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Der Kampf gegen "Hochwasserdemenz"

Der Kampf gegen "Hochwasserdemenz"

Die Bürgerinitiative (BI) HQ 100-Schutz für Glaucha hat auf ihrer Mitgliederversammlung am Freitagabend im Gasthaus "Zur Grünen Muldeaue" erstmals Bilanz seit ihrer Gründung im September gezogen.

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Voller Gasthof in Glaucha: Die Bürgerinitiative lud am Freitag zur ersten großen Mitgliederversammlung.

Quelle: Nico Fliegner

Glaucha. 77 von 126 Mitgliedern folgten der Einladung. Und die wollten vor allem eins wissen: Wie geht es weiter mit dem Hochwasserschutz für das Dorf, das im Juni unter Wasser stand?

In roten Hemden mit dem Schriftzug der BI im Kragen begrüßte der Vorstand um Thomas Hartmann die Mitglieder. Die Stühle reichten anfangs nicht aus, zusätzliche mussten aufgestellt werden, so groß war das Interesse.

Seit vorigem Spätsommer, als sich die Initiative offiziell gründete, sind wieder reichlich Monate ins Land gegangen. Monate, in denen sich die Einwohner von Glaucha nach wie sorgen, wie es um die Deiche in ihrem Dorf bestellt ist. Denn käme ein erneutes Hochwasser anno 2013, wäre Glaucha zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend gesichert. Die Ortschaft an der Mulde würde abermals absaufen.

Die BI, insbesondere der Vorstand, habe allerdings seither nicht locker gelassen, die Probleme gegenüber Politikern und Behörden offen anzusprechen und sich für einen besseren Hochwasserschutz einzusetzen, auch wenn das alles andere als einfach ist, wie aus dem Jahresbericht, den Hartmann vorgetragen hatte, deutlich wurde. Über den Landkreis bis nach Dresden gebe es Kontakte, so der Vorstand. Und für ihr sachliches Auftreten werden die Vertreter der BI auch geschätzt und vor allem gehört.

Hartmann sagte, dass nach 2002, als Glaucha das erste Mal in jüngerer Zeit vom Muldehochwasser betroffen war, eine "Hochwasserdemenz" eingesetzt habe. "Hochwasserdemenz" deshalb, weil schnell vergessen wurde, dass die Deiche nicht mehr die besten sind und dass ein erneutes Hochwasser schlimme Folgen haben könnte. Das Hochwasser im Juni 2013 kam schließlich - und Glaucha ging unter. "Wir haben uns auf die Verwaltung verlassen", so Hartmann mit Blick auf die Jahre nach 2002. Doch Glaucha war verlassen, denn an den Deichen ist nichts passiert. "Jetzt sorgen wir dafür", so die kämpferische Losung der BI. Und deren Bilanz ist nicht die schlechteste, wenngleich das Hauptziel, einen HQ-100-Hochwasserschutz zu bekommen, nach wie vor in weiter Ferne liegt.

Stand heute, und das hat sich die BI weitgehend selbst zu verdanken: Die Deiche bei Glaucha sollen ertüchtigt werden und damit einen Schutzstatus erhalten wie vor dem Juni-Hochwasser. Das sagte Antje Brumm, Leiterin des Umweltamtes beim Landkreis, die zur Jahreshauptversammlung eingeladen war. Brumm hatte noch am selben Tag mit Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung telefoniert. Geplant sei die Profilierung des Deiches und der Neubau des bestehenden Siels am Rinderstall, verkündete sie. Noch in diesem Jahr soll das Projekt seitens LTV ausgeschrieben, im nächsten Jahr dann gebaut werden.

Einigen der Mitglieder dauert aber selbst das zu lange, weil die Angst vor neuem Hochwasser groß ist, zumal es schon seit Wochen nicht richtig geregnet habe, wie eine Einwohnerin sagte. Doch angesichts des allgemeinen Aufwands, der bei Deichprojekten betrieben wird und der vor allem Zeit kostet, sei die Deichsanierung allemal "ein großer Schritt", wie Gudrun Weise von der BI versuchte, die Kompliziertheit der ganzen Problematik einzuordnen. "Von jetzt auf gleich geht nichts", ergänzte schließlich Hartmann. Und Glaucha genießt nun mal nicht oberste Priorität, steht bekanntlich an 580. Stelle auf der Liste des Freistaates. Doch die BI habe Forderungen gestellt, und die würden mittlerweile auch in der Bearbeitung sein. Und sie will weiter für ihr Hauptziel kämpfen - den HQ-100-Schutzstatus.

Die Forderungen der Bürger:

Wir fordern die Errichtung eines Flügeldeiches (min. HQ 100), der sich von Hohenprießnitz, Kleingartensparte, bis zum Siel an der B 107 erstreckt. Dieser Bau sollte natürlich die Interessen des Naturschutzes und der Landwirtschaft berücksichtigen, die sich aber nicht zeitverzögernd auswirken dürfen. Daran muss sich eine ordentliche Bewirtschaftung anschließen. Die ausreichend groß dimensionierten Siele in Nieder- und Oberglaucha müssen so hergerichtet werden, dass sie durch Katastrophenkräfte jederzeit sicher erreichbar sind.

Wir fordern eine sofortige angemessene Deichertüchtigung. Dieser ist stark durch Wühler beschädigt. Im statisch am höchsten beanspruchten Bereich - Eingang zum "Muldebogen von Laußig" bis hinter die Einengung durch den Deich Gruna - ist eine Sicherung mit Spundwand notwendig. Auch hier werden ausreichend groß dimensionierte Siele in Nieder- und Oberglaucha gefordert.

Wir fordern die Betreibung und Unterhaltung der Stauanlagen zur Verhinderung von Hochwasser.

Wir fordern die unverzügliche Reinigung und Beräumung der angrenzenden Gewässer 1. Ordnung (Altes Wasser, Alte See, Gewässer am Siel B107).

Wir fordern die unverzügliche Reinigung und Beräumung der angrenzenden Gewässer 2. Ordnung durch die Gemeinde.

http://glauchahq100.wordpress.com|0|0||N

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.04.2014

Von Nico Fliegner

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