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Café international - fröhliche Rundemit ernstem Hintergrund

Café international - fröhliche Rundemit ernstem Hintergrund

So viele Kinderwagen sind selbst im Flur der Eilenburger Kinder- und Jugendarche selten. Trubel im Saal: Erwachsene an den Tischen, auf denen Kerzen leuchten. Dazwischen spielen Kinder.

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Der 13-jährige Abubakar (links) trifft mit Schwesterchen und Mutter beim Café International auch seine Lehrerin Manuela Nestorov (rechts).

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Gute Geister haben für die Bestückung des Buffets gesorgt. "Cafe international" heißt die Veranstaltung mit weihnachtlichem Touch. Eine fröhliche Runde. Einheimische und Flüchtlinge soll sie zusammenbringen. Und doch drehen sich Gespräche schnell um den ernsten Hintergrund.

Manuela Nestorov und Midina Orbieva können sich auf Russisch unterhalten. Die promovierte Wissenschaftlerin unterrichtet die DaZ-Klasse in der Tschanter-Oberschule. DaZ steht für "Deutsch als Zweitsprache". Auch der 13-jährige Abubakar ist ihr Schüler. Er kann nun schon etwas besser Deutsch als seine Mutter. Die Orbievs stammen aus Tschetschenien. 2007 waren sie das erste Mal in Deutschland. Damals kam Midina mit ihrem Mann, der im Heimatland Probleme hatte. Sechs Monate später sei sie allein nach Hause zurückgekehrt, ließ sich scheiden. Doch dann bekam sie wiederum Schwierigkeiten, weil sie einst die Frau des Verfolgten war. Sie verließ das Land erneut. Mittlerweile hat die Alleinerziehende mit ihren vier Kindern eine Odyssee durch verschiedene Länder hinter sich. Dänemark, Polen nennt sie als Stationen. Nun ist der Asylantrag in Deutschland abgelehnt. Die Abschiebung kann jederzeit durchgesetzt werden. Von jetzt auf gleich wird die junge Frau mit ihren Kindern packen und ausreisen müssen. "Können Sie sich das vorstellen?", fragt Manuela Nestrov, die übersetzt hat, kopfschüttelnd.

Vielleicht hat Huda Elyonossi, ebenfalls 31, in puncto Asylantrag mehr Glück. Denn sie kommt aus Syrien. Auch sie ist mit drei Kindern allein unterwegs. Dabei ist das Jüngste gerade mal zwei Monate alt. Es kam bereits in Eilenburg zur Welt.

"Es ist schon nicht so leicht, Integration zu verlangen, wenn dieses Damoklesschwert über dem Ganzen schwebt. Da ist es schon schwer, die Kinder zu motivieren, die sich durchaus fragen, wozu sie Deutsch lernen", meldet sich einer aus der Runde zu Wort. Eine andere, ältere Eilenburgerin, die ihren Namen nicht nennen will, weiß um die Vorgänge. Sie hatte ein 17-jähriges Mädchen aus Tschetschenien als Zimmergenossin im Krankenhaus kennengelernt und so Kontakt zu ihrer Familie bekommen. Sie sind nicht mehr hier. "Da kommt jemand und verfrachtet alle zusammen in den Zug." Sie will nun anderen helfen, schreibt gerade einem jungen Paar ihre Adresse auf, lädt die beiden zum Weihnachtskaffee ein. Auch Bürgerpolizist Mario Golle ist zum Café international eingeladen und gekommen. Auch er will als Ansprechpartner präsent sein, ist im Gespräch mit Matthias Krause. Der auch schon an vorausgegangenen Treffen für potenzielle Flüchtlingspaten teilnahm. "Um zu wissen, wie das alles überhaupt abläuft. Und Argumente zu haben, wenn Diskussionen bestimmte Richtungen bekommen", erklärt er.

Der Rat von Stefan Krippendorf ist auch beim Weihnachtstreff gefragt. Er ist seit einigen Wochen der in der Region zuständige Flüchtlingssozialarbeiter. Er sieht nach Formularen, organisiert mal schnell eine Begleitung mit Russisch-Kenntnissen für den Arztbesuch. Gemeinsam mit Yvonne Henselin, Leiterin der Arche, legt er aber auch den Termin fürs nächste Café international fest: Am 16. Januar, ab 17 Uhr. Das soll nun jeden Monat so sein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.12.2014
Von Heike Liesaus

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