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Eilenburg Bahn-Ausflüge werden für Lebenshilfe-Gruppe zum Hürdenlauf
Region Eilenburg Bahn-Ausflüge werden für Lebenshilfe-Gruppe zum Hürdenlauf
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13:56 19.05.2015
Hier geht's nicht weiter: Die Treppen am Eilenburger Bahnhof sind für Rollstühle ein unüberwindbares Hindernis. Quelle: Heike Liesaus

in die Messestadt. Doch davor wird es arg beschwerlich: Erst muss sie mit dem Bus nach Eilenburg-Ost, wo es einen behindertengerechten Zugang zum Zug gibt. Denn für Rollstühle sind die zig Stufen zum Tunnel unter den Bahngleisen in Stadt-Mitte hinunter und dann wieder zum Bahnsteig hinauf ein unüberwindbares Hindernis. Bei Ausflügen nach Halle wird es noch interessanter, erzählen die beiden Betreuer Enrico Methner und Ramona Krätzsch.

Nach Leipzig fahre die Gruppe ziemlich oft, zu Ausflügen zu Besorgungen. "Wenn es einmal doch später werden sollte und kein Bus mehr fährt, dann laufen wir auch von Ost aus zurück", erklärt Methner. Planungen für Ausflüge nach Delitzsch und Halle verlangen noch mehr Voraussicht: "Da fahren die Züge von Eilenburg-Ost auch nicht hin. Wir müssten also erst nach Leipzig." Deshalb falle diese Richtung auch meistens aus. Ins Schokoladenmuseum wollte die Lebenshilfe-Gruppe dann aber doch. "Wenn wir dann am Bahnhof stehen, ist das schon komisch, wenn ein Zug in unsere Richtung fährt, in den wir aber nicht einsteigen können. Wir könnten zwar rein, würden dann aber nicht vom Bahnsteig runter kommen."

Eine Enttäuschung erlebte die Gruppe dieser Tage auch beim Busunternehmen. "Sonst hatten wir immer bei Sax-Bus angemeldet, dass ein rollstuhlgerechter Bus eingesetzt wird. Jetzt wurde uns erklärt, dass auf der Rückfahrt jetzt eine Fremdfirma fahre und diese könne kein rollstuhlgerechtes Fahrzeug stellen. Also sind wir vom Paunsdorf- Center mit der Straßenbahn zum Bahnhof Leipzig gefahren und dann mit der Bahn nach Eilenburg-Ost", ist von den beiden Betreuern zu erfahren.

Natürlich lässt sich die Gruppe den Spaß an den Touren nicht verderben. Tabea, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, hatte ihr Gefährt wegen dieses Themas gleich zum persönlichen Rosenmontagsumzugswagen gemacht: Auf einer Decke auf ihrem Schoß waren verschiedene Schilder angeheftet: Das grüne S-Bahn- Logo, das Rolli-Signet, lustige und traurige Smilies.

Wenig Freude kommt bei Simone Langhof, Geschäftsführerin der Eilenburger Lebenshilfe, in dieser Sache auf. Umso mehr weil sie den Bahnhof von den Fenstern ihres Büros im Blick hat: Natürlich werde in der Gruppe keine schlechte Stimmung wegen längerer Ausflugsstrecken erzeugt. "Es geht um Teilhabe, alle sollen sich auf so einen Ausflug freuen. Aber es geht auch um Arbeitszeit unserer Mitarbeiter. Wir als Träger tragen zudem die höheren Fahrtkosten für die längeren Strecken. Im Falle eines Falles schicken wir sogar unseren eigenen Bus los."

Sie selbst nutze die Deutsche Bahn auch sehr gern. Sie wohnt schließlich in Leipzig. Und sie sieht des öfteren junge Mütter die mit dem Kinderwagen allein vor der riesigen Treppe stehen, oder ältere Leute mit ihrem Reisegepäck. Natürlich hilft sie dann. Langhof weiß aber zudem: Auch Menschen, die einfach Probleme mit dem Laufen haben, kommen mit den vielen Bahnhofstreppen nicht nur deshalb schlecht zurecht, weil sie da sind. Die Stufen seien zudem unregelmäßig und der Handlauf zu eng.

Nun soll bald die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes starten. Die Stadt Eilenburg nimmt dabei gemeinsam mit dem Zweckverband für Nahverkehr Leipzig auch die behindertengerechte Gestaltung der Übergänge vom Busbahnhof in Angriff. Doch die Treppen bleiben ein Hindernis. Der Zugang zu den Bahnsteigen ist Bahn-Sache. Die plant die behindertengerechte Gestaltung zwar seit Jahren. Bis jetzt wurden Termine aber immer wieder verschoben. "Und auf den Bahnsteigen gibt's die Schilder, die darauf hinweisen, dass der Bahnhof ein Gefälle hat und dass man Rollstühle nicht ungebremst abstellen soll. Da muss ich immer lachen", sagt Enrico Methner.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.02.2015
Liesaus, Heike

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