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Die Frau fürs gute Benehmen in Nordsachsen

Knigge-Kurse Die Frau fürs gute Benehmen in Nordsachsen

Frauke Weigand ist eines der wenigen sächsischen Mitglieder in der Deutschen Knigge-Gesellschaft. Sie hat gutes Benehmen zu ihrem Beruf gemacht und ist mittlerweile von der IHK-zertifizierte Trainerin für „Business-Etikette“. Schon einige Hundert Nordsachsen haben an ihren Kursen teilgenommen.

Frauke Wiegand – die Frau für das gute Benehmen.

Quelle: Dirk Hunger

Eilenburg. Höflichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr – dieser Spruch wird mal Wilhelm Busch, mal Erich Kästner zugeschrieben. Mal ist statt „Höflichkeit“ von „Bescheidenheit“ die Rede. Doch egal wie: Frauke Weigand teilt diese Idee nicht. Umgangsregeln zu kennen, hilft sehr wohl weiter, macht das Leben angenehmer, gibt Sicherheit, so ihr Credo. Und das hat sie seit einigen Jahren in ihren Kursen an Hunderte junge und ältere Nordsachsen weitergegeben. „Konsequent souverän“ steht in geraden Buchstaben auf der Visitenkarte unter dem geschwungenen „Actio pro“, dem Namen ihrer Knigge- und Veranstaltungsagentur. „Wir brauchen gewisse Spielregeln, die den gesellschaftlichen Verkehr erleichtern und über manche Verlegenheit hinweghelfen. Zudem vermitteln gekonnte Umgangsformen Selbstvertrauen“, erklärt die Deutsche Knigge-Gesellschaft, der die 50-Jährige angehört, auf ihrer Website.

Trainer der Gesellschaft sind im Osten Deutschlands eher rar. In den mitteldeutschen Bundesländern gibt es neben der Leipzigerin jeweils eine weitere Mitstreiterin in Halle, Chemnitz und in Jena. Was natürlich nicht bedeutet, dass Benimm-Kurse nur unter dem Knigge-Label zu belegen sind. Mal heißen sie auch „Antiblamier-Kurse“. Und Teilnehmer eines Tanzschul-Lehrgangs bekommen ebenso viele Umgangsregeln mit auf den Weg.

Frauen dürfen Frauen in den Mantel helfen

Doch wie ist das denn heutzutage? Sollte sich Frau von heute den Mantel halten lassen? Sollte in der Versammlung allen die Hand geschüttelt werden? Frauke Weigand weiß Antwort: Handschlag ist beim Hinzustoßen zu Gruppen bis zu fünf Personen angesagt. Die Einstiegshilfe in den Mantel darf auch die emanzipierte Frau gern annehmen. Sie darf das nette Angebot aber auch ablehnen. Es ist nicht mehr wie früher nur der eigene Begleiter zur Hilfe berechtigt, Frauen dürfen auch Frauen helfen. Wie ist es mit dem Zurechtrücken des Stuhls im Restaurant? „Es passt sicher nicht immer und überall. Aber mein Mann macht das und es freut mich“, sagt Frauke Weigand. „Sehr vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert. Früher gab es sogar Frauen-Karten in Restaurants. Ohne Preise. Die Dame sollte sich keine Sorgen über die Ausgaben machen.“ Neue Normen festzuhalten, gehört zu den Aufgaben, die sich die Knigge-Gesellschaft gegeben hat.

Frauke Weigand hat indessen unter dem Titel „Wüsste Knigge es besser?“ sogar ihr zweites Büchlein mit „Tipps für sichere und zeitgemäße Umgangsformen“ verfasst. Das Format lässt sich leicht in der Tasche unterbringen, falls wirklich jemand mal ganz schnell nachschlagen will. „Es besteht aus Antworten auf viele Fragen, die ich in meinen Kursen gestellt bekomme“, erklärt sie. Das Cover ist im Stil der 50er-Jahre gehalten, so wie die Zertifikate für ihre Kurse, die sie auch ausgibt. „Damals wurde das gute Benehmen ja noch mehr gehypt. Aber das kommt auch wieder. Wer viel mit Menschen umgeht, braucht das.“ Das sei nicht allein wichtig, um angenehm auf die Umgebung zu wirken. Sondern auch für jeden persönlich, „damit man sich nicht verbrennt“. So wirkt Höflichkeit als Anti-Verschleißmittel für die Seele.

