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Eilenburg Der Wildschützer Gerd Kürsten ist der Heimatgeschichte auf der Spur
Region Eilenburg Der Wildschützer Gerd Kürsten ist der Heimatgeschichte auf der Spur
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06:03 12.05.2018
Gerd Kürsten hat alte Schriften für die Eilenburger Ausstellung zum 30-jährigen Krieg übersetzt. Quelle: Bärbel Schumann
Wildschütz/Eilenburg

Nicht weit von der Kirche entfernt steht die alte Wildschützer Dorfschule. 1883 aus Quarz-Porphyrsteinen des örtlichen Steinbruchs gebaut, steht sie unter Denkmalschutz. In seinem Inneren beherbergt das kommunale Gebäude nicht nur Räume für die Dorfgemeinschaft. In den oberen Zimmern fand das Heimatmuseum eine Heimstatt. Träger des Museums ist der Heimatverein des Ortes. Seit 2004 wird die Sammlung von Gerd Kürsten ehrenamtlich geführt. „Aus Liebe zur Heimat, denn Wildschütz ist für mich Heimat“, erklärt der ehemalige Fernmeldetechniker und jetzige Ruheständler. Bei einem kleinen Rundgang ist das zu spüren, immer wieder erzählt Kürsten Geschichten zu dem einen oder anderen Exponat: Von der Dorfschneiderei, einem Unglück im Wildschützer Steinbruch und dem Einsatz des hier gewonnenen Gesteins vom Straßenpflaster bis zum Denkmal, den Zeugnissen zur Geschichte der Imkerei in der Region oder dem Leben in der Dorfschule. „Ich bin hier noch 1950 eingeschult worden“, so der 74-Jährige, dessen Eltern es 1945 als Flüchtlinge nach Wildschütz verschlug.

Wildschützer übersetzte Schriften für Eilenburger Ausstellung

Wenn jetzt in Eilenburg und Delitzsch die Sonderausstellungen „Kampf und Leid“ eröffnet werden, dann hat auch der Wildschützer zu deren Gelingen beigetragen. Als Mitglied im Eilenburger Geschichts- und Museumsverein übertrug Gerd Kürsten gemeinsam mit Peter Hennig in Vorbereitung der Schau hunderte historische Zeitdokumente in unsere heutige Normalschrift. Dabei fand er manches Interessante auch für sein Ehrenamt im Heimatmuseum heraus. Schließlich beherbergt das auch einige Dokumente und andere Exponate wie Kanonenkugeln aus dieser Zeit. Und besagte Kanonenkugel wird auch in der Eilenburger Ausstellung zum 30-jährigen Krieg zu sehen sein.

Gerd Kürsten erwarb alten Brief von 1719

Durch seine Leidenschaft für Altes und Alte Schriften kam Kürsten auch ein Brief von 1719 in die Hände, den der örtliche Pfarrer damals nach Torgau an die Suptur schrieb und darin die katastrophalen Zustände der 23 noch im Dorf lebenden Einwohner vor Ort skizzierte. Er bat um Kollekte aus Torgau zur Reparatur der Dorfkirche, um den Menschen wieder einen Ort die Zuversicht geben zu können. „Im Internet wurde der Brief angeboten und da konnte ich einfach nicht widerstehen, ihn wieder in die Region zu holen und ihn zu übersetzen“, so Kürsten.

Wildschützer ist eng mit der Historie seines Ortes verbunden

All dieses Engagement des Wildschützers sind Zeichen, wie sehr der Hobby-Forscher mit der Geschichte seiner Heimat verbunden ist und wie er versucht, regionale Zeugnisse der Geschichte für die nächsten Generationen zu bewahren. Nachdenklich wird er allerdings, wenn es um seine Nachfolge im Heimatmuseum geht. Die will er selbst in die Hand nehmen und ist bereits auf dem Weg, eine Lösung zu finden, um den Schlüssel zum Heimatmuseum in jüngere Hände einmal abgeben zu können.

Von Bärbel Schumann

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