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Eilenburg Die Bienenflüsterin aus Naundorf
Region Eilenburg Die Bienenflüsterin aus Naundorf
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00:32 22.03.2018
Imkerin Christine Prautzsch aus Naundorf betreut seit 2010 dieses Hobby. Sie ist eine der beiden Vorsitzenden des Imkervereins Eilenburg und Umgebung. Quelle: privat
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Eilenburg

Es gibt viele Wege für Ruhe und Entspannung: Spaziergänge im Grünen, Yoga, ein Buch lesen oder in die Sauna gehen. Christine Prautzsch muss nichts anderes tun, als ihre Bienen zu besuchen. „Das ist ein super Ausgleich. Ich kann vollkommen abschalten“, sagt die Hobby-Imkerin aus dem Zscheppliner Ortsteil Naundorf mit einem Lächeln. Seit etwas mehr als einem Jahr leitet die 45-Jährige zusammen mit Jürgen Weinert den Imkerverein Eilenburg und Umgebung.

Prautzsch besitzt zwischen zehn und zwanzig Bienenvölker. In der Hoch-Zeit im Sommer macht das bis zu eine Million Individuen. Aktuell, also kurz nach der Winterruhe, wenn die Temperaturen allmählich ansteigen, die Bienen erwachen und ihre Rundflüge starten, sind es rund 200 000. So oder so, das Gewimmel in ihren Bienenstöcken ist enorm – und das gefällt der Finanzbeamtin besonders am Umgang mit den summenden Bestäubern. „Es ist toll, dem faszinierenden Durcheinander zuzuschauen“, meint sie und schwärmt von der aromatischen Luft, die sich im Innern eines Bienenwagens wohltuend ausbreite.

Christine Prautzsch bietet zwischen zehn und zwanzig Bienenvölkern ein Zuhause. Quelle: privat

Imkern ist anfänglich ein kostenintensives Hobby mit jeder Menge Arbeit zwischen März und September. Pro Bienenvolk respektive Bienenkasten seien etwa zehn Stunden im Jahr einzuplanen, um sich um die Haltung, Vermehrung und Züchtung der fleißigen Immen zu kümmern, erklärt Prautzsch. Dazu kommt die Honigernte. Für die Handhabung braucht es Geschick und Vorsicht. „Bienen mögen keine Erschütterung“, weiß die Bienenflüsterin. Ein Volk kann jährlich im Durchschnitt bis zu 40 Kilogramm der goldgelben Flüssigkeit produzieren. Auch deshalb ist Imkern körperlich anspruchsvoll.

Dem Eilenburger Imkerverein, der im vergangenen Jahr sein 120-jähriges Jubiläum feierte, gehört sie seit 2010 an. Die Organisation hat derzeit großen Zulauf. War die Mitgliederzahl nach der politischen Wende noch auf knapp 15 Leute eingebrochen, gibt es inzwischen wieder mehr als 50 Personen, die sich im Verein engagieren und über 300 Völker betreuen. Die Älteste ist 88, der Jüngste 15. Die Zahl der Imkerinnen wächst. Fast ein Drittel der Mitglieder sind Frauen. Neulinge bekommen stets einen Patenimker an die Seite gestellt – könne das sogenannte Imkerlatein doch am Anfang überfordern. „Man muss sich mit der Biologie der Biene auskennen“, betont Prautzsch, „um gezielt Eingriffe vornehmen zu können.“

In der Hoch-Zeit betreut Christine Prautzsch bis zu eine Million Bienen. Quelle: privat

Gezielte Eingriffe sind dringend erforderlich, um die gefürchtete Varroamilbe im Griff zu halten. Der Parasit saugt die Körperflüssigkeit der Bienen aus und überträgt dabei krankheitsauslösende Viren. Ohne imkerliche Fürsorge bewirkt die Milbe im Zusammenspiel mit Umweltgiften ein seuchenartiges Bienensterben. Allein die Winterverluste liegen im Schnitt bei 20 bis 30 Prozent. „Die Milbe ist unsere größte Herausforderung“, so die Imkerin. Aber auch ein ausreichendes Blütenangebot sei für Bienen überlebenswichtig.

Dass sie sich überhaupt mit den kleinen Flügeltieren beschäftigt, ist ihrer Tochter geschuldet. Aus einem Ganztagsangebot an der Grundschule in Hohenprießnitz vom Schulimker Rüdiger Praters aus Krippehna und einem Privatkurs 2010 folgte eine große Bienenleidenschaft. „Ich war recht schnell infiziert vom schönsten Hobby der Welt“, erinnert sich Prautzsch.

Rund zehn Mal im Jahr wird im Eilenburger Imkerverein ein Stammtisch abgehalten. Die Mitglieder, die sich auch im Umkreis von Bad Düben, Kossa, Laußig, Wölkau, Wildschütz und Jesewitz verteilen, stehen in engem Kontakt, haben unter anderem eine eigene Whats-App-Gruppe erstellt, über die sie sich gegenseitig informieren und Hinweise geben. Alljährlicher Höhepunkt ist das Bienenfest im Tierpark. Prautzsch: „Da erhoffen wir uns natürlich auch dieses Mal wieder eine große Resonanz.“ Für weitere Infos: www.imkerverein-eilenburg.jimdo.com

Von Matthias Klöppel

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