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Burgberg-Grundstücke in Eilenburg: Und plötzlich war ein riesiges Loch im Rasen

Gefährliche Bergkeller Burgberg-Grundstücke in Eilenburg: Und plötzlich war ein riesiges Loch im Rasen

Ein Teil von Sylvia Weißers Grundstück in Eilenburg ist zurzeit eine Bergbaustelle – dort besteht sogar Lebensgefahr. Plötzlich tat sich nämlich ein großes Loch im Rasen auf. Spezialisten stabilisieren jetzt die uralten Bergkellerräume im Untergrund. Dazu kommt aufwendige Technik zum Einsatz.

Fördereinrichtungen nehmen jetzt einen Teil des Grundstückes ein.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Glück auf! So wird in der Eilenburger Region eher selten gegrüßt. Sylvia Weißer hört diese Worte seit einigen Monaten fast täglich. Denn auf ihrem Grundstück an der Eilenburger Friedrichshöhe, die ebenfalls zu Teil gesperrt wurde, ist derzeit Bergbau angesagt: Eine Baustraße ist angelegt, Bauzäune stehen mal hier und mal dort im Garten, versperren gewohnte Zugänge zu Carport und Schuppen. Ein Miniförderturm ist aufgestellt, ein Schacht in den Berg abgetäuft. Schilder warnen im Namen des Freiberger Oberbergamtes: „Alter Bergbau. Lebensgefahr. Betreten verboten“. Aber Sylvia Weißer und ihre Familie nehmen all das gern in Kauf. Denn am Eilenburger Berg werden nicht etwa seltene Rohstoffe abgebaut, sondern das Grundstück wird stabilisiert. „Wir sind froh, dass es gemacht wird.“ Denn sonst wäre zu befürchten, dass das Haus nicht mehr lange steht. Schuld daran sind die Bauwerke der alten Eilenburger. Sie haben jahrhundertelang Keller in den Berg getrieben.

Auf Grundstück ist plötzlich ein Loch

Zwar ist ein Teil davon saniert, wird heute sogar für öffentliche Führungen genutzt. Doch große Abschnitte der Gänge sind vergessen. Die brachten sich vor einigen Monaten in Erinnerung, als sich auf dem Rasen an der Friedrichshöhe 32 ein Loch auftat. Vielleicht nur einen Dreiviertelmeter groß im Durchmesser. Aber es reichte zirka neun Meter tief in den Untergrund. Das Sächsische Oberbergamt wurde informiert. Es ist in Freiberg ansässig und zuständige Polizeibehörde für unterirdische Hohlräume, Halden und Restlöcher, soweit für sie nicht das Bundesberggesetz gilt. Das Amt überwacht Anlagen, die mit Bergbaubetrieb zusammenhängen. Das heißt auch: Im Fall des Falles hat es geeignete „Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren und zur Beseitigung von Störungen, durch die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bedroht werden, zu veranlassen“, erläutert Oberberghauptmann Professor Bernhard Cramer, der die Behörde leitet. Die ließ also nachschauen, was sich unter dem Grundstück tut. „Nach Sachverhaltsprüfung fiel der Bruch auf einem unverfüllten Bereich eines untertägig nicht mehr zugängigen unterirdischen Hohlraumes, einem Bergkeller“, erklärt der Oberberghauptmann in Bergbau-Sprache. Das Loch hatte sich von einem der vergessenen Keller aus aufgetan. Das Wohngrundstück war gefährdet. Deshalb wurde das Bergbauspezialunternehmen BST Freiberg GmbH & Co. KG mit der weiteren Erkundung, der Sicherung und der Sanierung beauftragt. Echte Bergleute also, die sich mit der Stabilisierung solcher Höhlungen auskennen. Dass sie noch einiges zu tun haben, zeigt der Wall aus vollen Zement-Säcken, der sich derzeit am Grundstück stapelt. Denn mit einer Großlieferung Flüssig-Beton könnte nicht gearbeitet werden. Hier muss Schritt für Schritt angemischt und verbaut werden, was dem Erdreich Stabilität geben soll.

Sylvia Weißer wohnt seit 1997 an der Friedrichshöhe, die einen der schönsten Blicke über die Stadt bietet. Die alten Eilenburger orientieren sich ins Erdinnere: „In etwa acht Jahrhunderten ist im Berg von Eilenburg ein Bauwerk entstanden, welches nicht nur in Sachsen seinesgleichen sucht“, ist auf der Stadt-Website zu lesen. „An diesem gigantischen, in Ziegelbauweise errichteten Kellersystem haben Generationen von Eilenburgern mitgewirkt.“ Es wird über ein weit verzweigtes System enger Gänge berichtet, ebenso wie von Lager- und Produktionshallen. Die Anlagen im oberen Teil des Bergs sollen die ältesten sein. Im 16. Jahrhundert wurden Lagerräume für die Hausbrauereien benötigt. In den Kellern konnten die Eilenburger den Gerstensaft bei konstanten niedrigen Temperaturen lagern. Während des Zweiten Weltkrieges boten die Gänge den Einwohnern Schutz vor dem Artillerie-Beschuss.

