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Deich Hainichen: Anwohner sind besorgt, OBM bittet um Geduld

Baufahrplan steht Deich Hainichen: Anwohner sind besorgt, OBM bittet um Geduld

Der Deichbau am Eilenburger Ortsteil Hainichen verschiebt sich weiter. Die Anlieger würden gern ihrem Ärger mit verstärktem Protest Luft machen. So war’s in der Versammlung des Ortschaftsrates zu spüren. Doch Oberbürgermeister Ralf Scheler bat sie, ihm, den Genehmigungsbehörden und den Planern ein halbes Jahr Zeit zu lassen.

Bei Muldehochwasser muss hinterher das Wasser der Rietzschke aus dem Ort gepumpt werden.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Der Erörterungstermin im Zuge des Planfeststellungsverfahrens für den Bau des neuen Deichs im Eilenburger Ortsteil Hainichen steht nun fest: Am 17. Oktober ab 10 Uhr sollen in der Landesdirektion Leipzig Einwände freier Träger und Anlieger behandelt werden. Diese Nachricht konnte Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) in der Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstagabend überbringen. Er hatte das Schreiben tags zuvor aus der Landesdirektion erhalten. „Das ist für mich ein Signal, dass der Fahrplan eingehalten wird“, erklärte das Stadtoberhaupt. Allerdings hatten die Hainichener eine früherer Abfahrtszeit erwartet. Deshalb waren die Gästereihen im Zschettgauer Bürgerbegegnungszentrum außergewöhnlich dicht besetzt. Und eben nicht allein, weil es in der Sitzung auch um den neuen Spielplatz im Ort gehen sollte.

Baustart 2018

Die Anwohner wollten aus erster Hand hören, was bereits vor einigen Tagen in der LVZ zu lesen war: Der Bau des Deichs, der den Ort vor Hochwasser schützen soll, soll erst Mitte 2018 starten. Die Angst vor weiteren Verzögerungen ist da. Schließlich war Hainichen im August 2002 überflutet worden. Dann kam das nächste Jahrhunderthochwasser schon nach elf Jahren: Im Juni 2013 konnte Hainichen nur knapp vor erneuter Überschwemmung bewahrt werden. Danach war ein 800 Meter langer Teil des maroden Deichs mit Spundwänden stabilisiert worden. Der andere Flügel soll näher an den Ort herangezogen und der Mulde so Überflutungsflächen zurückgegeben werden. Doch das Planfeststellungsverfahren, das bereits vor 2013 gestartet war, zieht sich hin. „Wie lange sollen wir noch warten?“, kam die Frage aus dem Publikum. „Nun wollen auch noch die Archäologen graben.“ Er verstehe, das in den vergangenen Jahren Vertrauen verloren gegangen ist, räumte der OBM ein. „Aber es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir machen den Fahrplan kaputt, oder wir halten ein halbes Jahr still und ich bleibe an der Situation dran.“ Er wolle den Behörden, „Auf den Nähten knien“, versprach er. „Doch ich bitte Sie darum, den Ball ein halbes Jahr flach zu halten. Ansonsten übernehme ich keine Verantwortung mehr.“

Verwaltungsverfahren

Unter anderem sei das Projekt auch zugunsten des Deichs bei Püchau zurückgestellt worden. Doch das sei fachlich richtig und wichtig, habe ihm der Eilenburger Wehrchef Gunter Kneiß bestätigt. In dem halben Jahr müssten nun „alle Verwaltungsverfahren, die nötig sind, abgearbeitet, werden. „Für das erste Quartal 2018 wurde der Planfeststellungsbeschluss zur Errichtung der Nordflanke Hainichen in Aussicht gestellt, wenn alle erforderlichen Unterlagen rechtzeitig vorgelegt werden“, so hatte Ralf Scheler bereits nach dem Treffen mit Landesdirektion und Talsperrenverwaltung informiert. Die reine Bauzeit des Deiches soll fünf bis sechs Monate betragen.

Differenzen um Grundstück

Die Anwohner sorgten sich darum, ob nach all der Zeit die Finanzierung des Projekts gesichert sei, und um Differenzen mit einem Grundstückseigentümer. „Als der Deich von Eilenburg nach Hainichen gebaut wurde, da haben wir auch Land hergegeben. Da hieß es: Gemeinwohl geht vor Eigenwohl. Wie kann das heute sein?“, so eine Anwohnerin. In Sachen Finanzierung konnte Scheler beruhigen und zur Grundstücksfrage soll es in den nächsten Wochen eine Entscheidung geben.

Deichschutz

„Und werden wir denn Hilfe erhalten, wenn die Situation wieder so kommt wie 2013? Wird überhaupt daran gedacht, uns zu schützen?“, wurde weiter gefragt. Denn damals war der marode Deich schon von der Stadt aufgegeben, aber dann von den Hainichern selbst verteidigt worden. „Wenn bei entsprechender Vorwarnzeit alles gegeben ist, bezweifle ich, dass sich jemand weigert, das nicht zu tun“, so Scheler.

Von Heike Liesaus

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