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Die Tage sind gezählt: Baufachhandel in Eilenburg macht dicht

Geschäftsschließung Die Tage sind gezählt: Baufachhandel in Eilenburg macht dicht

Die Tage des Bau-Fachhandels am Eilenburger Nordring sind gezählt. Geschäftsführer Jürgen Jeschke geht in den Ruhestand. Er wird demnächst 63, die Genossenschaft gehört zum selben Jahrgang wie er. Doch die anderen Mitglieder der Genossenschaft zählen in etwa ebenso viele Lenze. So wird die Organisation nun aus Altersgründen aufgelöst.

Jürgen Jeschke und Birgit Merz sichten den Bestand im Verkaufsraum.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Hier scheint alles auf Abschied programmiert: Zwar lagern noch Dämmstoff-Ballen unterm Dach außen, stehen Tapeten, Lasuren, Lacke, Malerwerkzeug, Abtönfarbe da. Aber die Lücken in den Regalen fallen auf. Den Bau-Fachhandel am Eilenburger Nordring wird es bald nicht mehr geben. Geschäftsführer Jürgen Jeschke geht in den Ruhestand, auch die anderen Mitglieder der Genossenschaft sind über 60. So soll die Bau-Fachhandel e.G., die in Jeschke Geburtsjahr gegründet wurde, aufgelöst werden. „Derzeit haben wir auch nur noch sechs Mitglieder“, erzählt er. 1953, als die Genossenschaft fürs Bauhaupt- und Nebengewerbe gegründet wurde, gab es 51 Mitglieder. Maler, Dachdecker, Baumeister, Ofensetzer gehörten dazu. Zu DDR-Zeiten wurde sie in die Einkaufs- und Liefergenossenschaft umgewandelt. „Die ELG ist sicher vielen in Eilenburg ein Begriff“, stellt Jürgen Jeschke fest. Sie war vor allem für Betriebe, für Handwerker der Genossenschaft gedacht, aber auch so mancher, der zu DDR-Zeiten privat ein Haus bauen wollte, schaute dort rein. „Als ich 1976 baute, hatte ich auch eine Zuweisung von der Stadt und bin auch hingegangen“, erinnert sich Jeschke. Denn damals waren Baustoffe knapp, die Beschaffung jedes Sacks Zement eine organisatorische Leistung, obwohl die Häuslebauer über die Zuweisung gewissen Vorzug erhielten.

Als Mitglied stieß Jeschke erst 1992 zur Genossenschaft. Der studierte Verfahrenstechniker wurde als Geschäftsführer angestellt. „Ich hatte aber schon zu DDR-Zeiten in der Materialwirtschaft der zentralen Bauorganisation gearbeitet“, erzählt der 63-Jährige.

Umwandlung

In den 1990er-Jahren waren Baustoffe keine Mangelware mehr, der Bedarf groß und die Konkurrenz der Baumärkte noch nicht aufs heutige Maß gewachsen. Nach der Wiedervereinigung war die Genossenschaft in Bau-Fachhandel umbenannt worden. Bereits damals stieß Birgit Merz dazu. Heute ist sie als letzte von einst fünf Mitarbeitern noch im Geschäft stundenweise beschäftigt. Auch wenn es um einiges ruhiger wurde in den vergangenen Jahren, „wir hatten unsere Stammkundschaft und von der war nun schon ab und an Bedauern zu hören“, erzählt Jürgen Jeschke. „Gerade wenn sie an die Arbeit mit bestimmten Produkten gewöhnt sind, dann möchten sie diese nicht missen. Da muss ich dann nach Leipzig verweisen. Das betrifft nicht nur Betriebe, sondern auch einige unserer privaten Kunden.“ Denn auch jeder, der sein Wohnzimmer tapezieren oder ausmalen wollte, konnte mittlerweile bei der einstigen ELG das nötige Material einkaufen.

Bau-Tradition

Anfangs war sie in der Otto-Nuschke-Straße zuhause. 1995 zog die Genossenschaft am Nordring ein. Das Gebäude hat Bautradition: Der VEB Bau hatte dort seinen Sitz. Noch früher war an dieser Stelle der Baubetrieb Enigk ansässig. Das Hochwasser 2002 hat Jeschke noch gut in Erinnerung. Das Gelände lag mitten im Flutgebiet. „Ein Totalschaden. Alles musste wiederaufgebaut werden.“ Die Computer allerdings konnten er und seine Mitarbeiter vor dem Wasser retten. Und tatsächlich tun einige der Daten-Oldtimer in den typischen beigen Gehäusen, teils sogar noch mit Röhrenbildschirm, heute noch Dienst im Büro. „Da laufen einfache Programme und es funktioniert noch“, stellt der Geschäftsführer fest. Aber nun sollen in den kommenden Wochen die Restbestände in den Regalen verkauft werden. Dann wird geschlossen. Der Vertrag zur Veräußerung der Immobilie ist schon unterschrieben. Es soll zumindest bauhandwerklich weitergehen an dieser Stelle am Nordring: Ein Klempner-Betrieb wird einziehen.

Von Heike Liesaus

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