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Deichbauarbeiten gehen weiter

Deichbauarbeiten gehen weiter

Die Kossener sind dabei, ihre Häuser zu trocknen, am Straßenrand warteten gestern noch geflutete, kaputte Haushaltsgeräte auf Abholung, der grobe Dreck ist raus und nur wenige Meter davon entfernt soll nun der Bau des Flügeldeichs weitergehen.

Kossen. Denn für Betonierarbeiten an der Deichscharte gab es eine Änderung des Planfeststellungsverfahrens, gültig ab 1. Juni. Sie dürfen ausnahmsweise trotz des Seeadlers weitergehen. Am 6. Juni hatte die Landesdirektion die Landestalsperrenverwaltung (LTV) darüber informiert. Aber das Wasser war noch schneller, das kam am 3. Juni.

In Kossen sind nun erneut Schäden im mindestens sechsstelligen Bereich zu beklagen. Dabei hätte der Flügeldeich, für den Baukosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro veranschlagt sind, das Wasser garantiert vom Ort weggehalten, stellt Bürgermeister Ralf Tauchnitz (WV) fest. Ja, wenn das Bollwerk aus Sand und Lehm bereits fertig gewesen wäre. Aber es stand nur ein Teil davon. Doch das habe ohne Probleme gehalten, ruft Tauchnitz auf dem Handy Fotos auf, auf denen sich die Wasserflächen rechts und links des bereits aufgeschütteten Bereichs dehnen. "Da wäre sogar noch etwas Platz gewesen."

Gestern beseitigten Mitarbeiter der Baufirma noch Schäden, die die Flut auf der Baustelle hinterließ. Sie hatten auch geholfen, im Ort Schlamm zu beseitigen und verstopfte Abflüsse freizumachen, denn auch wenn der Boden in einigen Bereichen bereits nahezu staubtrocken ist, an anderen Stellen staut sich das eingeströmte Wasser. In einigen Tagen können dann die Arbeiten an der Deichscharte, über die künftig der Zugang in die Aue möglich wird und die im Flutfall verschlossen wird, weitergehen. Normalerweise darf wegen des Seeadlers, der in den Pappeln nördlich von Kossen seinen Horst gebaut hat, nur zwischen 15. Juli und Ende Februar gebaut werden. Die Landestalsperrenverwaltung, die den Flügeldeich baut, hatte bei der Landesdirektion die entsprechende Änderung des Planfeststellungsverfahrens in Sachen vorgezogener Arbeiten an der Deichscharte beantragt.

"Im November aber sollen die Bauarbeiten in Sichtachse des Horstes ebenfalls unterbrochen werden", stellt Tauchnitz fest. Und zählt an den Fingern ab, wann seit dem Baubeginn im vorigen August tatsächlich etwas an der Baustelle getan werden durfte: Nach der Unterbrechung im Spätherbst kam bald der Winter und der blieb lang.

Aufgrund des Änderungsbescheids, der an die LTV ging und der ihm vorliegt, dürfen in den kommenden Wochen trotz Seeadler in der Nachbarschaft immerhin die Schaltafeln für die Herstellung der Wände der Deichscharte auf-, um- und abgebaut, die Bewehrung der einzelnen Bauteile per Hand hergestellt und betoniert werden. Im Bereich nördlich des Deichs darf sich nichts abspielen. Festgeschrieben ist zum Beispiel, dass die Fahrzeuge nur bestimmte Wege zur Baustelle nutzen dürfen. Am Deichkörper selbst wird somit bis Mitte Juli nicht gearbeitet. Dabei ist Tauchnitz bewusst: So ein Hochwasser kann jederzeit wiederkommen. Und nachdem nun auch noch der Altdeich näher an der Mulde gebrochen ist, "gibt es aktuell gar keinen Schutz mehr". Deshalb werde sich die Gemeinde nochmals an die Landesdirektion wenden. "Wir fordern die sofortige Wiederaufnahme der Arbeiten am gesamten Flügeldeich."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Liesaus, Heike

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