Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Eilenburg Daten von Jugendlichen müssen geschützt werden
Region Eilenburg Daten von Jugendlichen müssen geschützt werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 01.06.2018
Franka Martin ist für die Mobile Jugendarbeit in Laußig und Doberschütz zuständig. Quelle: Foto: Heike Liesaus
Nordsachsen

Die neue Datenschutz-Grundverordnung sorgt derzeit für Wirbel. Auch Franka Martin sieht sich und ihre Kollegen betroffen. Die 29-Jährige, die für Mobile Jugendarbeit in den nordsächsischen Gemeinden Doberschütz und Laußig zuständig ist, erklärt, wo sie Grenzen und Probleme sieht.

Wie sehen Sie die Einführung der neuen Datenschutz-Grundverordnung?

Es ist ein Anlass, dass alle den Umgang mit Daten überdenken. Auch Sozialpädagogen neigen dazu, Daten zu sammeln, egal, ob sie gebraucht werden oder nicht. Jugendarbeit ist nun mal ein freiwilliges Angebot. Daten zu sammeln, ist nicht Sinn der Sache.

Welche Daten brauchen Sie und wozu?

Wenn ich die selbstverwalteten Jugendtreffs in den einzelnen Dörfern betreue, brauche ich Namen und vielleicht auch Telefonnummern der Ansprechpartner. Aber darüber hinaus benötige ich nun mal keine Angaben, die ich abspeichern müsste. Vor allem brauche ich keine Liste aller Schüler einer Schule oder aller Jugendlicher eines Dorfes. Ich habe den Eindruck, dass solche Listen kursieren und das sollten sie nicht. Ich führe in der Mobilen Jugendarbeit keine Akten. Aber es sollten auch bei Beratern keine herumliegen, oder mit Außenstehenden über bestimmte Probleme gesprochen werden, so dass eine Geschichte plötzlich im Dorf die Runde macht.

Ein Fakt, der nicht erst mit der Einführung der neuen Grundverordnung in der Kritik stehen sollte, oder?

Stimmt. Eines der Ziele sollte zudem sein, Datensätze, die da sind, auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Im Prinzip müsste ich jetzt alle Jugendlichen, deren Nummern ich habe, fragen, ob diese in meinen Unterlagen oder in meinem Smartphone verbleiben dürfen.

Das ist eine immense Aufgabe.

Bei mir sind es nicht so viele Kontakte, denn ich habe ja erst in meinem Gebiet angefangen. Da bin ich in einer guten Position. Der Träger, das Diakonische Werk, hat jetzt aber zum Beispiel einen Datenschutzbeauftragten bestimmt.  Ein großes Thema sind in der Jugendarbeit indessen Facebook- und Whatsapp-Gruppen. Viele sind da schon abgeschafft.

Wie verhalten Sie sich?

Ich führe sie weiter. Ich sehe keine Alternative aufgrund der knappen zeitlichen und personellen Ressourcen. Es gibt auch Apps, die ähnliche Funktionen bieten, aber das kommt bei den Jugendlichen schwer an.

Wie wird mit Bilddokumenten über die Jugendarbeit umgegangen? Betrifft die Datenschutz-Grundverordnung auch diesen Teil?

Ich habe schon von Trägern gehört, die alle Bilddateien, die ohne explizite Zustimmung aufgenommen wurden, gelöscht haben. Denn bei Jugendlichen unter 16 Jahren müssen prinzipiell die Eltern zustimmen. Da wurden zum Beispiel auch alte Fotocollagen von den Wänden genommen, da Jugendliche darauf identifizierbar sind. Es wird vermieden, private Handys zum Fotografieren zu nehmen. Denn letztlich haben die verschiedenen App-Anbieter dann jeweils Zugriff auf gespeicherte Fotos. Es werden also besser extra Fotoapparate benutzt. Es läuft sogar die Diskussion, ob Smartphones in der mobilen Jugendarbeit nicht generell abzulehnen sind. Denn wie sollen Jugendliche bei einer Drogenberatung Vertrauen haben, wenn sie über die Bewegungsdaten des Beraters möglicherweise der Strafverfolgung ausgesetzt werden? Es kam schon vor, dass Sozialarbeiter gehackt und abgehört wurden.

Das alles spielt wahrscheinlich in der Mobilen Jugendarbeit auf dem Lande kaum eine Rolle.

Für die Jugendlichen ist das natürlich kaum ein Thema. Und das ist ja auch okay so. Aber langfristig wird einfach eine Datensammlung von den einzelnen angelegt, deren Auswirkungen nicht abzuschätzen sind. Es ist einfach auf den Sinn zu achten. Generell unterscheidet sich die neue Grundverordnung nicht so sehr vom bisherigen Datenschutzgesetz. Allerdings sind Strafen gestiegen. Die Verarbeitung muss transparent sein und die Pflicht zur Mitteilung ist verschärft.

Wozu benutzen Sie Whatsapp und Facebook in der Jugendarbeit?

Um Angebote zu machen oder um mitzuteilen, wann ich wo bin. Inhalte werden über diesen Kanal normalerweise nicht weitergegeben. Und wir machen uns natürlich Gedanken um Alternativen.

Aber wie stellen Sie den Erstkontakt zu den Jugendlichen her?

Die meisten treffe ich tatsächlich einfach in den Clubs. Ich habe aber auch Zettel in die Schaukästen der Gemeinden gehängt, um zu informieren, wann ich wo bin.

Das ist nun wahrhaftig eine Kommunikationsplattform der ganz alten Schule. Hat’s funktioniert?

Manchmal schon. Dann wurden einige zusammengetrommelt. Vielleicht aber auch weil Eltern und Großeltern das gelesen und Bescheid gesagt hatten.

Von Heike Liesaus

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Eilenburger Garagenkomplex Fischerweg gab es in der Nacht zum Sonnabend erneut ein Feuer. Zwei Garagen brannten komplett aus. Die Polizei sucht Zeugen.

28.05.2018

Noch ist ein bisschen Zeit, doch wer für die bevorstehenden Sommerferien planen möchte, sollte rechtzeitig über die Angebote in der Stadt Eilenburg Bescheid wissen.

28.05.2018

Zum Kindertag im Tierpark Eilenburg kamen Mädchen und Jungen voll auf ihre Kosten. Bei Spielen und Streicheleinheiten mit den Tieren verging der Nachmittag besonders schnell.

31.05.2018