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Bärchen-Kita: Elternrat will freie Trägerschaft

Bärchen-Kita: Elternrat will freie Trägerschaft

Viele Mütter, Kinder und auch einige Väter saßen am Montag bei der Sitzung des Eilenburger Stadtrates in den Zuschauerreihen. Das hatte seinen Grund: Susanne Petzold stellte im Namen des Elternrates der Kita Bärchen, dessen Vorsitzende sie ist, den Antrag, die städtische Einrichtung in freie Trägerschaft zu übergeben.

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Das Bärchen sonnt sich, aber hinter seinem Rücken ist dicke Luft.

Quelle: Alexander Bley

Eilenburg. Drei Gründe nannte Susanne Petzold für diesen Schritt. So sei erstens im Sommer der Alptraum aller Eltern wahr geworden: Weil eine Erzieherin ihre Aufsichtspflicht verletzte, sei ein 15 Monate alter Junge unbemerkt auf die Straße gelangt. Nur dank eines glücklichen Zufalls sei er unverletzt aufgegriffen worden. "Selbstverständlich suchten wir das Gespräch mit der zum Vorfall zuständigen Erzieherin und waren entsetzt, mit welcher Dreistigkeit Schuld und Verantwortung zurück an die Eltern gegeben wurde." Die Erzieherin habe zu keinem Zeitpunkt ihr Bedauern zu erkennen gegeben. Auch eine Petition an Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos), die 40 Eltern unterschrieben hatten und in der gefordert wurde, dass die Kinder nicht mehr von der Erzieherin betreut werden, habe nicht zu "sichtbaren und nachhaltigen Konsequenzen" geführt.

Zweitens sei die Leiterin der Tagesstätte, Diana Sinn, in einer "Nacht- und Nebelaktion" von ihrer Funktion in der Kita Bärchen entbunden worden. Dabei habe es in den vergangenen Jahren umfangreiche Veränderungen im Kindergarten gegeben. "Das Erziehungskonzept Cèlestin Freinet wurde umgesetzt, verbunden mit erheblichen baulichen Veränderungen. Die Kinder fühlen sich in ihren neuen Strukturen sehr wohl", erklärte Petzold. Aber leider werde das Konzept nicht von allen Erzieherinnen mitgetragen, was manche auch in verschiedener Art und Weise gegenüber den Eltern äußerten. Wieso werde das selbstgewählte Konzept, der Ruf der Einrichtung und das Wohl der Kinder mit Füßen getreten, um einzelne Querulanten zu schützen?, fragte die Elternratsvorsitzende.

Drittens gehe der öffentliche Träger aus Sicht des Elternrates nicht sorgsam genug mit Informationen um: Am vorigen Freitagabend sollte die Info, dass die bisherige Leiterin nicht mehr für die Einrichtung tätig sein wird und wie es ab Montag weitergeht, offiziell bekanntgegeben werden. Aber eine Mutter, ebenfalls aus dem Elternrat, habe an ihrem Arbeitsplatz an der Netto-Kasse bereits von einer der Erzieherinnen alles haarklein erzählt bekommen.

Ob das die Zusammenarbeit sei, die der städtische Träger anstrebe? - "Wir sagen Nein", stellte Petzold fest. "Die Kinder der Kita Bärchen haben ein Recht darauf, eine unbeschwerte und fördernde Zeit in einer sicheren Einrichtung zu verleben, deren Ruf nicht absichtlich vom Träger zerstört wird. Das heißt, dass man ihre Interessen vertritt und dass die Verantwortlichen entsprechend kompetente Entscheidungen treffen." All das sei beim städtischen Träger nicht mehr möglich. Der Elternrat wolle in seiner Sitzung, die gestern stattfand, geschlossen zurücktreten. Als letzte Handlung wurde der Stadtrat aufgefordert, die Kita umgehend in private Trägerschaft zu übergeben. An der Arbeit in der Einrichtung sei sonst alles in Ordnung, betonte Petzold gegenüber der Kreiszeitung nach der öffentlichen Sitzung. Wer aus Sicht der Eltern als neuer Träger in Frage käme, ist nicht klar.

Dass es vor zwei Jahren ein ähnliches Bild unter umgekehrten Vorzeichen gegeben hatte, daran erinnerte Hans Poltersdorf (CDU). Seine Fraktion hatte damals den Antrag eingebracht, die städtischen Kindereinrichtungen in freie Trägerschaft zu überführen. Damals schlug den Initiatoren ein Sturm der Entrüstung von Eltern und Erziehern entgegen. "Ich bitte nun darum, dass die Betroffenen im Sozialausschuss Gelegenheit bekommen, sich zu äußern, und dass wir uns damit genauer beschäftigen", so der Fraktionsvorsitzende.

Zum Vorfall im Sommer erklärte Oberbürgermeister Hubertus Wacker gestern auf Nachfrage der Kreiszeitung, dass er wenige Stunden danach eine Dienstanweisung herausgegeben habe, welche die Türschließung im Kinderwagenbereich neu regelte. Denn das flinke Kleinkind habe nur über diesen Weg nach draußen kommen können, weil die Pforte dort nicht von allen, die ihre Wagen abstellten, mit dem oberen Riegel verschlossen wird. Die Erzieherin sei mit einer Abmahnung verwarnt worden. Das wäre die härtest-mögliche Form der Konsequenz gewesen. Leider sei von ihr persönlich keine Entschuldigung erfolgt.

Die bisherige Leiterin Diana Sinn sei jetzt wieder allein für die Kita in Zschettgau zuständig. Sie hatte dort die Reggio-Pädagogik eingeführt, die Kita nach diesem Konzept aufgebaut. Vor einigen Jahren hatte Sinn die Einrichtung Bärchen mit doppelt so vielen Mitarbeitern dazu übernommen. "Ich hatte gehofft, dass auch die Erzieher hinter diesem Konzept stehen und nicht eine Fluktuation eintritt, die nicht zu verantworten ist", so Wacker. Viele Mitarbeiterinnen hätten die Arbeitsstätte gewechselt. Die Fürsorgepflicht für Erzieher, Kinder, Eltern und die Leiterin selbst habe geboten, diese Änderung vorzunehmen. Das Freinet-System sei damals demokratisch eingeführt worden: Dass Pädagoginnen dabei sind, die es nicht mit tragen wollen, sei möglich. "Aber nach vier Jahren sollte die Diskussion grundsätzlich abgeschlossen sein."

Die Stadträte hatten in geschlossener Sitzung am Montag noch diskutiert. "Wir werden sicher im zweiten Halbjahr noch einmal politisch über das Thema freie Trägerschaft reden", erklärte Wacker.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2013

Liesaus, Heike

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