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Eilenburg „Die Muna macht dicht“ - Bundeswehr-Depot in Mockrehna schließt - Weniger Posten in Leipzig
Region Eilenburg „Die Muna macht dicht“ - Bundeswehr-Depot in Mockrehna schließt - Weniger Posten in Leipzig
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23:13 26.10.2011
31 der bundesweit knapp 400 Bundeswehr-Standorte werden geschlossen - darunter auch Mockrehna in Sachsen. Quelle: dpa
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Mockrehna/Leipzig

„Die Muna macht dicht“ – für Aufregung sorgt diese Nachricht am Mittwochmorgen auch im Friseursalon „Zottelstube“ in Strelln, einem Dorf unweit des Munitionsdepots. „Meine Mutter arbeitet dort und muss dann unter Umständen hier wegziehen“, erzählt die 25-jährige Friseurmeisterin Jasmin Dreßler.

Muna heißt das kleine Depot bei vielen in der Gegend um die nordsächsische Gemeinde Mockrehna. Während in der DDR aus dem mehrere Hektar großen, eingezäunten Gelände ein Geheimnis gemacht wurde, gewährte die Bundeswehr, die es 1990 übernommen hatte, der Bevölkerung Einblicke in das Munitionslager. Denn Gesprächsthema ist die Muna sowieso, da dort vor allem Zivilisten aus der Umgebung arbeiten. Mehr als 70 Menschen waren dort noch Ende der 1990er Jahre beschäftigt, darunter Verwaltungsleute, Lagerarbeiter, Tischler – und Soldaten natürlich. Statistisch sind es heute 60 Dienstposten, real 41 Zivilisten und vier Soldaten. Nun steht das Lager vor dem Aus. „Für die Leute, die dort arbeiten, ist das eine Katastrophe“, sagt Mockrehnas Ortsvorsteher Bernhard Wagner. „Für eine Region wie unsere ist der Verlust von 41 Arbeitsplätzen schon allerhand“, konstatiert Peter Klepel (parteilos), Bürgermeister der 5500-Seelen-Gemeinde. Auch Betriebe, die von der Bundeswehr bei der Wartung des Objektes Aufträge erhielten, bekämen den Verlust zu spüren.

In Mockrehna lagert in mehreren Bunkeranlagen Munition für Handwaffen und Artillerie. Das Depot, das 1936 als Luft-Munitionsanstalt errichtet wurde, versorgt mehrere Bundeswehrstandorte. Das übernimmt künftig der Depot-Standort Beeskow in Brandenburg. Oberstleutnant Uwe Rommel, verantwortlich für das Munitionsdepot, beruhigt: „Es fällt niemand ins Bodenlose, es wird keine Entlassungen geben.“ Rommel spricht von sozialverträglichen Veränderungen, von Stellenangeboten an anderen Standorten. „Die angekündigte Schließung wird nicht gleich und sofort passieren“, betont der Oberstleutnant. Er geht von einem Zeitfenster bis 2014/15 aus. Bürgermeister Klepel stellt sich derweil noch eine andere Frage: „Was wird aus dem Objekt?“ Zumal die Bundeswehr in mehr als 15 Millionen Euro die Muna investiert hat. Der Bürgermeister befürchtet eine Ruinenlandschaft. Als vor Jahren ein Teil des Geländes, das die Sowjetarmee nutzte, aufgegeben wurde, sei genau dies passiert.

Insgesamt hat die Bundeswehr seit 1990 in Sachsen 930 Millionen Euro allein in die Infrastruktur investiert, darunter auch in die Sanierung der weitläufigen General-Olbricht-Kaserne im Norden Leipzigs. Der Hauptgefreite Gerrit Glaubitz, der hier als einer der letzten freiwillig Wehrdienstleistenden im Stab arbeitet, findet es schade, dass die einzige Heeresdivision im Osten Deutschlands, die hier ihre Kommandozentrale hat, aufgelöst wird. Den 23-Jährigen selbst wird das nicht mehr berühren. Er zieht im kommenden August die Uniform aus.

Ganz anders berührt das den Kommandeur der 13. Panzergrenadierdivision, Brigadegeneral Erich Pfeffer. Er geht nun im kommenden Jahr für zwölf Monate mit einer Division in den Auslandseinsatz, die praktisch in Auflösung begriffen ist. Der gebürtige Bayer sieht das pragmatisch. „Wir hätten uns gefreut und gewünscht, dass wir die bisherigen Aufgaben auch in der neuen Struktur weiterführen können“, räumt er ein. „Aber wir sehen die Notwendigkeit, die gesamte Ausbildung im Heer von einem Ausbildungskommando zu steuern, die Kräfte also zu bündeln“, ergänzt er. Diese Einrichtung, der dann die Schulen des Heeres, Übungsplätze und vieles andere unterstehen, soll in Leipzig praktisch den Divisionsstab ersetzen. Die Messestadt bleibe damit ein „herausragender Standort des Heeres“. Er selbst, so äußerte der 53-Jährige gegenüber dieser Zeitung, könne sich gut vorstellen, das Ausbildungskommando zu übernehmen. Aber da sei noch nichts entschieden.

Die Division hat derzeit andere Sorgen, da sich die 12.500 Soldaten, die vor allem in Thüringen (Bad Salzungen, Bad Frankenhausen, Gera und Gotha), in Sachsen sowie in Mecklenburg-Vorpommern stationiert sind, auf Afghanistan und Kosovo vorbereiten. Bis Mitte 2013, wenn alle aus dem Einsatz zurück sind, wird daher die 13. Panzergrenadierdivision auf jeden Fall bestehen bleiben. Pfeffer zeigte sich zufrieden, dass die Standorte der Division alle erhalten bleiben, auch wenn es Reduzierungen gebe. Diese würden sozialverträglich erfolgen. Die Einheiten werden dann anderen Divisionen im Westen Deutschlands angegliedert.

In der Leipziger Kaserne, in die schon seit Jahren immer weniger Soldaten kommen, werden etwa 300 Dienstposten wegfallen. Das betrifft insbesondere das Feldjägerbataillon (250 Mann), das aufgelöst wird. Allerdings bleibt eine Feldjägerkompanie mit etwa 120 Mann. Leutnant Danny Gropp, Sprecher des Feldjägerbataillons, geht davon aus, dass der Abbau Ende 2013 beginnt. Unter den Soldaten gebe es daher keine Panik, weil genügend Zeit bleibe. Natürlich sei es nicht einfach, den Dienstort zu wechseln, weil immer auch die Familien betroffen sind.

In Frankenberg, einem wichtigen Standort der Leipziger Division, der auch knapp 300 Dienstposten verliert (von 1170 auf 890), gibt sich Brigadegeneral Gerd Kropf trotzdem zuversichtlich. Der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 sagte dieser Zeitung, er sei dankbar, dass die Brigade in allen Standorten erhalten bleibe. Die Veränderungen, sprich Kürzungen, innerhalb dieser Standorte, würden mit professioneller Gelassenheit umgesetzt. Ebenso pragmatisch sieht er die Unterstellung seiner Brigade unter ein anderes Divisionskommando als „Routine“.

Nico Fliegner / Karin Rieck / Anita Kecke

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