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Eilenburg Das erlebte LVZ-Volontärin Pia Siemer beim Bahnfahren nach Eilenburg
Region Eilenburg Das erlebte LVZ-Volontärin Pia Siemer beim Bahnfahren nach Eilenburg
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11:08 17.01.2019
Pendler aus Leipzigs Süden müssen derzeit in Stötteritz umsteigen, um den Bahnhof in Eilenburg zu erreichen. Quelle: Foto: Pia Siemer
Eilenburg

Wie ein schlechter Scherz hängt das Plakat von der Deutschen Bahn an der Toilettentür der S-Bahn vor mir. Es zeigt ein Pärchen, das gemütlich Arm im Arm im Bett liegt. „Noch mal kuscheln statt am Bahnsteig warten“, steht darauf und wirbt so für eine App des Unternehmens. Noch mal kuscheln, dass ich nicht lache! Statt mich noch einmal gemütlich umzudrehen, habe ich schon eine geschlagene Dreiviertelstunde in der Kälte am Bahnsteig gewartet. Da ist es Donnerstag, der 10. Januar, oder „Tag zwei“, wie ich es nenne. Der zweite Tag der Bauarbeiten, die bis zum 20. Januar zwischen Leipzig-Heiterblick und dem Hauptbahnhof stattfinden. Gleich in den ersten Tagen durchlaufe ich alle fünf emotionalen Phasen einer Krise, meiner persönlichen Krise mit dem Pendeln. Dabei hatte ich mich eigentlich so gut mit meinen morgendlichen Bahnfahrten arrangiert.

Morgens verschlafen auf die Felder gucken, kann schön sein

Volontärin Pia Siemer Quelle: Mario Jahn

Mein Volontariat bei der Leipziger Volkszeitung führt mich, und alle anderen Volontäre und Volontärinnen, in die verschiedenen Außenredaktionen der LVZ. Seit Jahresbeginn darf ich in Eilenburg arbeiten. Für die meisten von uns sind das schöne Erfahrungen, denn in den Lokalredaktionen können Jungjournalisten von Anfang an sehr eigenständig arbeiten und kommen in direkten Kontakt mit ihren Lesern und Leserinnen. Wie viele andere Menschen im Großraum Halle-Leipzig müssen wir dann aber auch mit den S-Bahnen der Deutschen Bahn zur Arbeit kommen. Auch das kann schön sein. Ich habe mich daran gewöhnt, morgens noch eine Weile verschlafen auf die weiten Felder der sächsischen Landschaft zu schauen. Ein friedlicher Start in den Tag – wenn alles klappt, wie geplant.

Die DB-App spielt mir immer wieder Streiche

Als mich meine App über die bevorstehenden Bauarbeiten informiert, will ich es nicht wahrhaben – Phase 1 der Krise. Die S-Bahn nach Eilenburg, die mich normalerweise morgens an mein Ziel bringt, kann ihre gewöhnliche Strecke nicht fahren. Die App weist mich an, vom MDR nach Anger-Crottendorf zu fahren, um dann eine Bahn nach Eilenburg zu erwischen. Der erste Teil klappt problemlos, aber in Anger-Crottendorf geht irgendwie alles schief. Ich soll das Gleis wechseln, muss dafür mein Fahrrad eine verschneite Stahltreppe runter und auf der anderen Seite wieder rauf schleppen. Die angekündigte S-Bahn kommt tatsächlich, fährt jedoch nur bis Leipzig-Stötteritz. „Diese Bahn endet hier“, tönt es plötzlich aus dem Lautsprecher.

Wütend twittere ich an die Deutsche Bahn

Wie es weiter geht, vermag mir auch meine sonst so schlaue App nicht zu sagen. Und so stehe ich mit anderen Pendlern ohne Auskunft am Bahnsteig, bis die Regionalbahn nach Cottbus uns mitnimmt. Ich komme eine Stunde zu spät, verfroren und völlig entnervt in der Eilenburger Redaktion an. Der Zorn (und mit ihm die zweite Krisen-Phase) sucht mich heim und veranlasst mich, dem Account der Deutschen Bahn auf Twitter eine wütende Nachricht zu schicken. Als ich dann nur eine Standardantwort erhalte, bin ich noch schlechter gelaunt. Aber was soll das Social Media der DB auch tun? Den Waggon persönlich ans Ziel schieben? Wohl kaum.

Pendler-Chaos schweißt Fremde zusammen

An „Tag drei“, einem Freitag, immerhin verläuft alles reibungslos. Vom MDR fahre ich nach Leipzig-Stötteritz, steige um und gelange nach Eilenburg. Am darauffolgenden Montag allerdings führt meine App mich schon wieder aufs Glatteis. Nach Leipzig-Nord soll ich fahren und dort meine „aktuelle Alternative“ nach Eilenburg nehmen. Aber nichts dergleichen geschieht, ich strande in Leipzig-Nord und es ist weit und breit keine Bahn in Sicht, die mich nach Eilenburg bringt. „Eigene Dummheit“, denke ich, „wäre ich bloß nach Stötteritz gefahren“. Aber wieder bin ich nicht die einzige Pendlerin, die auf die Angaben der App reingefallen ist. Immerhin – so viel Pech schweißt zusammen, meine neue Bekanntschaft organisiert uns eine Mitfahrgelegenheit im Auto. Die Fahrräder lassen wir in Leipzig Nord stehen. Eigentlich eine nette Erfahrung, denke ich und verhandle mit meinem Schicksal, das ist Phase drei.

Zweieinhalb Stunden für den Heimweg

Nach der Arbeit muss ich dann allerdings von Eilenburg nach Stötteritz fahren, um von dort die Bahn nach Leipzig-Nord zu nehmen. Dort sammle ich das Fahrrad ein, um dann die Tram zum Hauptbahnhof zu nehmen. Eine Tram fährt mir dabei auch noch direkt vor der Nase davon. Als ich in der Kälte weitere zwanzig Minuten warten muss, trifft mich Phase vier der Krise: Die Depression. Zweieinhalb Stunden nach Feierabend komme ich müde und frustriert zuhause an. Um die weiteren Tage durchzustehen, bleibt mir nur, was jeder Krisen-erprobte Pendler zu tun pflegt: Akzeptieren, was nicht geändert werden kann. Nur das Plakat vom kuschelnden Pärchen möchte ich nie wieder sehen!

Von Pia Siemer

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