1990er-Jahre: Gänge werden verfüllt

Zu DDR-Zeiten aber war das System in Vergessenheit geraten. In den 1990er-Jahren hatte es eine Stabilisierung der Kelleranlagen gegeben. Dabei wurden auch die Gänge befestigt und saniert, die heute bei den öffentlichen Touren genutzt wird. Außerdem wurden verfallende Gänge verfüllt. Aber offenbar nicht alles. So stellte sich für die Friedrichshöhe heraus, „dass offene und verbrochene Bergkelleranlagen in viel größerem Umfang vorhanden sind, als ursprünglich angenommen und risskundig belegt sind. Die ursprünglich mit Ziegelmauerwerk ausgebauten Bergkelleranlagen befinden sich in unterschiedlichen Niveaus mit einer Überdeckung von nur 7,5 bis 9 Meter“, erläutert Bernhard Cramer.

Museumsleiter Andreas Flegel hatte zu Beginn der Arbeiten die Möglichkeit, sich unter der Friedrichshöhe umzusehen: „Beeindruckend, dass immer neue Gänge zum Vorschein kommen, die bisher nicht bekannt waren.“ Ihm vermittelte der Besuch das Gefühl, „dass es den Eilenburgern damals wirtschaftlich richtig gut gegangen sein muss. Die Keller wurden wahrscheinlich als Weinkeller anlegt.“ Denn der Weinbau war einst an den Hängen möglich.

Doch der Lauf der Zeit macht Kellermauern morsch, lässt sie brechen. Sand und Geschiebelehm darüber rutschen in die Hohlräume. Und irgendwann erreichen Risse die Erdoberfläche. „Insbesondere auf der Friedrichshöhe existieren eine Vielzahl dieser alten Brüche. Im konkreten Sanierungsbereich wurden bereits Hochbrüche bis zirka 3 Meter unter die Geländeoberfläche festgestellt, wodurch sich eine akute Gefahrenlage ergibt“, berichtet Cramer. „Derartig geringe Lockergesteinsüberdeckungen können jederzeit zu Brüchen in großem Ausmaß führen.“ Deshalb ist der gefährdete Bereich auf dem Grundstück der Weißers mit Bauzäunen abgesperrt.

„In den vergangenen Monaten wurden zirka 30 Meter voll- beziehungsweise teilverbrochene Bergkelleranlagen aufgewältigt“, so der Oberberghauptmann. Das heißt: Die Sand- und Schuttmassen wurden aus den Gewölben entfernt, die nun stabilisiert werden. „Aufgrund der äußerst komplizierten Bedingungen ist zudem ein aufwendiger Stahlverbau notwendig. Nach alten unvollständigen Aufzeichnungen sollen oberflächennah weitere Bergkelleranlagen unter dem Haus verlaufen, die vor Weiterführung der Arbeiten zunächst zu erkunden sind.“ Ziel sei es, die unterirdischen Hohlräume unter dem betroffenen Wohnhaus und -grundstück dauerhaft zu sichern und zu sanieren.

Dass Ähnliches auch anderswo passiert, sei in Gebieten mit unterirdischen Hohlräumen nicht auszuschließen, erklärt Cramer. „Dies gilt auch für Eilenburg, insbesondere für den Schlossberg und die Friedrichshöhe.“ Das Oberbergamt werde jeweils bei konkreter Gefährdung aktiv. Sylvia Weißer hat auf dessen Hinweis erst einmal Sanierungsarbeiten an der Fassade gestoppt. Falls noch mehr Risse kommen, die in Zusammenhang mit den Erdbrüchen stehen könnten, muss das nachgewiesen werden. Inzwischen hat sich gezeigt, dass es weitere Hohlräume unter dem Pool und auch unter dem Haus gibt. Die Sperrzone im Garten wurde nochmals erweitert. Wie lang die Arbeiten dauern werden, ist noch nicht abzusehen. Und auch nicht, wie viel das dem Freistaat kosten wird. Der Gruß „Glück auf!“ wird noch eine Weile an der Friedrichshöhe zu hören sein.

Von Heike Liesaus

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