Mehr Höflichkeit macht das Leben schöner

Ihr falle schon auf, dass mancherorts ein wenig mehr Höflichkeit das Leben schöner machen könnte, sagt Frauke Weigand. Leute, die in einen Laden gehen, ohne aufzuschauen, ob sie begrüßt werden. In Diskussionen einfach den anderen ausreden lassen, als Chef den richtigen Ton gegenüber den Mitarbeitern treffen, andere Meinungen zulassen. All das gehöre dazu. „Im Fall eines Falles einfach sagen: Das irritiert mich jetzt, meinen Sie das wirklich so? Konfrontation sollte nicht verstärkt werden, auch oder gerade dann, wenn Sie innerlich kochen. Denn gerade dann fehlt der Durchblick“, rät die 50-Jährige.

Trotzdem habe Höflichkeit nichts mit Unehrlichkeit zu tun: „Ich kann einer Freundin schon sagen, dass ich das rote Kleid an ihr nicht so passend finde. Es kommt darauf an, das auf die richtige Art zu sagen.“

Wer ist nun dieser „Knigge“, der für die deutschen Regeln des guten Benehmens steht? Er wollte, dass die Menschen besser zurechtkommen. Er war vor allem Aufklärer in einer Zeit gesellschaftlichen Wandels. Damals war es neu, „Vorschriften für den Umgang mit allen Klassen von Menschen zu geben“, wie er selbst im Vorwort für sein Buch „Über den Umgang mit Menschen“ schrieb. Sein Name steht heute stellvertretend für Benimm-Regeln. Dem Freiherrn haftet ein eher verstaubtes und steifes Image an. „Sehr zu Unrecht“, befindet Frauke Weigand. Sein Werk war eher soziologisch ausgerichtet. „Und gerade er hat sich eher über die steifen Rituale bei Hofe lustig gemacht.“ Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge, der von 1752 bis 1796 lebte, vertrat zwar zum Beispiel die Ansicht, sich auf die Gesellschaft, in der man sich gerade befindet, einzustimmen, zwar geschmeidig zu sein, sich aber nicht zu verbiegen. „Es geht zudem darum, Menschen wertzuschätzen“, erklärt Weigand. „Ich ärgere mich, wenn zum Beispiel schlecht mit Dienstleistern umgegangen wird, und somit nicht gewürdigt wird, dass jemand diese Aufgabe übernimmt. Oder es wird nach Äußerlichkeiten gegangen. Doch Labelklamotten haben noch niemanden wirklich liebenswerter gemacht.“

Initialzündung bei Vortrag

Die Leipzigerin verbrachte das dritte bis achte Lebensjahr in Syrien, Damaskus. Der Vater baute dort eine Erdölleitung. Sie ging auf die Botschaftsschule. Auch wenn aus dieser Zeit keine konkreten fassbaren Kenntnisse, wie etwa der Sprache blieben, „möglicherweise hat mir das aber eine gewisse Toleranz mitgegeben“, sagt sie. Einen kleinen Teil ihres Berufslebens macht heute noch das einst studierte Bauingenieurswesen aus. Den größten haben Knigge und Veranstaltungen, die sich mit ihm beschäftigen, aber auch Lesungen, Chansonabende, die sie mit Künstlern gestaltet oder vermittelt, erobert. Selbst Hochzeitsrituale für Paare oder Namensgebungen für neue Erdenbürger, die nicht religiös gebunden sind, hat sie schon ausgerichtet. Alles Bereiche, in denen die Sicherheit des guten Benehmens sehr nützlich ist.

Die Initialzündung für ihren Werdegang bekam sie bei einem Vortrag von Michael Klein, dem inzwischen verstorbenen Gründer der Knigge-Gesellschaft. Der begeisterte so, dass sie ein Seminar belegte. Mittlerweile ist sie Trainerin für Business-Etikette mit Zertifikat der Industrie und Handelskammer. Sie hat schon Auszubildende für Gastronomie, Mitarbeiter von Autohäusern oder Apotheken sowie Altenpfleger geschult, wird beispielsweise von der Bildungsagentur und von der Volkshochschule unter anderem in Oschatz, Eilenburg, Schkeuditz, Delitzsch, Torgau und Taucha in der Erwachsenenqualifizierung beauftragt.

Das Schöne: Gutes Benehmen zu erlernen, ist durchaus unterhaltsam. Das gefällt am Ende selbst jungen Teilnehmern in den Kursen der Jugendweihevorbereitung, die den Nachmittag bei ihr nicht immer aus eigenem Antrieb belegen. Das Drei-Gänge-Menü für die übende Gruppe wird in einem traditionellen Restaurant serviert. „Da darf dann auch ein Schwätzchen gehalten werden“, erzählt Fauke Weigand. „Neulich hat sich ein junger Mann, der in meinem Kurs war, bedankt. Sein erstes Date hatte geklappt. Er hat einige meiner Tipps befolgt.“

Von Heike Liesaus

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