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Ausstellung, Andacht und Stolpersteine: Eilenburg gedenkt der Nazi-Opfer

Ausstellung, Andacht und Stolpersteine: Eilenburg gedenkt der Nazi-Opfer

Eilenburg. Eine Andacht in der Nikolaikirche, eine Ausstellung im Raum unter dem Turm über das von Schülern bearbeiteten Projekts Stolpersteine und ein Vortrag des Museumsleiters Andreas Flegel - das gehörte zum Erinnern, Gedenken und Ins-Gespräch-Kommen, zu dem die evangelische Kirchgemeinde Eilenburg am Montagabend eingeladen hatte.

Anlass war der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus.

Die Andacht: "Vielen Dank an diejenigen, die uns mitnahmen, diesen Tag des Gedenkens zu begehen", sagte Angelika Schiller-Bechert bei der Andacht. Die Pfarrerin aus Gräfenhainichen hatte sich nicht lange bitten lassen, als es darum ging, den amtierenden Eilenburger Pfarrer zu vertreten. Sie hatte vor Jahren diese Gedenk-Tradition des 27. Januar in der Muldestadt selbst initiiert. Nun war sie von der Kinder- und Jugendarche und von Schülern des Gymnasiums wieder neu angeregt worden. Wozu? Für den Versuch, das Unbegreifbare zu begreifen? Um im Kerzenlicht versammelt darüber nachzudenken, ob der Mensch angesichts immer wieder auflebender Gewalt gar nichts lernt? - "Auschwitz - nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft schreiben. Hoffentlich nicht - Auschwitz", gab ein Gedicht, das ein Teilnehmer eines Jugendseminars in der Auschwitz-Gedenkstätte, geschrieben hatte, ein Stück weit Antwort.

Die Stolpersteine: Auch in Eilenburg soll es sie bald geben - Stolpersteine, die an Menschen erinnern, die Opfer des NS-Regimes wurden. 17 Schüler des Martin-Rinckart-Gymnasiums recherchieren zu den Schicksalen. So sollen bereits im Frühjahr die ersten fünf Steine gesetzt werden. Das berichteten Schülerinnen am Gedenkabend in einem kleinen Vortrag am Rande der Ausstellung. Die ersten Steine erinnern an die Juden Nathan und Max Samuel, die Gewerkschafter Hermann Michaelis und Moritz Lenker, das KPD-Mitglied Kurt Bennewitz. Insgesamt wurden elf Eilenburger gefunden, für die Stolpersteine verlegt werden können. Die Hintergründe wurden gemeinsam mit dem Leipziger Erich-Zeigner-Haus erarbeitet. Konfirmanden hatten über das Leben der Eilenburger Arzt-Familie Laaser geforscht. Auch das war in der Ausstellung dargestellt.

Jüdisches Leben: Voll besetzt war der Aufenthaltsraum in der Kinder- und Jugend-Arche, als Museumsleiter Andreas Flegel über das Leben der Juden in Eilenburg berichtete. Er erklärte, dass es Ansiedlungen jeweils gab, wenn kaufmännische Gewinne in einer Stadt zu erwarten waren. Der Grund: Christen war verboten Geld zu verleihen. Der Chronist Simon habe von Pogromen berichtet, denen Juden zum Opfer fielen. Allerdings sei nicht nachgewiesen, dass diese tatsächlich in Eilenburg stattfanden. Allerdings seien Juden überall immer wieder als Brunnenvergifter und Giftmischer verdächtigt und verfolgt worden, wenn Seuchen oder Hungersnöte grassierten. Flegel zeigte auch Anzeigen und Fotos, die Geschäfte und Häuser der jüdischen Eilenburger dokumentieren, vor der Nazi-Herrschaft. Der Museumschef zählte Verordnungen auf, die Rechte dieser Bürger dann immer mehr einschränkten: kein Schulbesuch, kein Studium, das Verbot, als Arzt zu praktizieren, das Verbot, Behörden zu betreten - das NS-Regime erließ Tausende dieser Verordnungen.

Erinnerungen: Auch Besucher steuerten Erlebnisse bei. "Weil wir Jerusalem hießen, wollten sie uns auf dem Einwohnermeldeamt nicht registrieren. Das war mein erster Eindruck, als wir nach Eilenburg zogen", erzählte eine ältere Frau. "Können Sie sich vorstellen, was das für eine Achtjährige bedeutete?" Damals war es Glück, dass in der Verwandtschaft ein Nachweis der arischen Vorfahren vorlag. Eine andere Besucherin erinnerte an Familie Becker, deren Mitglieder ins KZ verschleppt wurden, allein Tochter Hertha habe sich retten können. Von den Mitstreitern des Ernst-Zeigner-Hauses kam der Aufruf an die Gäste: Bei Verwandten nachzufragen, ob sie sich daran erinnern, wie Max Samuel mit dem Leiterwagen von der SA durch den Ort gefahren wurde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2014
Heike Liesaus

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