehen. Inhaber Veit Fünfstück ist mit den speziellen Anforderungen vertraut, auch wenn der Naturschutz Grenzen setzt: „Wir brauchen ihn. Wenn ich sehe, wie andere Stellen an der Mulde vermüllt werden und was da liegen gelassen wird, macht mich das wütend.“ Doch um die Natur zu schützen, sieht er eher die Notwendigkeit, weitere offizielle Anleger auf der Strecke zu installieren. „Das würde Paddler besser davon abhalten, zwischendurch irgendwo ans Ufer zu gehen.“

Rückzugsgebiet der Wolfsspinne

Auf diesem Abschnitt darf sich der Fluss unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen quasi artgerecht durch die Landschaft schlängeln. „Bedeutsam für die Artenvielfalt sind die Kiesheger der Mulde“, erklärt der Naturschutzbund auf seiner Webseite. „Sie bieten der Wolfsspinne, die deutschlandweit vom Aussterben bedroht ist, letzte Rückzugsgebiete. Im Frühjahr brüten hier der Flussregenpfeifer und der sehr seltene Flussuferläufer. Diese Vogelarten benötigen die Schotterbänke in Fließgewässern des Flachlandes.“

Die Steilufer sind zudem bevorzugte Brutgebiete der streng geschützten Uferschwalbe und des Eisvogels. Sie graben ihre Bruthöhlen in die Lehm- und Sandhänge des Ufers. Außerdem sind Baumfalke, Fischadler, Mittelspecht, Rohrweihe, Rot- und Schwarzmilan und Weißstorch anzutreffen. Wer merkt schon, wenn er auf eine Schotterbank tritt, ob er das Domizil einer Wolfsspinne zertritt? Auch sind die Eier des Flussregenpfeifers nicht von Kieseln zu unterscheiden. „Wenn das auf Verbotsschildern steht, ist es weniger einprägsam, als wenn das bei einer geführten Tour erklärt wird“, schätzt Veit Fünfstück.

Muldeabschnitt sehr sensibel

„Es ist ein sehr schönes Stück der Mulde, aber auch eines der sensibelsten. Es wird deshalb auch sehr sensibel von uns behandelt“, erklärt auch Sandra Brandt von Leipziger Tourismus Marketing, dem sich das Umland angeschlossen hat. Es wird deshalb mittlerweile durchaus versucht, Touristen an die weniger gefährdeten Muldeabschnitte stromaufwärts zu lenken. „Für diesen Abschnitt setzen wir eher auf den landseitigen Tourismus, das heißt: auf die Radwege und auf die Muldedörfer. Diese könnten am Fluss noch besser in Szene gesetzt werden“, erklärt Brandt.

Denn gerade ist bei den Muldeanliegern eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, die herausfinden soll, wie sich die Mulde noch besser erlebbar machen lässt. Neben den materiellen Möglichkeiten der Kommunen setzen vor allem Hochwasser- und Naturschutz den ellenlangen Wunschlisten viele Grenzen. Doch es wird zum Beispiel darüber nachgedacht, die Einstiegsstellen aufzuwerten, sodass ein „Wasserplatz“ entsteht. Zukunftsmusik. „Denn das wären dann aber größere städtebauliche Projekte“, stellt Brandt fest.

Muldepaddeln sei nachgefragt

In der Eilenburger Touristinfo werden die Telefonnummern der Anbieter vorgehalten. Aber bisher liefen dort keine Nachfragen nach Muldepaddel-Angeboten ein. Die meisten Nachfrager nehmen andere Wege. So sind zum Beispiel auch die drei Wildtier-Sonntags-Fahrten im August und September, die die Naturparkführerin Birgit Rabe gemeinsam den Kanutours Sachsen anbietet, ausgebucht. Dass das Muldepaddeln „schon nachgefragt“ sei, bestätigt auch Cornelia Richter von der Touristinformation Bad Düben.

Die in der Kurstadt für Tourismus und Wirtschaftsförderung Zuständige erklärt: „Der neue Bootsanleger liegt strategisch günstig, da er von der Muldebrücke aus gut zu sehen ist.“ Gerade Individualtouristen mit eigenem Boot würden zunehmend auf den Geschmack kommen. „Aber“, so schätzt die Tourismusexpertin weiter ein, „es dauert sicher zwei bis drei Jahre, bis sich das Angebot wirklich etabliert hat.“ Potenzial sei auf jeden Fall gegeben.

Bootsanleger im Praxistest

Fest steht für die Bad Dübenerin, dass ihre Stadt dabei sicher davon profitiert, dass die Mulde von Bad Düben aus stromabwärts ganzjährig befahrbar ist. Der erst Anfang des Jahres fertig gestellte Bootsanleger, für den es ähnlich wie in Eilenburg auch schon heftig Kritik an der Praktikabilität gab, wird am nächsten Dienstag einem Praxistest unterworfen. Dazu wollen sich die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Düben auch Bürgermeisterin Astrid Münster mit ins Boot holen. Getestet werden soll 19.30 Uhr, im Anschluss an die an diesem Tag ausnahmsweise schon um 18 Uhr beginnende Stadtratssitzung.

Von Heike Liesaus und Ilka Fischer

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